Regenwurm

Regenwurm (Lumbricus terrestris)

Familie: Eigentlichen Regenwürmer (Lumbricidae)
Ordnung:
Wenigborster (Oligochaeta)
Stamm: Ringelwürmer (Annelida)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00159

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Am Regenwurm lässt sich hervorragend verdeutlichen, dass in der Natur nichts verloren geht. Pflanzen sterben ab und Blätter fallen im Herbst von den Bäumen und werden zur Nahrung für denRegenwurm , der das anfallende Pflanzenmaterial zerkleinert und ihm die noch enthaltenen Nährstoffe entzieht. Das verdaute Pflanzenmaterial scheidet der Wurm als fein zermahlenes Kothäufchen wieder aus. Bodenbakterien besorgen den Rest und stellen die Mineralstoffe für wachsende Pflanzen erneut zur Verfügung. Außerdem durchmischt der Regenwurm bei seiner Arbeit auch noch den Boden, lockert und lüftet ihn. So können Regenwasser und Sauerstoff besser als zuvor zu den Pflanzenwurzeln gelangen. Nirgendwo lassen sich ökologische Kreislaufprozesse besser verdeutlichen und beobachten als beimRegenwurm.

Allerdings ist Regenwurm nicht gleich Regenwurm, denn weltweit sind immerhin 3000 Regenwurmarten bekannt. Davon leben in Europa rund 400, in unseren Breiten aber nur knapp 40 Arten. Dass das so wenig sind, liegt an den Eiszeiten, denn noch heute kommen südwestlich der Vereisungsgrenze viel mehr Regenwurmarten vor, obwohl nach der Eiszeit die Gebiete vom Südwesten her wieder besiedelt wurden.

Regenwürmer kommen überall vor, außer in den Polargebieten, die von ewigem Eis bedeckt sind und außer in mit Schnee und Eis bedeckten Berggipfeln. Auch die Wüsten sind regenwurmfrei, doch sonst können Regenwürmer bis in eine Höhe von 3000 m fast überall leben. Unsere europäischen Regenwurmarten wurden durch den Menschen in die ganze Welt verschleppt. Gezielt entließ man z.B. in Neuseeland Regenwürmer in Weidegebieten, um dort den Boden zu verbessern- auch mit Topfpflanzen brachte man Regenwürmer in alle Teile der Welt.

Um überleben zu können muss der Regenwurm ausreichend Nahrung vorfinden in Form von totem organischen Material wie z.B. Ernterückständen und Laub. Da Regenwürmer nur eingeschränkt beweglich sind, müssen sie in der Nähe ihrer Nahrungsquellen leben. Als hautatmendes Lebewesen mit großer Oberfläche kann derRegenwurm in regelmäßig austrocknenden Böden ebenso wenig überleben wie in staunassen Böden. Allerdings gibt es Arten, die bis zu einem Jahr in überschwemmten Böden überleben können. Auf Austrocknung im Sommer reagieren Regenwürmer, indem sie sich in feuchtere Bodenschichten verkriechen oder indem sie einen Sommerschlaf in einer Bodenkammer, die mit Kot ausgekleidet ist, einlegen. Auch stark saure Böden ertragen Regenwürmer nicht. Regenwürmer brauchen Temperaturen zwischen 0 und 25 Grad und sind zwischen 10 und 15 Grad am aktivsten. Diese Temperatur ist durchschnittlich an den oberflächennahen Bodenschichten im Herbst und Frühling zu finden.

