Sumpfmeise

Sumpfmeise (Parus palustris)

Familie: Meisen (Paridae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00181

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Es gibt zwei verschiedene graue Meisenarten, die sich im Aussehen nur schwer voneinander unterscheiden lassen und aufgrund ihrer großen Ähnlichkeit wie die beiden Laubsängerarten Fitis und Zilpzalp oder Garten- und Waldbaumläufer auch Zwillingsarten genannt werden. Aufgrund dieser großen Ähnlichkeit glaubte man bis weit in das letzte Jahrhundert hinein nicht an die Existenz zweier Graumeisenarten. Am Gesang, aber auch am Verhalten kann man beide Arten jedoch durchaus sicher unterscheiden. Nahe verwandte Arten würden miteinander sehr stark konkurrieren, wenn sie nicht unterschiedliche Lebensraumansprüche hätten und eine ganze Reihe von Merkmalen und Verhaltensweisen ausbildeten, die eine direkte Konfrontation und Konkurrenz verhinderten. So leben Weiden- und Sumpfmeisen in verschiedenen Nischen, obwohl sie sich äußerlich kaum unterscheiden.

Sumpfmeise im Baum

Die Sumpfmeise, die auch Nonnenmeise genannt wird, ist die klar häufigere der beiden Graumeisenarten. Allerdings erreichen die Bestände dieser Meisenart bei Weitem nicht die Größe des Bestandes von Kohl- oder Blaumeise. Sumpfmeisen sind mit etwa 12 cm Größe etwas kleiner als Kohl-, aber größer als Blaumeisen. Sie haben eine graubraune Oberseite und eine grauweißliche Unterseite. Die schwarze Kopfplatte glänzt, weshalb der Vogel in den Niederlanden auch Glanzkopfmeise genannt wird. Bei der Weidenmeise glänzt die Kopfplatte nicht. Sie heißt deshalb in den Niederlanden Mattkopfmeise. Allerdings ist dieses Unterscheidungsmerkmal nicht immer und bei jedem Licht zu erkennen. Der Kopf der Sumpfmeise ist etwas kleiner und der Hals etwas dünner als Kopf und Hals der Weidenmeise. Die Flügel weisen auch kein helles Feld auf wie die Flügel der Weidenmeise. Der im Vergleich zur Weidenmeise meist relativ kleine Kinnfleck ist scharf abgesetzt, auch die hellen Kopf- und Halsseitenfelder sind kleiner als bei der Weidenmeise.

Sumpfmeise nah

Doch sind all diese kleinen Unterschiede in der Natur nicht immer deutlich wahrnehmbar. Sicherstes Unterscheidungsmerkmal bleiben Stimme und Gesang. Der Sumpfmeisengesang ist klappernd und einförmig, während die Weidenmeise wohlartikuliert und abwechslungsreich singt.

Trotz ihres Namens ist die Sumpfmeise keineswegs nur in feuchten Gebieten zu finden. Sie besiedelt Laub- und Mischwälder, die einen hohen Altholzanteil haben, kommt aber auch in großen Obstgärten, Gärten und Parks vor. Lieber sind ihr feuchte als trockene Standorte. Mitteleuropa wird vollständig besiedelt, in den trockenen Waldsteppen Sibiriens und im nördlichen Nadelwaldgürtel fehlt die Art aber. Sumpfmeisen sind Standvögel, die nur ausnahmsweise Wanderungen durchführen. Im Frühjahr und Sommer werden hauptsächlich Insekten und Spinnen erbeutet, vom Spätsommer an frisst die Sumpfmeise viele Sämereien. Im Winter spielen Koniferensamen eine wichtige Rolle in der Ernährung. Bereits im Sommer beginnen Sumpfmeisen damit, sich Vorräte für Notzeiten anzulegen, die sie, z.B. unter Baumrinde sammeln. Diese Vorräte reichen für einige Nottage im Winter aus, wenn sie nicht zuvor von Kleinsäugern „gestohlen“ werden

Ab Mitte April beginnt das Sumpfmeisenweibchen mit dem Nestbau. Es sucht sich eine natürliche Höhle, z.B. eine Spechthöhle. Nistkästen werden auch gerne angenommen und können Grund dafür sein, dass Sumpfmeisen auch in altholzlosen Wald- und Parkbereichen leben. Nie hämmert sich die Sumpfmeise in morschen Weichhölzern wie die Weidenmeise selbst eine Höhle. Höchstens verbreitert die Sumpfmeise den Höhleneingang schon mal mit ihrem Schnabel. Wie alle Meisen trägt die Sumpfmeise zuerst viel Moos in die Höhle, bevor sie die Mulde mit Tierhaaren und Federn auspolstert. Nach 5 bis 8 Tagen ist der Nestbau abgeschlossen. Ein Sumpfmeisennest erkennt man daran, dass die verwendeten Nistmaterialien viel heller als bei anderen Meisen sind. Nur das Weibchen bebrütet das Gelege, das aus 6-10 Eiern besteht.

Sumpfmeise frontal

Während der Brutzeit wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt. Nach 12-15 Tagen schlüpfen die Jungen, die 17-20 Tage im Nest bleiben und von beiden Eltern gefüttert werden. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen, die von jungen Weidenmeisen nicht zu unterscheiden sind, noch etwa eine weitere Woche von den Altvögeln umsorgt. Die Meisenfamilie verlässt nach erfolgreicher Brut  ihr Revier und streift in der Gegend herum, meistens aber nicht über einen Umkreis von mehr als 1 km hinaus. Bis in den Herbst kann die Familie zusammenbleiben, spätestens dann kehren die Altvögel in ihr angestammtes Revier zurück.

Viele Jahre können die standorttreuen Meisen in demselben Revier wohnen und dieselbe  Höhle beziehen.

Literatur:
Bezzel, Einhard: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeres Singvögel, Wiesbaden.
Delin, Hakan, Svensson, Lars: Der Kosmos-Vogelatlas, Stuttgart.
Glutz und Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 13- Passeriformes (4.Teil), Wiesbaden.
Perrins,Christopher: Pareys Naturführer Plus Vögel, Biologie + Bestimmen + Ökologie, Hamburg und Berlin.



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