Schöllkraut

Schöllkraut (Chelidonium majus)

Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00155

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Eine typische Ruderalpflanze, die menschliche Siedlungen begleitet, ist das Schöllkraut. Als nitrophile Pflanze zeigt es reichen Stickstoffgehalt im Boden an und wächst deshalb besonders gern an Mauern und Zäunen, Wegrändern und Hecken, auch in Dörfern und Städten. An diesen Standorten herrscht nie Mangel an Nährstoffen, allein Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner Gassi führen, sorgen schon dafür. Auch in humosen Wäldchen, in Auen und Ufergebüschen trifft man die häufige Pflanze in ganz Europa und Asien und auch in Nordamerika, wo sie eingeschleppt wurde, an.

Schöllkraut wird etwa 50 cm hoch, manchmal sogar bis zu 80 cm. Es hat einen aufrechten, verzweigten und runden Stängel, der nie verholzt. Die an der Unterseite blaugrünen Blätter sind unpaarig gefiedert. Alle Teile der Pflanze sind abstehend behaart. Das Schöllkraut ist mehrjährig und treibt im Frühjahr aus seinem kurzen Wurzelstock aus. Die Blütezeit beginnt Ende April und erstreckt sich bis in den Oktober. Kron- und Kelchblätter sowie die keulig verdickten Fäden der zahlreichen Staubgefäße sind goldgelb. Die Blüten werden etwa 20 mm groß und stehen zu 2-6 in endständigen Dolden.

Schöllkraut Blüten

Das Schöllkraut gehört zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) und nicht etwa, wie man auf einen flüchtigen Blick meinen könnte, zu den Kreuzblütlern. Bei den Mohngewächsen gibt es zwei große Gruppen von Pflanzen: die einen führen Milchsaft, die anderen nicht.

Während die Mohnarten selbst weißen Milchsaft führen, haben Erdrauch, Lerchensporn und Tränendes Herz, eine alte Bauerngartenpflanze, keinen Milchsaft. Das Schöllkraut führt einen typischen gelb- orangen Milchsaft. Dieser tritt bei Verletzungen der Pflanze aus allen Pflanzenteilen aus und macht die Pflanze unverwechselbar.

Schöllkraut Makro

Schon Pflanzen mit weißem Milchsaft begegnete man früher mit viel Respekt, das belegen allein schon Bezeichnungen wie Wolfsmilch; noch größer war die Achtung vor einer Pflanze mit gelbem Milchsaft und man hielt diese für sehr heilkräftig. Bei Wundärzten und Alchemisten war das Schöllkraut beliebt und wurde gegen allerlei Verzauberungen empfohlen. Man nahm an, dass es „wundersame Kraft habe, das Aug´ zu reinigen, zu schärfen und zu verbessern“.

Bereits in der Antike bestrich man mit der orangefarbenen „Milch“ des Schöllkrautes Hühneraugen und Warzen. Noch bis heute hat sich diese Anwendung in der Volksmedizin mit gewissem Erfolg gehalten. Die giftigen Alkaloide ätzen Warzen aus der Haut. Möglicherweise lässt sich so auch der deutsche Name Schöllkraut, der aus der mittelalterlichen Bezeichnung „Schelkrut“ hervorging, so erklären; das Schöllkraut wäre also ein Schälkraut. Da der frische Milchsaft aber recht giftig und stark ätzend ist, sollte man nicht mit ihm herumexperimentieren. Beim Trocknen verliert sich die Giftwirkung aber weitgehend.

Schöllkraut im Garten

Der wissenschaftliche Name Chelidonium wurde früher auch „celidonia“ geschrieben und wurde als „coeli donum“ (=Himmelsgabe) gedeutet. In einer Reihe von Sprachen wird die Pflanze auch mit Schwalben (das griechische Wort für Schwalbe ist chelidon) in Verbindung gebracht, möglicherweise weil das Schöllkraut bei Ankunft der Schwalben zu blühen beginnt und mit ihrer Abreise verblüht.


Literatur:
Grömping, H., Mit Wildblumen durch den Sommer, Borken.
Vetvicka,V., Pflanzen in Wald und Flur, Hanau.

Schöllkraut Schoten
Foto: Schoten des Schöllkrautes - Matthias Zimmermann



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