Wanderfalke

Wanderfalke (Falco peregrinus)

Familie: Falken (Falconidae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00180

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Mitte der 70er-Jahre stand der Wanderfalke in Deutschland kurz vor dem Aussterben; DDT und andere Pestizide sowie  menschliche Verfolgung waren dafür Ursachen. DDT gelangte über den mütterlichen Organismus in die Eier. Die Ansammlung der Gifte führte zu einer Verdünnung der Eierschalen. Als Folge davon zerbrachen die Eier beim Brüten oder wurden die sich entwickelnden Küken im Ei geschädigt und starben noch vor dem Schlüpfen. Mit dem Verbot der Pestizide änderte sich die Situation und die Wanderfalken-Bestände konnten sich zunehmend erholen. Heute ist der Bestand höher als Anfang der 70er Jahre, als rund 450 Paare brüteten.

Wanderfalke am Boden

Der Wanderfalke ist der größte einheimische Falke. Männchen und Weibchen sind unterschiedlich groß und schwer; das kleinere Männchen wiegt 580 bis 720 g, das größere Weibchen zwischen 860 und 1090 g. Wanderfalken haben einen schiefergrauen Rücken, Nacken und Kopf sind schwärzlich-grau und von der hellen Kehle und weißlichen Wange hebt sich deutlich der breite, schwarze Bartstreifen ab. Die helle, manchmal rostrot angehauchte Bauchseite des Wanderfalken ist schwarz querbebändert. In der Mitte der Brust und am Kopf können Flecken vorhanden sein. Die Schwingen des Wanderfalken sind schwärzlich, der  schiefergraue Stoß ist mit schwarzen schmalen Querbändern besetzt. Junge Wanderfalken sind insgesamt bräunlicher gefärbt.

Wanderfalke auf einem Dach

Die gedrungene, kurze Gestalt mit den nach hinten spitz zu laufenden Flügelenden und der kurze Schwanz verleihen dem Wanderfalken eine beinahe ideale Tropfenform, wenn er mit angelegten Flügeln durch die Luft schießt. In dem fast unglaublichen Tempo von rund 300 Stundenkilometern soll der Wanderfalke wie ein lebendes Projektil für wenige Sekunden auf seine Beute herabstoßen können. Als Flugjäger muss er in der Lage sein, zumindestens für kurze Zeit schneller zu sein als der flüchtende Vogel, der sich blitzschnell in Sicherheit bringen möchte.

Das Beutespektrum des Wanderfalken ist groß: 210 Vogelarten wurden als Beute nachgewiesen. Je nach Lebensraum und Erreichbarkeit der Beute verändert sich sein Speiseplan. Während Wanderfalken im Nordseegebiet bevorzugt Strandläufer und Möwen erbeuten, stehen Haus- und Ringeltauben, Krähenvögel und Stare vor allem bei in den Städten lebenden Falken und Finken, Sperlinge, Drosseln und Kiebitze bei in der Agrarlandschaft jagenden Wanderfalken auf dem Speiseplan. Bei uns ist der Wanderfalke aber immer ein reiner Vogeljäger, der sehr ökonomisch jagt. Entweder stürzt er sich  als Ansitzjäger von hohen Felsenklippen oder Türmen auf seine Beute herab oder er kreist in der Höhe und greift sich  aus diesem Kreisen heraus unter ihm durchziehende Vögel.  Mitunter jagen Männchen und Weibchen auch gemeinsam und treiben sich gegenseitig ihre Beute zu.

Als Kosmopolit ist der Wanderfalke weltweit verbreitet und kommt in verschiedenen Rassen vor. Nur in Urwäldern, Steppen- und Wüstenlandschaften und auf Island fehlt der Wanderfalke. In Deutschland war er flächendeckend noch während des 2. Weltkrieges verbreitet, bevor er während der Pestizid-Zeiten bis auf einen kleinen Restbestand von 50 Paaren im Süden ausstarb und sich nach einer zehnjährigen Verzögerung wieder langsam ausbreitete.

Grundsätzlich können Wanderfalken in allen Landschaften Brutvögel sein, wenn Nistmöglichkeiten mit freiem Anflug und Nahrung vorhanden sind. Gern nisten die Falken in der Nähe von Wasser in Felsennischen, Steinbrüchen und Gebäuden. Auch Bodenbruten sind bekannt geworden und Bruten in Graureiher-, Kormoran- und Greifvogelhorsten. An der Nordsee brüten die Vögel gern an Leuchttürmen und in Bojen. In den letzten Jahren wurden die Wanderfalken-Populationen immer mehr vom Menschen abhängig; so nisten Wanderfalken heute z.B. in NRW fast ausschließlich in eigens für sie zur Verfügung gestellten Kästen an Industrietürmen und Schornsteinen und kommen selbst in Großstädten vor. Traditionell bevorzugte Brutplätze in Felsen wurden dagegen aufgegeben und stattdessen von Uhus besetzt.

Schon im Herbst kommt es bei den Wanderfalken zur Paarbildung. Aktiv werden die Paare dann im Januar/Februar und ab Mitte März werden die meist 4 oder 5 Eier, die rotbraun gefleckt sind, in einem Abstand von 2 Tagen gelegt. Nach 31 bis 33 Tagen schlüpfen die Jungen aus den Eiern. Nur das Weibchen brütet. Das Männchen versorgt das Weibchen und später die Jungen mit Beute. Wenn die Jungen drei Wochen alt sind, beginnt auch das Weibchen zu jagen. Nach etwa 6 Wochen sind die Jungen flügge, sie werden von den Altvögeln aber noch weitere vier Wochen mit Beute versorgt. Damit die Jungen lernen, Beute zu halten und zu töten, werden ihnen von den Altvögeln lebende Vögel gebracht. Das Jagen selbst ist den Vögeln angeboren und muss nicht erlernt werden. Durchschnittlich überleben 2,5 Junge pro Brut.  Etwa die Hälfte der Jungen sterben in den ersten Lebensjahren, später sind es dann nur noch 10-25 % eines Jahrganges. Schon mit einem Jahr sind Wanderfalken geschlechtsreif, doch der Bruterfolg von Paaren mit einem nur einjährigen Partner ist sehr schlecht.

Literatur:
Bednarek, Walter: Greifvögel, Hannover.
Glutz von Blotzheim, Urs, Bauer, Kurt, Bezzel, Einhard: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4- Falconiformes, Frankfurt am Main.
Stern, Horst u.a.: Rettet die Vögel...wir brauchen sie, Bonn.



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