Zwergdommel

Zwergdommel (Ixobrychus minutus)

Familie: Reiher (Ardeidae)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00173

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In Deutschland gehört die Zwergdommel zu den seltensten Brutvögeln. Nur 35 bis höchstens 50 Paare gibt es noch. Mit 20-30 Paaren ist Baden-Württemberg am besten besiedelt; in Brandenburg gibt es noch 10-16 Paare. Reelle Chancen, die Zwergdommel zu sehen, hat man vor allem in der Wegbachniederung (zwischen Mannheim und Karlsruhe), im Unteren Odertal und im Mohrhofweihergebiet in Nordbayern.

Auch im übrigen Mitteleuropa ist der Bestand der Zwergdommel stark rückläufig, während die Zwergdommel in Südeuropa noch verbreitet sein soll. Die Verbreitung des Zwergdommel ist an das Vorhandensein geeigneter Gewässer gebunden und entsprechend unregelmäßig. Mit der Verbreitung der Zwergdommel ist in etwa auch die Verbreitung des Drosselrohrsängers identisch, der ebenfalls wie die Zwergdommel mit Schilf, Rohrkolben und wucherndem Gebüsch bestandene Gewässer benötigt. Besonders gerne werden versumpfte Niederungen, Altwässer, Brüche und stille schilfreiche Buchten mit seichtem stehenden Wasser besiedelt.

Zwergdommel Weibchen Zwergdommel Männchen
Weibchen der Zwergdommel Zwergdommelmännchen

Das Männchen ist recht kontrastreich schwarz und cremegelb, das Weibchen nicht so kontrastreich braun und gelb gefärbt. Die Jungen sind grob braungefleckt bis gestreift. Im Fluge wirken die Vögel viel gelblicher. Wie andere Reiher legen sie ihren Hals dabei zurück.

Zwergdommeln sind tag- und nachtaktiv, vorwiegend sind sie aber in der Dämmerung rege. Die scheuen und schwer zu beobachtenden Vögel bleiben bei Gefahr bewegungslos in eingefrorener Pose stehen und sind dann kaum wahrnehmbar. Unter Umständen behält die Zwergdommel minutenlang eine sogenannte Pfahlstellung bei, in der sie sich auch in Zeitlupentempo zurückzuziehen vermag. Diese Pfahlstellung können auch schon kleine Dunenjunge einnehmen, die dabei auch noch wie Schilfhalme hin und her schwanken. Wenn Zwergdommeln in die Enge getrieben werden nehmen sie wie Rohrdommeln eine Abwehrstellung ein: sie breiten ihre Flügel seitwärts aus, sträuben ihr Halsgefieder, ziehen ihren Kopf zurück, sperren ihren Schnabel auf und visieren das Gesicht des Feindes an.

Die kleinen Reiher ernähren sich von Fischen, die manchmal eine erstaunliche Größe haben können. Selbst die Jungen werden schon mit Fischen von 6-10 cm Größe gefüttert. Auch Insekten und deren Larven, Frösche, Kaulquappen, Molche, Blutegel, Würmer, Schnecken, Muscheln, Eier und Jungvögel von den im Rohr brütenden Kleinvögeln stehen auf dem Speisezettel der Zwergdommel, die wie andere Reiher, Eulen und Greifvögel Gewölle mit unverdaulichen Nahrungsresten ausspeit.

Zwergdommel Pfahlstellung
Männchen in Pfahlstellung

Die Beute wird hauptsächlich von einem Anstand aus gejagt, der oft im Röhricht liegt, gern aber auch am Rande von offenen Wasserflächen. Nur selten jagen Zwergdommeln völlig ungedeckt, indem sie im Wasser schreiten oder auf Seerosenblättern sitzen.

Recht spät im Jahr beginnen die Vögel mit ihrem Brutgeschäft, denn dann erst ist das junge Schilf nachgewachsen und ermöglicht ein gutes Nestversteck.  Das Männchen wählt den Nistplatz aus und erbaut alleine die Nestanlage im Schilf oder zum Beispiel in Weiden, die über der Wasseroberfläche wachsen.. Diese besteht aus großen Halmen, die zu einer Art Rost zusammen gefügt werden mit einem kegeligen Zentrum aus nassen Schilfblättern. Wenn das Weibchen das Nest, das meistens 20-30 cm über dem Wasserspiegel liegt, für gut befunden hat, führen beide Partner den Kegelaufbau weiter aus. Schließlich kleidet das Weibchen alleine die Nistmulde mit dünnen und kurzen Schilfhalmen und einzelnen nassen Schilfblättern und Blütenrispen aus. Wird das Nest bereits im Mai erbaut, brauchen die Vögel dafür 5-7 Tage. Von Mitte Juni an wird es schon innerhalb von 2-4 Tagen fertiggestellt. Bei Störungen wird das Nest schnell aufgegeben und woanders neu erbaut.

Zwergdommel Weibchen
Fotos: Thomas Kirchen :Zwergdommelweibchen

Das Gelege besteht in der Regel aus 5 oder 6 Eiern, 4 und 7 Eier sind nicht selten. Die Brutdauer beträgt 16-17, nach anderen Quellen auch 18-19 oder gar 20-21 Tage. Wahrscheinlich sind die Unterschiede darauf zurückzuführen, dass die Vögel in den ersten Bruttagen nicht sehr ausdauernd sitzen. Direkt nach dem Schlüpfen wiegen junge Zwergdommeln knapp 10 Gramm und tragen ein blasses Dunenkleid. Schon im Alter von 5-6 Tagen können sie ihr Nest verlassen, um in nahen Schilfhalmen herumzuklettern. Mit 8-10 Tagen klettern sie bereits geschickt im Schilf herum. Wenn die Brut ungestört bleibt, halten sich junge Zwergdommel bis zum Alter von 30 Tagen, wenn sie flugfähig sind, aber nur in der näheren Nestumgebung auf. In der Regel brüten Zwergdommeln nur einmal im Jahr, es sind aber Zweitbruten bekannt geworden.

Fotos: Thomas Kirchen: Zwergdommelmännchen

Gefährdet sind die Gelege der Zwergdommel vor allem durch Ratten; auch kleinere Raubtiere wie Wiesel können den Eiern, den Jungen und selbst Altvögeln, die auch von Greifvögeln gegriffen werden, gefährlich werden. Als Zugvögel verlassen die Zwergdommel Mitteleuropa meistens im September. Im Laufe des Aprils, manchmal auch erst Anfang Mai, treffen Zwergdommeln wieder im mitteleuropäischen Brutgebiet ein. Die Männchen erscheinen einige Tage früher als die Weibchen und die Jungvögel kommen wesentlich später zurück.

Literatur:
Bauer und Glutz, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1, Wiesbaden.
http://www.birdinggermany.de/
http://www.kindernetz.de



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