Mittelmmerlaubfrosch

Mittelmeer-Laubfrosch (Hyla meridionalis)

Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Familie: Laubfrösche (Hylidae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00174

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Der Mittelmeer-Laubfrosch ist ähnlich gefärbt wie der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea), allerdings fehlt ihm die schwarze Seitenlinie von Hyla arborea. Meistens ist der Rücken etwas heller grün als beim Europäischen Laubfrosch. Allerdings gibt es auch bräunliche (siehe Foto unten), graue, gefleckte und in der Camargue sogar selten blaue Exemplare.

Kehle und Körperseiten sind stets grün gefärbt (außer bei bräunlichen Exemplaren) und die Schnauzenspitze ist stärker abgerundet als beim Europäischen Laubfrosch. Wenn man genau hinschaut, fallen an den Beinen undeutliche Streifen auf. Die Männchen des Mittelmeer-Laubfrosches unterscheiden sich außerdem durch eine Längsfalte in der großen Schallblase.

Diese andere Struktur der Schallblase führt zu einer weiteren deutlichen Unterscheidungsmöglichkeit: Die Stimme des Mittelmeerlaubfrosches ist nämlich tief und schwingend und hat eine Frequenz von etwa einem Ruf in der Sekunde. Der Chorgesang der Mittelmeerlaubfrösche klingt also erheblich tiefer und nicht so schnell als beim Europäischen Laubfrosch. Der Artstatus für den Mittelmeer-Laubfrosch steht heute nicht in Frage, auch wenn Hyla meridionalis bis in die 60er Jahre hinein als Unterart des heimischen Laubfrosches galt. Denn neben äußerlichen Merkmalen und dem Paarungsruf unterscheidet sich der Mittelmeerlaubfrosch auch im Serumeiweiß vom Europäischen Laubfrosch.

Der Mittelmeer-Laubfrosch wird bis zu 5 cm lang und ist vom küstennahen Bereich Nordwest-Italiens über Südfrankreich, die Iberische Halbinsel (allerdings fehlt die Art im nordöstlichen Spanien und in den Pyrenäen), die Balearen, die Kanarischen Inseln und Madeira bis nach Nordwest-Afrika verbreitet.

In ihren Verbreitungsgebieten kann einem das Gequake der Frösche schon um den Schlaf bringen, denn die Laubfrösche können dort nicht nur in großer Häufigkeit vorkommen, sondern ihren Ruf auch noch in erstaunlicher Lautstärke erklingen lassen. Auf runde 100 Dezibel bringen es die kleinen Frösche in einem Meter Entfernung. Allerdings nimmt die Tonstärke mit zunehmender Entfernung vom rufenden Männchen (Weibchen rufen nicht so lautstark) schnell ab.

Mittelmeerlaubfrösche können das ganze Jahr hindurch vereinzelt angetroffen und gehört  werden. Zu überhören sind sie ab etwa Ende März nicht mehr. Vor allem in der Zeit von 19 Uhr bis 2 Uhr ist das pausenlose Gequake zu vernehmen, bei Temperaturen zwischen 5 und 21 Grad. Im Jahresverlauf suchen die Mittelmeerlaubfrösche verschiedene Lebensräume auf und unterscheiden sich hierin nicht von den Europäischen Laubfröschen. Im Winter halten sie sich an frostfreien, feuchten Stellen auf, gern an der Basis von Baumstämmen oder unter Steinen und häufig an Orten, die nach Süden ausgerichtet sind. So sind sie auch vor den aus dem Norden wehenden Mistralwinden geschützt.

Im Frühjahr zieht es sie dann zum Röhricht, wo sich die Männchen einen geeigneten Rufplatz suchen. Die Rufplätze liegen um den Laichplatz herum, der offenes und verkrautetes Wasser haben sollte. Die Wasserpflanzen sorgen für Sauerstoffreichtum. Wenn ein Einzeltier mit dem Rufen anfängt, stimmt zugleich der gesamt Chor ein. Diese Paarungsrufe sind aber nicht die einzigen Lautäußerungen zu denen die Tiere fähig sind. Es gibt auch noch Revierrufe, Befreiungsrufe und andere. Hat ein Männchen ein Weibchen gefunden, lässt es sich von diesem auf dem Rücken zum Laichgewässer tragen. Unter Wasser klettert das Pärchen in den Pflanzen herum und befestigt die Eiklumpen in etwa 3,5 cm Tiefe an diesen. Die Eiklumpen bestehen aus bis zu etwa 40 Eiern. Insgesamt bis zu 700 Eier kann ein großes Mittelmeer-Laubfroschweibchen legen.

Nach der Eiablage zieht es die weiblichen Tiere zurück zu ihren angestammten Plätzen in Hecken und Sträuchern. Sie klettern hervorragend und sind im Pflanzengrün nur schwierig zu entdecken. Die Männchen verbleiben an ihren Rufplätzen und hoffen auf weitere Begegnungen  mit Weibchen.

Schon  Mitte Juni haben sich die Larven in Jungfrösche verwandelt; diese sitzen zuerst auf Algenpolstern, später dann in Ufernähe auf Binsen und Simsen und ab Mitte August sind die winzigen Frösche überall in den Hecken anzutreffen. Dort ernähren sie sich von kleinen Käfern und Spinnen und werden selbst häufig Beute anderer Tiere.

Literatur:
Trutnau, Ludwig: Europäische Amphibien und Reptilien, Belser – Verlag, Stuttgart.
Diesener, Günter und Reichholf, Josef: Lurche und Kriechtiere, Mosaik-Verlag, München.
Grzimeks Tierleben, Band 5: Fische 2, Lurche. DTV, München.
Natur-Magazin Draußen, Heft 37, Camargue; Hamburg.



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