Wildpferd

Dülmener Wildpferd (Equus sp.)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde (Equidae)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00172

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Erstmals wurden die Dülmener Wildpferde im Jahre 1316 erwähnt als dem Herren Johannes de Lette und Hermann de Merfeld urkundlich neben der Jagd und Fischerei auch das Recht an den wilden Pferden im Merfelder Bruch zugesprochen wurde.

Wildpferde Gruppe

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts fielen rund 800 Hektar des Bruchwaldes, in dem die wilden Pferde lebten, an den Herzog von Croy. Dieser ließ die letzten frei lebenden Wildlinge einfangen und in ein 200 Hektar umfassendes Gatter bringen. Heute leben rund 350 Pferde auf den eingegatterten Wiesen- und Waldflächen, die mittlerweile fast 400 ha (also 4 qkm) umfassen, so dass jedes Pferd etwa einen Hektar Weidegrund zur Verfügung hat.
Die Pferde leben ständig im Freien und sind weitestgehend auf sich selbst angewiesen. Nur im Winter wird Heu zugefüttert und wenn in regenarmen Sommern die natürlichen Tränken versiegen, werden künstliche Tränken mit Wasser gefüllt.

Wildpferd mit Fohlen

Im Allgemeinen sind die Dülmener Wildpferde sehr gut an ihren Lebensraum angepasst, folgen ihren Instinkten und kommen mit Witterung und dem bestehenden Nahrungsangebot gut zurecht. Doch in langen, strengen Wintern gehen die Pferde zugrunde, die nicht widerstandsfähig genug sind. Meistens trifft es die Fohlen und die tragenden Jungstuten. Hengste gehören nicht zur Herde.

Ein Deckhengst wird im Mai nach dem Wildpferdefang bis zum Herbst in die Herde eingesetzt. In den letzten Jahren wurden polnische Koniks aus Wildhaltungen angekauft. Ziel der Zucht ist es, die ursprüngliche Rasse, Primitivrasse genannt,  zu erhalten. Auch der Biotop, in dem die Pferde leben, muss dafür so erhalten bleiben wie er ist, denn eine Veränderung des Biotops würde durch die natürliche Selektion auch einen anderen Pferdetypus hervorbringen.

Am letzten Samstag im Mai werden dann die jungen Hengste aus der Herde herausgefangen. Dieser traditionelle Wildpferdefang hat den kleinen Ort Merfeld bei Dülmen im Kreis Coesfeld berühmt gemacht. Tausende von Besuchern können in einer Arena mitverfolgen wie die Junghengste per Hand und ohne Hilfsmittel aus der Herde herausgefangen und danach versteigert werden. Als unkomplizierte Freizeitpferde sind die Dülmener Wildpferde beliebt.

Stuten werden weder gefangen noch verkauft und verbleiben ihr ganzes langes Leben lang in der Herde.

Die Dülmener Wildpferde haben mit 130 cm Stockmaß in etwa die Größe von Islandpferden. Das Sommerfell der Dülmener ist kurz und glatt, das Winterfell lang und zottelig. Drei verschiedene Fellfarben sind in der Herde zu finden. Die mausgrauen und gelblichbraunen Pferde, die noch den Aalstrich der Wildlinge tragen, erinnern an Tarpan und Przewalskipferd. Während der Tarpan ganz ausgerottet wurde, wurde das andere Urwildpferd von dem Forscher Przewalski 1870 in der Mongolei wiederentdeckt und konnte bis heute überleben. Natürlich stammen die Dülmener Wildpferde nicht direkt von diesen beiden Urwildpferden ab.

Neben den mausgrauen und gelblichbraunen Pferden sind in der Herde dunkelbraune Pferde zu finden, die eine helles „Mehlmaul“ haben und wie englische Exmoorponys aussehen. Auch Füchse, Rappen und Falben sind in der Herde zu finden sowie alle Übergänge zwischen diesen. Schimmel fehlen allerdings. An der Vielfalt der Farben lässt sich schon ablesen, dass auch die Pferde im Merfelder Bruch züchterischen Einflüssen unterworfen waren. Vor den Polnischen Koniks ließ man überwiegend englische Ponyhengste zu den Stuten in die Wildbahn. Da nur sehr wenig Hengste eingesetzt werden und diese nur bis in den September hinein verbleiben, können im Merfelder Bruch keine Familienverbände wie zum Beispiel in der Camargue entstehen, die aus einem Hengst mit seinem Harem bestehen.

Dennoch kann man auch in Merfeld Verbände erkennen, die von verschiedenen meist alten Stuten angeführt werden. Diese alten Stuten führen ihre Trupps zum Beispiel zur Tränke und achten sehr darauf, das jedes Tier in ihrem Gefolge genau seine Rangordnung kennt. Mit zurückgelegten Ohren werden aufmuckende Herdenmitglieder zur Ordnung gerufen. Die Nüstern werden zugekniffen, die Mundwinkel verziehen sich und die Augen blitzen auf. Diese Drohgebärde reicht in der Regel aus, nur selten wird gebissen oder mit den Hufen geschlagen.

Die Wildpferde im Bruch sind sehr soziale Tiere. Ausführlichst geben sie sich der Körper- und Fellpflege hin. Ranggleiche Tiere oder auch Mütter und ihre Fohlen stellen sich mit dem Kopf in Richtung Schwanz des anderen Tieres auf und durchkämmen und durchkneten mit ihren Schneidezähnen den Hals des Partners. So wird auch der ganze Rücken bis zur Schwanzwurzel bearbeitet. Diese ausgiebige gegenseitige Fellpflege lässt sich gut beobachten, wenn man den Pferden einen Besuch abstattet. Auch Fliegen und Bremsen vertreiben die Dülmener Wildpferde sich gegenseitig mit ihren Schwänzen, wenn sie dicht an dicht zusammenstehen. Und wenn es dann gar zu schlimm wird mit den Quälgeistern, nimmt man ein Bad im Schlamm oder im Staub. An Menschen haben sich die Wildpferde längst gewöhnt. Vor ihnen fliehen sie nicht oder nur, wenn sie erschreckt werden. Hunde sollte man keineswegs frei zwischen den Pferden laufen lassen. Schnell sollen diese sich im Kreis aufstellen und ihren tierischen „Wolfsfeind“ mit gezielten Hufschlägen verletzen oder gar töten.

Literatur:
www.Wildpferde.de
Prospekte der Herzog von Croy´schen Verwaltung, Schlosspark 1, 48249 Dülmen
Natur Magazin draußen: Münsterland, Heft 40.



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