Haubentaucher

Haubentaucher (Podiceps cristatus)

Familie: Lappentaucher (Podicipedidae)
Ordnung: Lappentaucher (Podicipediformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00167

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Auch weniger kundige Beobachter können die etwa entengroßen Haubentaucher, die sie auf Seen beobachten, schon aus der Ferne deutlich von Enten unterscheiden: Sie liegen nämlich ganz anders als Enten im Wasser, sind scheinbar schwanzlos und haben einen hochgereckten Hals.

Von Nahem ist dann deutlich der spitze Schnabel und die hochgestellte Federhaube zu erkennen. Wenn der Haubentaucher dann plötzlich wegtaucht und über zwanzig Sekunden vergehen, bis er an einer anderen Stelle wieder auftaucht, besteht keinerlei Zweifel mehr an seiner Bestimmung.

Haubentaucher Platsch

In den letzten Jahrzehnten besiedelte der Haubentaucher Gegenden, in denen er zuvor nicht oder nur selten vorkam. In Westfalen zum Beispiel gab es 1960 gerade mal 20 Haubentaucherpaare. Danach wurde die Art immer häufiger und fehlt heute an kaum einen Gewässer, wenn es nur groß genug ist (zehn Hektar sollten es sein) und wenigstens über ein Ufer mit geeigneten Nistmöglichkeiten, idealer Weise einem Schilfgürtel,  verfügt. Wenn das Gewässer zudem noch nahrungsreich ist, dann spielt es nur eine untergeordnete Rolle ob es sich um ein stehendes oder langsam fließendes Gewässer an der Küste oder in den Voralpen,  um ein natürliches oder ein künstliches Gewässer, eine Talsperre, einen Baggersee oder einen Altarm eines Flusses handelt.

Haubentaucher schwimmt

Haubentaucher leben größtenteils von Fischen, was ihnen häufig Sympathien der an den Ufern sitzenden Angler, kostet. Auch Wasserinsekten, Schnecken, Kaulquappen und Molche erbeuten die Vögel meistens beim Tauchen. Unter Wasser kann der Haubentaucher eine höhere Geschwindigkeit als beim Überwasserschwimmen erreichen, daher flüchtet er auch tauchend vor Feinden.

Die Hochzeitsspiele des Haubentauchers sind für den Vogel und den Beobachter aufregend: Vom Grund des Sees holen die Vögel symbolisch Nistmaterial und zeigen es dem Partner. Dabei schwimmen sie mit seitwärts gesträubten Haubenfedern aufeinander zu. Zur Balz gehören auch Schüttelbewegungen des Kopfes, Scheinputzen des Gefieders, Abspreizen des Federkragens.

Haubentaucher im Flug

Besonders beeindruckend ist es, wenn sich die beiden Partner Brust an Brust hoch im Wasser aufrichten, ihre Federkragen vorzeigen und schütteln, mit den Flügeln schlagen oder den Hals des Partners umschlingen.

Am Nestbau beteiligen sich beide Partner; dieser dauert 6-8 Tage. Nicht selten wird neben dem späteren Brutnest noch eine zweite Nestplattform gebaut, die frei schwimmt. Nestmaterial sammeln die Haubentaucher von der Wasseroberfläche auf oder holen es tauchend vom Grund des Gewässers. Auch noch in der Lege- und Brutzeit sammeln die Partner täglich Nistmaterial, so dass die Nester immer höher und fester werden.

Haubentaucher bei Balz
Haubentaucher bei der Balz

Durchschnittlich legen Haubentaucher vier Eier, das Gelege kann aber 2-6 Eier umfassen. Erst wenn das Gelege vollzählig ist, wird es beim Verlassen des Nestes mit Nistmaterial zugedeckt. Direkt nach dem Schlüpfen können die Küken schon schwimmen und bei Gefahr auch tauchen. Allerdings gehen sie in ihrer ersten Lebenszeit nur wenig aufs Wasser. Rund 3 Wochen lang werden die Küken in der Flügeltasche oder im Rückengefieder von den Altvögeln getragen, am Anfang fast ständig. Wenn die meisten Paare nur ein oder zwei Junge führen, hängt das damit zusammen, dass Haubentaucher bei Störungen nicht selten ihre Nester schon beim Schlüpfen der ersten Jungen verlassen. Große Verluste müssen die Taucher auch durch Raubfische hinnehmen, da sie ihre Jungen schon früh mit aufs offene Wasser führen. Verluste gibt es auch bei Schlechtwetter, durch Graureiher und Rohrweihe und z.B. Rohrschnitt.

Nach drei Wochen können die Haubentaucherküken schon  selbständig Nahrung aufnehmen, doch bleiben sie trotzdem 10 oder 11 Wochen von ihren Eltern abhängig.

Literatur:
Bauer und Glutz, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1, Gaviiformes-Phoenicopteriformes, Frankfurt am Main
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