Singdrossel

Singdrossel (Turdus philomelos)

Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00160

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Aus einer Trauerweide im Stadtpark hört man einen lautstarken, abwechslungsreichen Gesang. Es dämmert bereits. Aber von der Brücke, die über den Bach im Stadtpark führt, kann man den Sänger noch ausfindig machen: Es ist eine Singdrossel.

Sie trägt ihren Gesang flötend und pfeifend vor. Die Motive wechseln ständig. Aber dennoch ist ihr Gesang leicht zu erkennen, denn sie wiederholt jedes Motiv zwei- bis viermal.

Bis zu fünfzig Minuten kann die Gesangsaktivität dauern, einige Pausen eingerechnet. Singdrosseln gehören zu den besten Sängern in unseren Breiten wie auch die anderen Mitglieder der Drosselfamilie: Amsel, Nachtigall und Rotkehlchen.

Besonders abends und in der Morgendämmerung singt das Singdrosselmännchen besonders intensiv aus der Spitze hoher Bäume. Etwa von Anfang März bis Mitte Juli- also viereinhalb Monate- dauert die Gesangsperiode.

Bekanntlich dient der Vogelgesang dem Anlocken eines Weibchens und dem Fernhalten von Rivalen. Jetzt im Juli ist auch die zweite Brut abgeschlossen und bald wird man bis zum nächsten Frühjahr auf das Lied der Singdrosseln warten müssen. Für unsere Singvögel beginnt bereits der Herbst.

Singdrossel am Boden

Singdrosseln sind bei uns häufige Brutvögel. Sie sind mit 22 cm Körpergröße etwas kleiner als die Amsel. Als Nahrung bevorzugen sie Regenwürmer und Schnecken, die sie auf Steinen zerschlagen, um an den Schneckenkörper zu gelangen. Auch Kerbtiere und Beeren verschmähen sie jedoch nicht.

Die bräunlichen Vögel mit der dunkel gefleckten Unterseite sind vor allem in gemischten Laub- und Nadelwäldern mit einer gut entwickelten Krautschicht zu Hause. Ihr Nest bauen die Vögel zumeist in 1-3 m Höhe in deckenden Fichten oder im Laubgebüsch. Die 4-5 Eier sind herrlich hellblau gefärbt. Nach 11-14 Tagen schlüpfen die Jungen, die 12-16 Tage im Nest bleiben. Es finden zwei Jahresbruten statt.

Singdrosel auf einer Mauer

Wie die Amsel machte auch die Singdrossel einen Verstädterungsprozess durch und heute findet man sie auch auf Friedhöfen, in Parks und Gärten selbst größerer Städte.

Verwechseln kann man die Singdrossel besonders aus der Ferne mit der größeren Misteldrossel, die im Allgemeinen mehr die offene Kulturlandschaft besiedelt, allerdings auch in Parks und selbst mitten in Städten anzutreffen ist.

Singdrossel mit Regenwurm

Die meisten Singdrosseln verlassen Mitteleuropa im September und im Oktober und ziehen südwestwärts. Der Zug und der spätere Aufenthalt im Winterquartier sind für Singdrosseln eine gefährliche Zeit, denn in Teilen Italiens – und leider nicht nur dort- sind Singdrosseln begehrte Jagdobjekte, denen man das ganze Jahr über nachstellt. Die Singdrossel scheint derlei Gefahren zu erahnen, denn sie ist auf dem Zug noch viel scheuer als im Brutgebiet und verschwindet schon im Gebüsch, wenn sich Menschen auf eine Distanz von etwa einhundertundfünfzig Metern nähern. Die bei uns in nur kleiner Anzahl überwinternden Singdrosseln sind dagegen recht zutraulich und lassen Menschen manchmal auf wenige Schritt Entfernung herankommen.

Literatur:
Glutz von Blotzheim (Hg): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 11/II, Passeriformes (2.Teil), Wiesbaden.
Melde/Melde: Die Singdrossel. Die Neue Brehm-Bücherei Band 611, Wittenberg Lutherstadt.



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