Rostgans

Rostgans (Tadorna ferruginea)

Familie: Enten (Anatidae)
Ordnung: Entenvögel (Anseriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00154

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Rostgänse gehören wie Brandgänse und Nilgänse zur Unterfamilie der Halbgänse und stehen in ihren Merkmalen zwischen den echten Gänsen und den typischen Enten. Sie werden mitunter auch Rostenten genannt. Männchen und Weibchen sind bei den Rostgänsen wie bei den echten Gänsen sehr ähnlich gefärbt. Das Männchen ist an seinem schmalen schwarzen Halsring vom Weibchen unterscheidbar.

Rostgans Gruppe

Verbreitet ist die Rostgans hauptsächlich in Asien. Dort kommt sie in Steppenzonen vor. Rostgänse sind mit 60 cm Körpergröße etwas größer als Stockenten. Sie sind intensiv rostbraun oder rostgelb gefärbt und haben einen heller gelblichen oder weißen Kopf. Die Vorderflügel sind weiß oder weißlich, Schwingen und Schwanz sind schwarz, doch sieht man dies nicht, wenn die Vögel stehen oder schwimmen. Wenn sie fliegen, wirken Rostgänse allerdings kontrastreich schwarz-weiß.

Seit einigen Jahren kann man Rostgänse auch in Deutschland immer häufiger beobachten, obwohl das europäische Verbreitungsgebiet dieser Art auf den äußersten Südosten beschränkt ist. Zum Beispiel im Donaudelta brütet die Art. Dort und im gesamten europäischen Verbreitungsgebiet gehen die Bestände stark zurück.

Auch wenn das immer wieder behauptet wird, ist mit Rostgänsen aus ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet bei uns in Mitteleuropa nicht zu rechnen. Allerdings gibt es dennoch immer wieder Brutnachweise dieser Halbgans. Doch sind es Gefangenschaftsflüchtlinge, die erfolgreich brüten, denn in kaum einer Wasservogelsammlung fehlen Rostgänse. Oft ziehen sie zahlreiche Junge groß, aber es kommt bei Rostgänsen nicht zu einer explosiven Bestandvergrößerung wie etwa bei der Nilgans. Ganz offensichtlich sind die Vögel wesentlich anspruchsvoller in Bezug auf ihren Lebensraum als Nilgänse. Ansammlungen von bis zu 24 Rostgänsen wurden in Nordrhein-Westfalen aber schon beobachtet.

Rostgans auf Eis

Wenn Rostgänse balzen, fallen sie sehr auf. Das Männchen stürzt aus großer Höhe mit angelegten Flügeln und dabei laut schreiend in die Tiefe. Es duldet keine anderen Wasservögel in der Nähe und stürzt sich aggressiv auf Blässrallen und Enten. Rostgänse sind Höhlenbrüter, die man in Dachs- und Fuchsbauten ebenso antreffen kann wie in Schuppen, Ruinen, Felsnischen und hohlen Bäumen. In der Mongolei brüten die Vögel auch oft in alten Horsten von Greifvögeln wie dem Adlerbussard. Mitunter graben sie auch selbst Höhlen, in denen die Weibchen alleine ihre 8-12 Eier bebrüten. Das Männchen bewacht das Nest in einigem Abstand auf einer erhöhten Warte, die ihm einen guten Überblick bietet. Nach vier Wochen schlüpfen die Jungen. Männchen und Weibchen greifen Feinde, die ihre Jungen bedrohen, im Fluge an oder verleiten diese ausdauernd. Die Jungen stürzen sich bei jeder Bedrohung ins Wasser und tauchen bei Gefahr. Dennoch ist die Jungensterblichkeit bei Rostgänsen extrem hoch und nur wenige überleben die ersten Wochen. In der Regel leben Rostgänse in Dauerehe zusammen, doch sind Umpaarungen nicht selten.

Rostgänse ernähren sich in erster Linie vegetarisch von Gräsern und Sauergräsern, von Getreidekörnern und anderen Samen. Daneben werden auch Kleinkrebse, Würmer und Insekten, selbst Fischchen und Amphibien in geringer Menge aufgenommen. Besonders die Jungen schnappen viel nach Insekten, besonders nach Heuschrecken..

Literatur:
Charadrius, Zeitschrift für Vogelkunde, Vogelschutz und Naturschutz in Nordrhein-Westfalen, 1999, Heft 1.
Niethammer, Günther (Hrsg.), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 2, Anseriformes (1.Teil), Wiesbaden.



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