Sandregenpfeifer

Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula)

Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00158

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Regenpfeifer sind kleine bis mäßig große Limikolen mit meistens mittellangen Beinen und kurzen Schnäbeln. Die Familie lässt sich in zwei Unterfamilien gliedern, die Kiebitze (Vanellinae) und die Eigentlichen Regenpfeifer (Charadriinae). Der Sandregenpfeifer gehört zu den Eigentlichen Regenpfeifern und wird mit 18 cm etwa lerchengroß.

Um Regenpfeifer sicher voneinander unterscheiden zu können, muss man auf Schnabel, Augenring und den weißen Streifen über dem schwarzen Stirnband achten, Merkmale, die allerdings außerhalb der Brutzeit mehr oder weniger fehlen. Der zweifarbige Schnabel ist gelborange gefärbt und hat eine schwarze Spitze. Das schwarze Brustband ist im Unterschied zum Seeregenpfeifer geschlossen und die Beine leuchten gelb bis orange und sind nicht fleischfarben wie beim Flussregenpfeifer und schwarz wie beim Seeregenpfeifer. Im Flug fällt die breite weiße Flügelbinde auf. Jungvögel haben blassere Beine und einen einfarbig dunklen Schnabel.

Sandregenpfeifer auf Steinen

Durchziehende nordskandinavische Sandregenpfeifer der Unterart tundrae sind etwas kleiner und dunkler.

Sandregenpfeifer sind Brutvögel an Sandstränden, auf kurzgrasigen Wiesen der Küsten und an anderen sandigen und vegetationsarmen Stellen wie den Dünenrändern und Grabensenken am Fuße der Deiche. Sie sind salztoleranter als Flussregenpfeifer und somit befähigt, den Grossteil des Jahres an Meeresküsten zu verbringen. Als Nahrungsbiotop wird relativ harter Boden im Wattbereich bevorzugt, der Übergang zur Quellerzone ist dabei besonders attraktiv; auch Salzwiesen bieten Sandregenpfeifern gute Nahrungsgrundlagen.

Durchziehende Sandregenpfeifer (die Vögel sind Mittelstrecken- oder Langstreckenzieher, die von den Kanaren bis nach Südafrika ziehen) im Binnenland halten sich an sandigen Ufern und frischen und bereits länger trockenliegenden Schlick- oder Schlammflächen von Teichen und Klärteichen auf. Selbst auf den umliegenden Äckern kann man die Vögel vor allem nach starken Regenfällen beobachten.

Sandregenpfeifer am Strand

In Mitteleuropa kommt der Sandregenpfeifer auf den Friesischen Inseln (besonders auf den Nordfriesischen Inseln ist er recht häufig) und an den Küsten Schleswig-Holsteins, Mecklenburgs und Polens vor. In Polen brütet der Vogel auch noch an geeigneten und nicht vollständig regulierten Flussläufen. Spärlich verbreitet ist er zudem an der Küste Niedersachsens, der Niederlande und Belgiens. Der Brutbestand in den Niederlanden wird auf etwa 350-500 Paare geschätzt.

Sandregenpfeifer sind Augenjäger, die auf vegetationsfreien Böden Kleinlebewesen jagen und ihre Beute auch akustisch wahrzunehmen vermögen. Dazu rennen sie mit leicht gesenktem Kopf über kurze Strecken am Strand entlang, halten inne, horchen und beobachten mit schief gehaltenem Kopf. Dann picken sie oft mehrmals hintereinander oder rennen weiter. Je nach Aufenthaltsort besteht die Nahrung größtenteils aus Käfern und anderen Insekten, marinen Ringelwürmern und Schnecken und Muscheln.


Sandregenpfeifer und Alpenstrandläufer im Flug

In der Brutzeit leben Sandregenpfeifer territorial, doch sind die Territorien klein und beträgt der Nestabstand zwischen benachbarten Sandregenpfeiferpaaren manchmal nur 100 m. Das Nest eines Paares kann auch nur wenige Meter entfernt zur gemeinsamen Territoriumsgrenze liegen. Die Vögel legen ihre kreiselförmigen Eier in eine Mulde, die sie in den Sand auf Fels- oder Kiesunterlage drehen. Kies- oder Muschelstrand wird bevorzugt, da die Eier dort vorzüglich getarnt sind. Im Abstand von 24-48 Stunden werden die vier Eier abgelegt. Nach in der Regel sechs Tagen ist das Gelege komplett. Das unvollständige Gelege wird vom Männchen vor Regen und Hagel und vor nächtlicher Kälte geschützt. Mit Ablage des letzten Eies beginnt aber erst die Bebrütung. Im Mittel beträgt die Brutdauer 24 Tage.

Die Hauptlegezeit in Großbritannien ist Ende April, in Mitteleuropa die erste Maihälfte, in Finnland die Maimitte. Zweitbruten sind in Mitteleuropa häufig. 21-23 Tage nach dem Schlüpfen sind die Jungen flügge; allerdings kann sich der Zeitpunkt des Flüggewerdens um bis zu zwei Wochen verschieben. Viele Gelege werden zerstört; Verlustursachen sind vor allem menschliche Störungen, höhere Fluten und Raub durch Möwen. Auch Versanden der Gelege kommt vor. In Ostengland bekommt ein Regenpfeiferpaar nach Schätzungen (Praters) durchschnittlich nur 1,28 Junge hoch, von denen bis zum nächsten Sommer nur etwa die Hälfte überleben. Insgesamt dürfte der Bruterfolg bei Sandregenpfeifern mit 20% der gelegten Eier überall recht niedrig sein. Ringfunde belegen das Höchstalter eines Wangerooger Vogels von mindestens zehn Jahren.

Literatur:
Glutz, Bauer, Bezzel: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 6- Charadriiformes (1. Teil), Wiesbaden.



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