Bitterling

Bitterling (Rhodeus amarus)
(syn. Rhodeus sericeus amarus)

Unterfamilie: Bitterlinge (Acheilognathinae)
Familie: Karpfenartige (Cyprinidae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00183

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Bitterlinge sind kleine, großschuppige, seitlich abgeflachte Fische mit relativ hohem Rücken von 6-7 cm, maximal 9cm  Körperlänge. Sie gehören zur Familie der Karpfenartigen. Die kleinen Fischchen haben einen graugrünen Rücken, einen silbrigen Bauch und silbrige Seiten und an den Körperseiten zieht sich ein langer, schmaler grünblauer Streifen von der Basis der Schwanzflosse bis zur Höhe der Afterflosse. Männchen und Weibchen lassen sich auch außerhalb der Laichzeit an den Flossen unterscheiden. Diese sind bei den Weibchen stets ungefärbt, während bei Männchen After- und Rückenflosse leicht rosa gefärbt sind.

Zur Laichzeit werden die Farben des Männchens intensiver und an zwei Stellen über dem Maul und über dem Auge erscheinen Laichwarzen. Die Seiten sind nun rotviolett und hinter den Kiemendeckeln ist nun ein blauer Fleck zu sehen.

Bitterlinge Gruppe

Verbreitet sind Bitterlinge nördlich der Alpen von Osteuropa bis Frankreich; in Skandinavien, Dänemark und weiten Teilen Großbritanniens fehlt die Art. Nur eine Bitterlingsart lebt in Europa. In Deutschland ist der Bitterling relativ weit verbreitet. Schwerpunkte seiner Verbreitung sind im Flachland bzw. in den Flussniederungen zu erkennen.

In den letzten Jahrzehnten wurden die einstmals recht häufigen Bitterlinge immer seltener, so dass die Art heute in den Roten Listen zu finden ist. In Deutschland wird sie in den meisten Bundesländern in der Rubrik „Vom Aussterben bedroht“ bzw. „Stark gefährdet“ geführt. Dabei ist der Bitterling nicht besonders anspruchsvoll und besiedelt pflanzenbestandene Uferbereiche von Seen und größeren Flüssen mit schlammigem und sandigem Untergrund. Auch an die Wasserqualität stellt das Fischchen keine höheren Ansprüche als die anderen karpfenartigen Fische. Temperaturen bis etwa 25 Grad Celsius verträgt der Bitterling, auch niedrigere Sauerstoffwerte und  höhere Salzgehalte.

Unbedingt vorkommen müssen in den Lebensräumen des Bitterlings aber größere Muscheln. Nur wo Teichmuscheln (Anodonta) oder Malermuscheln (Unio) leben, kann sich der Bitterling erfolgreich vermehren. Die Laichzeit  beginnt im April/Mai und dauert bis zum Sommer. In dieser Zeit suchen die Männchen geeignete Muscheln und verteidigen sie auch gegen Rivalen.

Dem Bitterlingsweibchen wächst gleichzeitig hinter der Afteröffnung eine 5 cm lange Legeröhre. Das Männchen umwirbt nun ein geschlechtsreifes Weibchen und versucht es zu seiner Muschel zu locken. Nach erfolgreicher Werbung führt das Weibchen die Legeröhre in das Atemloch der Muschel und legt dann bis zu 40 Eier ab. Diese setzen sich im Kiemenraum der Muschel fest. Direkt danach samt das Männchen dicht über der Atemöffnung der Muschel ab. Die Spermien gelangen beim Einatmen der Muschel zu den Eiern und befruchten sie.

Bitterling Weibchen
Bitterling-Weibchen mit Legeröhre

Später wiederholt sich derselbe Vorgang auch an anderen Muscheln, doch produzieren Weibchen nie mehr als hundert Eier in der Laichzeit und sind damit im Vergleich zu anderen Fischarten nur wenig fruchtbar. Die Eier, die einen Durchmesser von bis zu 3 mm haben können,  entwickeln sich in der Atemhöhle der Muscheln und sind dort völlig ungefährdet. Die Larven schlüpfen nach zwei bis drei Wochen. Erst wenn sie etwa 11 mm groß sind und ihren Dottersack aufgebraucht haben, verlassen sie über die Kloakenöffnung die Muschel und nehmen sofort kleinste Nahrungstierchen auf. Da oft verschiedene Bitterlingspärchen dieselben Muscheln nutzen, können im Inneren der Muschel mehr als 100 Eier in verschiedenen Entwicklungsstadien enthalten sein.

Bitterling Männchen
Bitterling-Männchen

Den Muscheln entsteht durch die Bitterlinge kein Schaden.

Die Gefährdung des Bitterlings erklärt sich vor allem über die Gefährdungsursachen der Muscheln. Gewässerunterhaltungsmaßnahmen müssen schonend durchgeführt werden und pflanzenreiche Altgewässer müssen erhalten bleiben. Gefährdet sind Muscheln und somit Bitterlinge auch durch Faulschlammbildung und Nährstoffeintrag.

Bitterlinge können etwa 4 bis 5 Jahre alt werden. Weibchen erreichen ein höheres Lebensalter als Männchen. Sie werden im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif bei einer Standardgröße von 30 mm. Die Nahrung des Bitterlings besteht aus den verschiedensten Kleintieren (Zooplankton) und aus kleinstem pflanzlichen Material (Phytoplankton). Fressfeinde dieser typischen Stillwasserart sind Fische wie Rapfen, Aland, Barsch, Zander, Hecht, Schleie und Wels.

Literatur:
Petersen, Ellwanger u.a. (Bearb.): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000- Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH - Richtlinie in Deutschland, Band 2:Wirbeltiere, Münster.

Schmidt, Gottfried W.: Artenhilfsprogramm Bitterling, in: Naturschutz praktisch- Merkblätter zum Biotop- und Artenschutz, Nr. 34, LÖLF NRW, Recklinghausen.



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