Brandseeschwalbe

Brandseeschwalbe (Sterna sandvicensis)

Familie: Seeschwalben (Sternidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00169

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Mit  einer Länge von rund 40 cm und einer Flügelspannweite von etwa 110 cm ist die Brandseeschwalbe nach der nur noch sehr seltenen Raubseeschwalbe die größte Seeschwalbe unserer Breiten und damit sogar noch etwas größer als eine Lachmöwe. Brandseeschwalben kann man an ihrem langen, schwarzen, recht schlanken Schnabel, der eine gelbliche Spitze aufweist, erkennen. Im Sitzen sind auch die kurzen schwarzen Beine und der angedeutete Schopf im Nacken weitere Kennzeichnen dieser Art. Brandseeschwalben wirken sehr hell, haben  lange schlanke Flügel, die oft sehr gewinkelt sind und einen kurzen Schwanz. Der Flug wirkt kraftvoll und eilig. Auf ihrer Körperoberseite ist die Brandseeschwalbe grau wie eine Möwe, ihre Unterseite ist weißlich. Oberkopf und Nacken, der in den Schopf übergeht, sind tiefschwarz. Im Schlichtkleid ist die Stirn allerdings weiß und der Oberkopf mit weißen Federn durchsetzt. Jungvögel haben meist einen ganz dunklen Schnabel ohne gelbe Spitze und nur wenig weiß auf  Stirn, Rücken und Schwanz. Die Vorderflügel der Jungen sind dunkel gemustert.

Brandseeschwalbe Gruppe

Brandseeschwalben sind treffsichere Stoßtaucher, die sich hauptsächlich von kleinen Fischen ernähren. Sie stoßen sich aus größerer Höhe ins Wasser als andere Seeschwalben und fischen oft weit auf dem offenen Meer. Neben Fischen erbeuten sie auch Krebse und Weichtiere wie Schnecken und Würmer. Im Binnenland sieht man Brandseeschwalben so gut wie nie, sie halten sich an der Küste auf und sind auch außerhalb der Brutzeit ans Meer gebunden.

Brandseeschwalbe über Wasser

Brandseeschwalben brüten in riesigen, dicht gedrängten Kolonien und sind auf das unmittelbare Küstengebiet von Nord- und Ostsee beschränkt. Von Westen nach Osten werden sie zunehmend seltener. Der mitteleuropäische Gesamtbestand betrug 1978 14.200 Paare, die sich auf 20 Kolonien verteilten. Bestandsschwankungen scheint es keine größeren zu geben. Norderoog, Trischen, Großer Knechtsand und Minsener Oldeoog (bei Wangerooge) beherbergen die kopfstärksten und beständigsten Kolonien dieser Seeschwalben in Deutschland.

Im Allgemeinen beginnen die Vögel ihre Eier ab Anfang Mai zu legen, selten schon ab Ende April (Niederlande, westliche Ostsee) und gelegentlich erst ab Mitte Mai (auf einigen Inseln).  Zuvor hat eine gestenreiche Balz zur Paarbindung vor allem bei Erstbrütern stattgefunden. Ältere Seeschwalben erreichen ihre Kolonie oft schon verpaart.

Die Nester sind nur auf völlig kahlen Dünen- und Strandbereichen oder auf spärlich bewachsenen Flächen zu finden. Auf dem Untergrund aus Sand, Muschelkalk oder Kies und in Graudünen  legen beide Partner eine kleine Mulde an mit einem Durchmesser von 10 bis 20 cm und einer Tiefe von 1,8-4,5 cm, in die sie ihre meistens zwei Eier ablegen.

Auch Einzelgelege kommen vor. Männchen und Weibchen wechseln sich bei der Brut ab. Nach mindestens 22-23 Tagen, manchmal auch 24-26 Tagen schlüpfen die Jungen. Diese bleiben 2-3 Tage im Nest und beginnen danach kleinere Ausflüge in der Nestumgebung zu machen. Bis zum Flüggewerden dauert es noch vier bis fünf Wochen.  Hohe Verluste entstehen in Brandseeschwalbenkolonien durch Sturmfluten, Sandverwehungen und nasses, regnerisches Schlechtwetter. Menschliche Störungen sind die nächstwichtige Verlustursache gefolgt durch Predation vor allem von Mantel-, Silber- und Sturmmöwen. Lachmöwen vergreifen sind nur ausnahmsweise an Eiern und Jungen.

Flügge Jungen sind schnell in der Lage, selbst Fischchen zu fangen, doch bleiben sie bis zum Abzug ins Winterquartier von ihren Eltern abhängig. Ende September/Anfang Oktober ziehen die Brandseeschwalben in ihr Winterquartier nach Westafrika ab. Im Winterquartier lösen sich dann auch die Familienverbände zwischen Januar uns Februar auf.

Die älteste je gefundene Brandseeschwalbe wurde 23 Jahre alt. Sie war am 27. Juni als Küken in den Niederlanden beringt worden und wurde am 30. Januar 1955 tot aufgefunden. Die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr ist sehr hoch und auf 60 % -75 % wird die Sterblichkeit vom Flüggewerden bis zur Geschlechtsreife geschätzt. Geschlechtsreif werden Brandseeschwalben im Alter von 3 bis 4 Jahren.

Literatur:
Glutz von Blotzheim  Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/II, Charadriiformes (3.Teil),  Sternidae-Alcidae, Wiesbaden.



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