Dreizehenmöwe

Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Möwen (Laridae)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00157

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In der Größe liegt die Dreizehenmöwe zwischen der Lach- und der Sturmmöwe. Mit letzterer kann sie am leichtesten verwechselt werden, doch haben Dreizehenmöwen im Unterschied zu Sturmmöwen immer schwarze Flügelspitzen. Die recht kurzen Beine der Dreizehenmöwe sind zudem schwarz. Ihren Namen erhielt die Dreizehenmöwe, weil ihr die Hinterzehe fehlt. Junge und unausgefärbte Dreizehenmöwen haben ein dunkles Diagonalband auf den Armflügeln und erinnern dann an die allerdings wesentlich kleineren Zwergmöwen. Außer durch die Größe sind sie von diesen auch durch ein breites schwarzes Nackenband unterschieden, das der Zwergmöwe fehlt.

Dreizehenmöwe Paar

Dreizehenmöwen sind hochspezialisierte Klippenbrüter, die in Mitteleuropa nur auf Helgoland brüten. Für das Jahr 2003 ergaben dort Zählungen einen Brutbestand von 8000 Paaren. Riesige Dreizehenmöwen-Kolonien finden sich auch noch auf den Shetland- Inseln und den Orkneys. Insgesamt kommen rund 400.000 Paare in Schottland vor. Noch mehr Brutpaare sind in Norwegen (500.000) und in Alaska (rund 2,5 Millionen) zu finden, in Ostkanada brüten mindestens 120.000 Paare und im atlantischen Kanada noch einmal 100.000 Paare. Weltweit gesehen ist die Dreizehenmöwe also eine häufige Art.

Dreizehenmöwe im Flug

Im 19. Jahrhundert sah das zum Teil noch ganz anders aus, denn damals wurde dieser Art durch den Menschen derart nachgestellt, dass vielerorts bereits Brutklippen verlassen wurden und insgesamt ein starker Rückgang zu verzeichnen war. Man verspeiste fast flügge Jungvögel und Eier als Leckerbissen und veranstaltete sportmäßiges Möwenschießen. Ab 1900 kam es nach Einstellung der Verfolgung zu einer Bestandserholung bei den Dreizehenmöwen.

Nur zur Brutzeit halten sich Dreizehenmöwen in Landnähe auf. Sie brüten stets an der Küste oder auf Inseln und meistens in steilen oder sogar überhängenden, dem Meer offen zugewandten Felsen. Auch Nichtbrüter halten sich zur Brutzeit an den Felsküsten auf und werden mit den Brutvögeln an Küsten ruhend angetroffen, sobald die Brutvögel durch das Sammeln von Nistmaterial ihre Scheu vor Landaufenthalten etwas verloren haben.

Ihre Nahrung suchen Dreizehenmöwen auf dem offenen Meer. Selbst brütende Vögel fliegen bis zu 100 km von ihren Nestern auf´s offene Meer hinaus. Dort haben sie weniger die Konkurrenz anderer Möwen oder Seeschwalben zu fürchten. Sie suchen die Wasserfläche aus 10m – 25 m Höhe ab und erbeuten kleine Fische meist durch Stoßtauchen.

Es kommt vor, dass die Dreizehenmöwen dabei ganz unter der Wasseroberfläche verschwinden, aber auch dass sie nur mit dem Kopf eintauchen. Auch Fischkuttern folgen Dreizehenmöwen gern und profitieren von durch die Fischer ins Meer zurück geworfenen zu kleinen Fischen (Wittlingen). Meistens entdecken Dreizehenmöwen Fischschwärme im Meer als erste Seevogelart und spielen somit auch für andere Seevögel eine wichtige Rolle, die ihnen folgen und Nahrungsgründe aufgezeigt bekommen.

Nur einmal im Jahr brüten Dreizehenmöwen. Sie legen meistens zwei Eier, manchmal auch drei oder nur eines. Die Eier sind breitovaler und deutlicher zugespitzt als bei anderen Möwen. Sie sind rauschalig und glanzlos, variieren in der Färbung und Zeichnung aber deutlich. Frühester Legebeginn ist das erste Maidrittel. Von der Eiablage bis zum Schlüpfen der Jungen vergehen 25-32 (im Durchschnitt 27,3) Tage. Im Alter von 6 Wochen verlassen die Jungen das Nest, sie können aber schon mit 34-36 Tagen gut fliegen. Aus 100 Eiern werden durchschnittlich 56 Junge flügge, etwa ein Fünftel von diesen (21 %) sterben im ersten Lebensjahr, danach bis zur Geschlechtsreife jährlich etwa 14 %. Durchschnittlich werden 24 Vögel fünf Jahre alt und somit geschlechtsreif. Die ältesten wiedergefundenen Ringvögel wurden 17 und 18 Jahre alt. Häufigste Todesart bei Dreizehenmöwen sind Stürme; viele sterben durch Ölverschmutzungen, aber nur wenige durch natürliche Feinde wie Wanderfalken.

Literatur:
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1: Charadriiformes (3. Teil), Wiesbaden.
OAG Helgoland, Ornithologischer Jahresbericht Helgoland, Band 13, 2003.



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