Unzählige Tiere stellen den Regenwürmern nach: Mäuse, Ratten, Igel, Kröten, Frösche, Eidechsen, Störche, Steinkäuze, Amsel, Rotkehlchen und Singdrossel - eine Liste würde den Platz hier sprengen. Unter der Erde ist besonders der Maulwurf aktiv, der sie in riesigen Mengen verzehrt und sogar Vorratskammern anlegt, in denen er Regenwürmer für Notzeiten hortet. Zwei Kilogramm Regenwürmer wurden schon in einer solchen Vorratskammer des Maulwurfs gefunden, also rund 1000 Würmer. Die Würmer können nicht wegkriechen, denn der Maulwurf lähmt sie durch einen Biss in den Kopf. Im Winter hat er so lebenden Nahrungsvorrat. Da unter einem Quadratmeter guter Erde aber rund 400 Regenwürmer leben, werden immer genügend Regenwürmer vorhanden sein, zumal die zwittrigen Würmer auch noch reichlich Nachwuchs produzieren.

Die Lebensdauer eines Regenwurmes beträgt etwa 2 Jahre, wenn er nicht vorher gefressen wird. Bis zu 30 cm Länge kann er dann erreicht haben.

Regenwurm hinter Glas

Zur Systematik:
Der Regenwurm ist ein charakteristischer Vertreter des Stammes der Ringelwürmer. Zur Klasse der Gürtelwürmer gehört er durch die Ausbildung des Gürtels mit Beginn der Geschlechtsreife. Die Zugehörigkeit zur umfangreichen Ordnung der Wenigborster leitet sich von seinen kurzen Borsten ab. Unsere einheimischen Regenwürmer gehören zur Familie der Eigentlichen Regenwürmer. Die häufigste Art ist der Tauwurm (Lumbricus terristris). Weitere häufige Arten sind GemeinerRegenwurm (Allolobophora calligonosa), Mist- oder Kompostwurm (Eisenia foetida) und Rotwurm (Lumbricus rubellus).

Aussehen und Körperbau:
Der Regenwurm ist schmutzig rot, auf der Unterseite heller und lebt bevorzugt in lehmigen Böden. Er hat einen langgestreckten und runden Körper, der aus vielen gleichartigen Abschnitten (Segmenten) besteht, die man gut als Ringelung erkennen kann. Von der Ringelung ausgespart bleibt der Kopfabschnitt, der sich dadurch von den übrigen Körperabschnitten unterscheidet. Hier befindet sich die Mundöffnung und etwas weiter dahinter die Geschlechtsorgane. Alle anderen Abschnitte des Regenwurms sind gleich gestaltet. In jedem Körpersegment sitzen zwei Nervenknoten und zwei kleine Nieren. Das Nervensystem, die Blutgefäße an Bauch- und Rückenseite und der Darm durchziehen den ganzen Körper des Regenwurmes. Das Blut des Regenwurmes ist rot gefärbt und hat wie beim Menschen die Aufgabe, alle Organe des Wurmes mit Nährstoffen und mit Sauerstoff zu versorgen. Ein Skelett haben Regenwürmer nicht.

regenwurm Aufsicht

Vermehrung des Regenwurms
Regenwürmer sind zwittrig, sie müssen sich aber mit einem anderen Wurm paaren. Das geschieht in der Dämmerung oder nachts. Die beiden Würmer legen sich bauchseits in entgegengesetzter Richtung aneinander. Sie sondern nun Schleim ab, bis der andere Wurm davon fest umwickelt ist. Der Schleim wird langsam härter und hält den anderen Wurm fast wie ein Gürtel fest. Beide Würmer tauschen jetzt miteinander den männlichen Samen aus und speichern ihn in einer Samentasche, die sie im Körper haben. Nun befreien sich die Würmer wieder und kriechen fort.

Bald darauf sondert jeder Wurm erneut viel Schleim in seiner Gürtelregion ab. Dieser wird wieder hart und legt sich wie ein Ring um den Körper des Wurms. Danach kriecht der Wurm ganz langsam rückwärts aus diesem Ring heraus und presst ein Ei hinein und ein Stückchen weiter drückt er aus seiner Samentasche männlichen Samen dazu. Wenn der Wurm aus dem Schleimring herausgekrochen ist, verkleben dessen Ränder miteinander und das befruchtete Ei liegt mittendrin. Das Ei wird „Kokon“ genannt. 20-90 Kokons legt jederRegenwurm ab. Aus diesen Kokons schlüpfen nach sieben bis zwölf Wochen die kleinen Würmer, die gleich nach dem Schlüpfen wie große Regenwürmer leben.

