Nachtigall

Nachtigall (Luscinia megarhynchos)

Gattung Luscinia
Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00177

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Berühmt ist die Nachtigall durch ihren Gesang geworden. Auch wenn fast jeder von ihren Gesangsqualitäten gehört hat, ist damit noch längst gesagt, dass die meisten die Nachtigall an ihrem Gesang erkennen. Und erst recht werden nur wenige den Singvogel von seinem Aussehen her ansprechen können.

Die Nachtigall gehört zur Familie der Drosseln, der eine Reihe guter Sänger angehören:  Singdrossel und Amsel seien in diesem Zusammenhang erwähnt, aber auch Blau- und Rotkehlchen. Mit 16,5 cm ist die Nachtigall lerchen- oder gut haussperlingsgroß. Sie hat kaum besondere Merkmale, außer ihrem bemerkenswerten Gesang und vielleicht ihrem braunroten, abgerundeten Schwanz. Ihre Oberseite ist einfarbig braun, die Unterseite hell braungrau. Junge Nachtigallen sehen aus wie junge Rotkehlchen, sie sind gefleckt und gesprenkelt, durch ihre Größe aber leicht vom kleineren Rotkehlchen zu unterscheiden. Der junge Gartenrotschwanz, der auch einer jungen Nachtigall sehr ähnelt, ist an dem leuchtenderen rotbraunen Schwanz und der geringeren Größe kenntlich.

Nachtigall singt

Den wohltönenden Gesang der Nachtigall beschreiben zu wollen, ist unmöglich. Er besteht aus vielen Strophen dicht gereihter Einzel- oder Doppeltöne, sein prächtiges „Crescendo“ hat ihn berühmt gemacht. Laut schmetternd singt die Nachtigall bei Tage und in der Nacht. Längere Strophen wechseln immer wieder mit andersklingenden Strophen, aber auch mit Wiederholungen ab. Laut schmetternd, dann leise, wohltönend, klagend, flötend, voller Gemüt, immer von kleinen Pausen unterbrochen singt der Vogel im halbhohen Gebüsch verborgen oder von niedriger freier Warte. Immer wieder ist ein schluchzendes Motiv aus tiefen Tönen zu hören, das im Gesangsverlauf immer stärker wird und wie „düü- düü- düü- düü- düü- düü- trrr- zick“ klingt. Doch bereits nach wenigen Wochen, etwa Ende Mai oder Anfang Juni, verstummt die Nachtigall und lebt dann heimlich und völlig unauffällig.

Noch sind Nachtigallen keine Raritäten und noch steht die Nachtigall in Deutschland nicht bundesweit auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Aber ein langfristiger Rückgang der Art ist festzustellen und in einzelnen Bundesländern, in NRW und Hessen zum Beispiel, ist der begnadete Sänger ein Fall für die Rote Liste geworden. Geschätzte 95.000 Brutpaare leben noch in Deutschland. Lichte Laub- und Mischwälder, insbesondere Auwälder, sind der bevorzugte Lebensraum dieser Art. Aber auch Parks, Friedhöfe, große Gärten und Heckenlandschaften können der Nachtigall zusagen, wenn sie über reichen Unterwuchs verfügen und eine Falllaubschicht vorhanden ist. Wassernähe ist ein weiterer Bonuspunkt für diese Art.

Nachtigall im Baum

Um den Bestand der Nachtigall zu sichern, müssen die noch vorhandenen Auwälder erhalten bleiben und dürfen Gärten nicht zu sehr aufgeräumt werden. Dort wo das herbstliche Falllaub auf Deponien oder in Kompostieranlagen landet anstatt zwischen Bäumen und Sträuchern am Boden liegen zu bleiben, dort wird sich die Nachtigall nicht mehr einfinden. Dass die Nachtigall aus Dörfern und Städten, in denen sie früher überall zu finden war, verschwunden ist, hat die Ursache in unserem Ordnungssinn und den vielfach blankgefegten Gärten..

Etwa Mitte April kehren unsere noch verbliebenen Nachtigallen aus ihrem Winterquartier im tropischen Afrika nördlich des Äquators zu uns in ihre Brutheimat zurück. Die Brutgebiete erstrecken sich von West-, Mittel- und Südeuropa nach Vorderasien und Westsibirien. Nachtigallen bevorzugen dabei das Tiefland und fehlen im waldreichen Mittel- und Hochgebirge.

Bald nach der Rückkehr beginnen die Weibchen damit, ihr Nest zu bauen. Geschickt wird es im Falllaub am Boden, manchmal auch dicht über dem Boden im Unterwuchs von Gehölzen versteckt.  Das Gelege besteht aus 4-6, in der Regel aber 5 olivgrauen bis braunen Eiern und ist meistens Anfang Mai komplett. Zwei Wochen brütet das Weibchen. Schon nach etwa 11 Tagen verlassen die Jungen das Nest. Beide Elternteile füttern die Jungen.

Als Nahrung bevorzugen die Vögel Käfer und deren Larven, kleine Schmetterlingsraupen und Ameisen, aber fast alle Insekten werden aufgenommen. Auf dem Zuge, der im September beginnt, nehmen Nachtigallen auch Beeren zu sich.

Der Nachtigall zum Verwechseln ähnlich ist der Sprosser, der in Deutschland in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, im Nordosten Brandenburgs und bei Berlin brütet. Beide Arten sind sehr nahe miteinander verwandt und lassen sich kaum voneinander unterscheiden. Insgesamt ist der Sprosser dunkler gefärbt und er hat eine graubraune Brustfleckung. Man spricht wie bei Wald- und Gartenbaumläufer, Fitis und Zilpzalp oder Weiden- und Sumpfmeise von Zwillingsarten. Sogar in den Ansprüchen an den Lebensraum ähneln sich die beiden Arten.

Literatur:
Glutz von Blotzheim& Bauer (Hg), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 11, I, Passeriformes Teil II, Wiesbaden.
Peterson, Mountfort, Hollom: Die Vögel Europas, Hamburg und Berlin.
Philipp, Klaus: Vogelstimmen nach Volksmundversen erkannt, Karlsfeld.
NABU, Naturschutz heute, Vogel des Jahres 1995: Die Nachtigall.



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