Schlangenadler

Schlangenadler (Circaetus gallicus)

Gattung: Circaetus
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00182

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Im Flug erinnert der Schlangenadler an einen Bussard, doch ist sein Schwanz länger und sind seine Flügel auf der Höhe des Buges breiter als an der Ansatzstelle. Der deutlich vorstehende Flügelbug ist niemals dunkel gefleckt. Da Schlangenadler ihre Flügel meistens mehr oder weniger stark anwinkeln, bilden die Flügel im Extremfall ein M. Die Handschwingen sind oft stark gefingert. Die leicht geschwungenen Flügel werden beim Segeln horizontal, die Handflügel mitunter sogar leicht gesenkt getragen. Dadurch ähnelt der Schlangenadler beim Segeln etwas einem fliegenden Wespenbussard. Im Flug fällt die weiße Unterseite besonders auf; nur die Spitzen der äußeren Hand- und Armschwingen sind schwärzlich. Schlangenadler haben eine Flügelspannweite von 160-180 cm und werden mit 64 bis 72 cm Länge auch deutlich größer als Bussarde.

Auch heute noch kann man dem Schlangenadler im südlichen Europa begegnen, doch ist er nirgendwo häufig. Die besten Bestände haben sich in Spanien gehalten. Früher kamen Schlangenadler bis in den Norden von Deutschland und bis Südjütland vor. In Deutschland sind sämtliche Vorkommen außer in Rheinland-Pfalz spätestens zu Ende des 19. Jahrhunderts erloschen. In Frankreich wurden bis 1964 Jahr für Jahr etwa hundert Schlangenadler erlegt und ein Drittel ihrer Nester zerstört.

Schlangenadler nah

Schlangenadler sind Zugvögel, die hauptsächlich südlich der Sahara überwintern und im März das Überwinterungsquartier wieder verlassen haben.

Wie der Name schon sagt erbeuten Schlangenadler vor allem Schlangen, die in Europa eine Länge von bis zu 110 cm und in Indien sogar bis zu 180 cm haben können. Zornnattern, Kletternattern, Eidechsennattern und Schwimmnattern sind die Hauptbeute in Europa, seltener werden auch Glattnattern und Kreuzottern erbeutet. Blindschleichen, Perl-, Smaragd- und Zauneidechsen werden deutlich weniger gegriffen als die bereits erwähnten Schlangen.

Nur gelegentlich schlagen Schlangenadler auch Amphibien, Kleinsäuger wie Ratten und Vögel wie junge Drosseln. Der tägliche Nahrungsbedarf eines Schlangenadlers wird auf 1-2, der einer Familie während der Jungenaufzucht auf mindestens 3-5 mittelgroße Schlangen geschätzt. Durchschnittlich muss ein Nestling eine Tagesration von 120-150 g zu sich nehmen, während der Nestlingszeit hat er insgesamt einen Nahrungsbedarf von 8-11 kg, was rund 200- 270 Schlangen entspricht.

Schlangenadler frontal

Die Schlangen jagt der Schlangenadler gelegentlich zu Fuß, doch im allgemeinen lauert er ihnen im Schwebe- oder Rüttelflug sowie von erhöhten Warten aus auf. Die Adler lassen sich fallschirmartig fallen, sobald sie ein Beutetier erspäht haben oder sie stürzen sich aus bis zu 400 m Höhe mit halbgeschlossenen Flügeln und hoher Geschwindigkeit aus der Höhe herab und greifen die Beute mit den Fängen.

Bevorzugter Biotop des Schlangenadlers sind ruhige Wälder oder Macchie mit einzelnen höheren Bäumen, auf denen er seinen Horst errichten kann Als Jagdgebiet benötigt er reptilreiches offenes, nicht oder nur wenig kultiviertes Land wie man es sowohl in Gebirgstälern als auch in Niederungen finden kann. Günstige Thermikverhältnisse kommen ihm entgegen. Das Hauptjagdgebiet des Schlangenadlers kann bis zu zehn Kilometern vom Horst entfernt liegen, genug Nahrung findet der Adler aber nur, wenn ausgedehnte offene Flächen wie offene Carrigue oder Brachland, Heide oder Weideland, Geröllhalden oder lückig bewaldete Hänge in Horstnähe sind.

Direkt nach ihrer Rückkehr aus dem Winterquartier beginnen die Schlangenadler mit ihren Balzflügen. Die Vögel sind recht ortstreu, weshalb dieselben Partner  öfter miteinander brüten; allerdings leben diese nicht in Dauerehe, denn im Winterquartier bleiben die Vögel meistens alleine.  Nur ein Ei legt das Weibchen; in Spanien und Frankreich werden die Eier ab Ende März gelegt. Sechs bis sieben Wochen brütet das Weibchen, ehe das Junge schlüpft. Zehn bis elf Wochen verweilt der Nestling im Nest, bevor er oft mit den Altvögeln das Brutgebiet verlässt. Es findet nur eine Jahresbrut statt. Wenn ein Ei zu Beginn der Brutperiode verloren geht, kann ein Nachgelege getätigt werden. Junge Adler im Nest sind recht gefährdet, da die Altvögel oft lange Zeit vom Horst fort bleiben und weit entfernt jagen.

Literatur:
Glutz von Blotzheim, Urs (Hg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1 Falconiformes, Wiesbaden.



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