Moderlieschen

Moderlieschen (Leucaspius delineatus)

Familie: Karpfenartige (Cyprinidae)
Ordnung: Karpfenähnliche (Cypriniformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00185

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Moderlieschen sind kleine, durchschnittlich 5-8 cm, höchstens 12 cm lange Fischchen, die zu dem Karpfenähnlichen gehören. Das Moderlieschen hat einen schmalen, torpedoförmigen Körper mit silbern glänzenden großen Schuppen. Oberseits ist das Schuppenkleid braun-grünlich, seitlich silberweiß bis stahlblaugrau. Die Seitenlinie ist nicht vollständig, sondern erstreckt sich nur über 7-12 Schuppen. Sie ist bläulich oder grau. Die Ansatzstellen der paarigen Flossen sind in der Regel leicht rötlich, die Flossen selbst scheinen durch. Die Mundspalte ist steil nach oben gerichtet.

Moderlieschen Nahaufnahme

Männchen und Weibchen lassen sich außerhalb der Laichzeit  nur schwer unterscheiden, meistens sind die Männchen aber schlanker und kleiner. Bei genauestem Hinsehen  kann man die Fische anhand der Afteröffnung (Urogenitalöffnung) unterscheiden, die beim Männchen tiefliegend ist, während sie beim Weibchen drei Auswüchse hat.

Moderlieschen Gruppe

Geschlechtsreif werden Moderlieschen am Ende des ersten Lebensjahres. Zur Laichzeit, die von April bis Juni andauert, bildet sich beim Männchen ein Laichausschlag und wird beim Weibchen die Geschlechtsöffnung von zwei großen abgerundeten Warzen begrenzt. Das Weibchen hat eine kurze Legeröhre und klebt die nur etwa 1mm großen Eier in spiral- oder ringförmigen Bändern an Pflanzenstängel. Nach der daran anschließenden Befruchtung bewacht und beschützt das Männchen die Eier. Es bewegt die Pflanzenstängel und bestreicht die Eier mit einem Hautschleim, der bakterienhemmend wirkt.

Der Laichvorgang wiederholt sich in den nächsten Wochen mehrmals. Nach neun bis zwölf Tagen schlüpfen die kleinen Fischchen.

Moderlieschen sind Schwarmfische, die sich vorzugsweise dicht unter der Wasseroberfläche aufhalten und werden maximal vier Jahre alt, selten aber älter als drei Jahre. Sie ernähren sich überwiegend von tierischem und pflanzlichen Plankton, sind wenig wählerisch und genügsam. Witterungseinflüssen gegenüber sind die Fische widerstandsfähig und auch Sauerstoffarmut vertragen sie recht gut.

Verbreitet sind die kleinen Fische in Mittel- und Osteuropa vom Rhein bis zum Ural in temporären Kleingewässern, in Pfützen, Gräben, versumpften Weihern und sehr flachen Seen und fließenden Gewässern. Wichtig ist, dass die Teiche und Tümpel pflanzenreich sind.

In größeren Gewässern bevorzugen Moderlieschen deshalb die Uferzone, wo sie aber in starker Konkurrenz zu anderen Fischen stehen und unter dem Selektionsdruck von Raubfischen leiden. In Weihern mit Schwimmblatt- und Unterwasserpflanzen und schlammbedeckten Grund ist das Moderlieschen häufig mit anderen Fischen wie der Schleie, dem Bitterling, dem Schlammpeitzger oder dem Stichling vergesellschaftet.

Heutzutage ist das Moderlieschen selten geworden. Gründe dafür sind Grundwasserabsenkungen, Trockenlegungen, Ausbau- und Unterhaltungsmaßnahmen von Gewässern und chemische und mechanische Entfernung von Wasserpflanzen. Auch Fischbesatzmaßnahmen haben möglicherweise zu einem Rückgang dieser Art geführt.

Allerdings deuten viele Namen darauf hin, dass dieser kleine Fisch früher den Menschen wohlbekannt und vertraut war: Zwerglaube, Schneiderkarpfen, Sonnenfischchen oder Moderloseken und Mutterloseken heißt das Moderlieschen auch. Der Name Mutterloseken bezog sich auf die Ansicht, dass dieses Fischchen auch ohne Eltern entstehen könne, denn das Moderlieschen tritt manchmal plötzlich in Massen auf. “Regnlöje“ heißen Moderlieschen im Dänischen. Dieser Name bezieht sich auf die Ansicht, dass die Fische gewissermaßen mit dem Regen vom Himmel fallen (im Deutschen spricht man entsprechend ja auch von Froschregen, wenn im Juni die jungen Grasfrösche und Erdkröten zu Tausenden aus den Gewässern an Land gekommen sind).

Literatur:
Schmidt, Gottfried W.: Artenhilfsprogramm Moderlieschen, in: Naturschutz praktisch- Merkblätter zum Biotop- und Artenschutz, Nr. 33, LÖLF NRW, Recklinghausen.



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