Weißkopfmöwe

Weißkopfmöwe (Larus cachinnans)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Möwen (Laridae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00171

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Die Weißkopfmöwe ist eine Art, die allmählich ihr Areal erweitert. So brütet sie u.a. in Nordrhein-Westfalen an einigen Orten wie in Hürth-Knapsack oder in Wesel. Ganzjährig halten sich zumindestens einzelne Weißkopfmöwen am Rhein auf und im Spätsommer und Frühherbst können über 100 Vögel anwesend sein. So wurden am 20.8. 1998 immerhin 152 Weißkopfmöwen am Rhein zwischen Duisburg und Wesel gezählt. In Mitteleuropa brütete die Weißkopfmöwe zuvor nur in der Schweiz regelmäßig.

Weißkopfmöwe auf Stein

Eigentliche Heimat dieser Möwenart sind aber die Küsten und das Binnenland des Mittelmeerraumes (Unterart michahellis), Nordost-Europa (unterart omissus) und Asien.

Die aus dem Mittelmeerraum stammenden Möwen der Unterart michahellis werden deshalb auch Mittelmeermöwen genannt.

Die Mittelmeermöwe ähnelt der Silbermöwe, aber ihr Hals und ihr Lauf wirken länger. Beim stehenden oder schwimmenden Vogel ragen die Flügelspitzen um mindestens 5-7 cm statt nur etwa 3-6 cm bei der Silbermöwe über das Schwanzende hinaus. Die Mittelmeermöwe ist also ausgesprochen langflügelig.

Weißkopfmöwe nah

Altvögel haben leuchtend gelbe Beine und eine etwas dunkler grau gefärbte Oberseite und mehr Schwarz und weniger Weiß in der Flügelspitze. Zu Beginn des Winters sind der Kopf und der Hinterhals nur sehr fein gestrichelt und wirken durch Abnutzung des Gefieders sehr schnell reinweiß.

Die Rufe der Weißkopfmöwe ähneln eher der Heringsmöwe als der Silbermöwe. Zwar ist das Rufrepertoire gleich, doch ist der Hauptruf im Vergleich zur Silbermöwe tiefer, langgezogener, gutturaler und schwächer. Er hört sich etwas klagend an.

Weißkopfmöwen brüten in lockeren Kolonien hauptsächlich auf kleinen Fels- und Sandinseln, die der Küste vorgelagert sind. Auch Schlickinseln von Lagunen, Salinen und Flussdeltas dienen ihnen als Brutplätze. Bruten auf Hausdächern in Küstenorten sind absolute Ausnahmen. Im Binnenland ist die Art auf Kiesbänken und Inseln von Flüssen und Seen zu finden.  Die Minimalabstände zwischen den Nestern in der Kolonie betragen 2 m und sind nur an vegetationsreichen Brutplätzen so nahe beieinander zu finden.

Ab November wird an der Küste bereits der Nistplatz bezogen und im Januar sind die Kolonien besetzt. Der Neststand findet sich meistens in Dünen, in Macchie oder anderer höherer Vegetation. Das Nest kann eine einfache Mulde sein oder richtig hoch und stabil aus Gras, Kräutern, Zweigen und ähnlichem Material aufgeschichtet sein. Die Eier sind nicht von der Silbermöwe zu unterscheiden; ein Gelege besteht aus 2 oder 3 Eiern. Der Brutbeginn liegt einen Monat früher als bei der Silbermöwe; in der Regel liegt die Eiablage zwischen Mitte März und Ende April. Nach 27-31 Tagen schlüpfen die Möwenküken. Nach weiteren fünf Wochen sind sie flugfähig und mit 6-8 Wochen selbstständig. Das bisher festgestellte Höchstalter einer Mittelmeermöwe betrug 9 Jahre.

Ihre Nahrung erwerben Weißkopfmöwen ebenso vielseitig wie Silbermöwen. Am Strand suchen sie nach angetriebenen essbaren Dingen. Wichtiger ist für die Möwen die Nahrung, die sie an Land finden. Sie suchen schreitend oder fliegend nach Beute, lesen Früchte und Obst auf,  rütteln nach Insekten, sammeln Würmer und jagen Kleinsäuger. Auch Vögeln stellen sie nach, besonders Sperlingen, die über das Wasser fliegen. In der Camargue erbeuten die Möwen Flamingoküken, die fast doppelt so schwer sind wie sie. Die Küken werden mit Schnabelhieben getötet, an Land geschleppt oder schwimmend auf dem Wasser verzehrt. Meistens sind in solchen Fällen mehrere Weißkopfmöwen beteiligt, während einzelne Vögel die Eier und jungen Küken der Flamingos rauben. Häufig kann man auch beobachten, wie die Weißkopfmöwen Seiden- und Silberreihern Fische abjagen. Hinter dem Pflug nehmen sie Lach- und Schwarzkopfmöwen die Beute ab. Muscheln, Krebse oder Flamingoeier werden dadurch geöffnet, dass sie diese aus dem Flug fallen lassen. Die Eier werden allerdings auch manchmal aufgehackt. Wie bei vielen Möwenarten scheint der Bestand in den letzten Jahrzehnten zuzunehmen, weil auch diese Möwen stark von offenen Müllkippen profitieren.

Literatur:
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1: Charadriiformes (3. Teil), Wiesbaden.Nordrhein-westfälische Ornithologengemeinschaft (Hg): Charadrius, Zeitschrift für Vogelkunde, Vogelschutz und Naturschutz in Nordrhein-Westfalen, Heft 4, 1999.



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