Atmung:
Der Regenwurm besitzt weder Lungen noch Kiemen und atmet über die Haut. Mit der gesamten Körperoberfläche kann er Sauerstoff aufnehmen. Den im Wasser gelösten Sauerstoff vermag derRegenwurm direkt aufzunehmen; dafür muss seine Haut aber stets feucht sein. In direkter Sonne können Regenwürmer schnell austrocknen und zugrunde gehen. So schützen sich die Würmer durch Schleimproduktion vor den gefährlichen Sonnenstrahlen; verschiedene Drüsen helfen ihnen beim Ausscheiden schleimiger Körperflüssigkeit.

Regenwurm nah

Nervensystem
Das einfache Nervensystem des Regenwurms besteht aus zwei Hauptsträngen, die nah nebeneinander verlaufen und je Segment zwei Nervenknoten enthalten. Die Nervenknoten sind ähnlich den Sprossen einer Strickleiter miteinander verknüpft. Das Nervensystem liegt an der Bauchseite unterhalb des Darmes, weshalb es auch Bauchmark genannt wird. Bei Wirbeltieren spricht man von Rückenmark, weil sich das Nervensystem auf der Rückenseite befindet.

Sinnesorgane
Regenwürmer haben weder Augen noch Ohren noch eine Nase. Sie können aber mittels Licht-Sinneszellen am Vorder- und Hinterende zwischen Hell und Dunkel unterscheiden. Unter der Erde finden sich die Regenwürmer in ihren „Wohnröhren“ mit Hilfe eines Tast- und Gravitationssinnes zurecht. Problemlos können die Regenwürmer mit Hilfe dieses Sinnesorganes Spalten und Hindernisse orten und das Oben und Unten im Boden erkennen. Bodenerschütterungen werden mit einem Drucksinn wahrgenommen, was die rechtzeitige Flucht vor Fressfeinden ermöglicht.

In der Mundhöhle verfügen Regenwürmer über Sinnesknospen, die auf chemische Reize reagieren und der Geschmackswahrnehmung dienen. Regenwürmer können also Gerüche erkennen und Flüssigkeiten mit scharfen Geruch ausweichen, die ihrer empfindlichen Haut Schaden zufügen könnten.

Besonderheiten:
Es ist nicht richtig, dass beide Hälften eines Regenwurmes weiterleben, wenn man den Wurm in der Mitte zerteilt. Nur der vordere Teil kann eventuell überleben, doch meistens stirbt derRegenwurm an den Infektionen, die die Wunde hervorruft.

Wie kam der Wurm zu seinem Namen?
Wahrscheinliche ist, dass die Regenwürmer zu ihrem Namen kamen, weil man Regenwürmer bei Regen am häufigsten sieht, denn dann kommen sie massenhaft aus ihren Gängen an die Bodenoberfläche. Warum sie das tun, ist gar nicht sicher geklärt. So gibt es verschiedene Vermutungen: Die Würmer flüchten, da sie sonst in ihren Röhren ersticken könnten. Die Würmer geraten in Panik, denn der Regen schaltet alle ihre Sinnesorgane aus und sie sind orientierungslos. Die Würmer nutzen günstige Witterungsbedingungen für die Nahrungsaufnahme und zur Fortpflanzung.

Literatur:
Buse, Ludger, Regenwürmer: Leben und Arbeit in Finsternis, Georgsmarienhütte.
Dieses schöne, liebevoll illustrierte Buch ist hervorragend für Kinder geeignet, wird sicher aber auch Erwachsenen Freude bereiten.
Regionales Umweltbildungszentrum (Hg), Werkbuch Regenwurm für Kindergarten und Grundschule.
Naturschutzjugend im NABU (Hg), Elsner/Pacher, Erlebter Frühling - Regenwurm, Stuttgart 1997.



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