Rothalsgans

Rothalsgans (Branta ruficollis)

Gattung: Meergänse (Branta)
Familie: Enten (Anatidae)
Ordnung: Entenvögel (Anseriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00153

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Für manche Gänsebeobachter an der Küste oder am Niederrhein ist es geradezu ein Sport, zwischen all den Ringel-, Weißwangen- oder Blässgänsen auch mal eine seltene Art zu entdecken. Zu diesen nur selten zu beobachtenden Arten gehört die Rothalsgans, die schon farblich aus dem Rahmen fällt und ungewöhnlich aussieht.

Rothalsgänse brüten an steilen Flussufern in Sibirien und ziehen im Winter ins südwestliche Asien. Mitteleuropa liegt nicht auf ihrer Route. Doch kommt es immer wieder vor, dass Einzelgänger sich anderen Gänsearten, die ihre Route kreuzen, anschließen und nach Westeuropa gelangen. Da zudem immer mehr Liebhaber Gänse halten, mögen auch aus der Gefangenschaft bisweilen Rothalsgänse entkommen und sich wilden Gänsen anschließen.

Die sehr kleine Gans hat in etwa die Größe einer Ringelgans oder Stockente. Durch ihre auffallende Zeichnung und Färbung ist sie nicht zu verwechseln. Schon aus großer Entfernung kann man sie anhand des breiten weißen Flankenstreifens sicher erkennen. Aus der Nähe sieht man, dass Unterhals, Kropf sowie ein großer Fleck in der Ohrgegend und an den Halsseiten rostrot sind.

Rothalsgans nah

Auf etwa 50.000 Vögel schätzt man den Bestand der Rothalsgänse aufgrund von Zählungen in den Hauptwinterquartieren. Wie bei anderen Gänsen auch ist die winterliche Verbreitung abhängig vom Witterungsverlauf. In milden Wintern bleiben viele Rothalsgänse im Binnenland Aserbeidschans, während sie in strengen Wintern weiter südwärts überwintern. Dann tritt die Rothalsgans auch an der iranischen Südküste des Kaspischen Meeres in großer Zahl auf und erscheint auch in Ostanatolien.

Rothalsgans mit Blässgänsen
Rothalsgans unter Blässgänsen

Die Tundra und Waldtundra Westsibiriens ist der Lebensraum der Rothalsgans im Sommerhalbjahr. Die Nordgrenze der Verbreitung entspricht in etwa der Nordgrenze der Moos- und Flechtentundra. In der Tundra brüten die bunten Gänse vorwiegend an steilen und mit Buschwerk und Gras bewachsenen Lehmhängen von Flusstälern sowie an felsigen Abbrüchen.

Rothalsgänse brüten in kleinen Kolonien fast ausschließlich in der Nähe von Greifvogelhorsten, meistens in der Nähe von Wanderfalken. Wanderfalken greifen ihren Hauptfeind im Brutgebiet, den Polarfuchs, an. Wenn Rothalsgänse nicht in der Nähe von Greifvögeln brüten können, suchen sie in Möwenkolonien Schutz. Merkwürdigerweise lassen sowohl Wanderfalken als auch Großmöwen die Rothalsgänse völlig in Ruhe und die Möwen greifen sich nicht einmal dann die Rothalsgansküken, wenn die Gämse nach einer Störung später zu ihrem Nest zurückkehren als sie selbst.

In der ersten Junihälfte treffen die Rothalsgänse in ihrem Brutgebiet ein. Sie erscheinen in kleinen Trupps von zumeist 3-5 Gänsen und erbauen ihr Nest in kleinen Kolonien von meistens 2-6, manchmal auch 20-30 Paaren in einem Abstand von gewöhnlich 50-100 m zu einem Greifvogelhorst. Man fand aber auch schon Nester, die nicht einmal 2 m vom Wanderfalkenhorst entfernt lagen. Die Nester werden in Bodensenken im Schutz von Zwergbirken und Polarweiden angelegt. Meistens legen Rothalsgänse 4-7 Eier. Die Jungen schlüpfen nach 23-25 Tagen.


Rothalsgans unter Blässgänsen

Rothalsgänse ernähren sich nur grasend, sie gründeln nicht wie es andere Gänse tun. Wenn einzelne Rothalsgänse zwischen den Ringel- oder Blässgänsen beobachtet werden, kann man sehen, dass sie schneller als diese das Gras rupfen. Im Winterquartier fressen Rothalsgänse vor allem kurzlebige Gräser küstennaher Viehweiden und in erheblichen Maße Queller, im Brutgebiet fressen sie besonders gerne Wollgräser. Hirse und Getreide verschmähen Rothalsgänse im Unterschied zu den anderen Gänsearten weitgehend.



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