Linde

Linde (Tilia)

Familie: Lindengewächse (Tiliaceae)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
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Dokument: HWG 00150

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Nur wenige Arten gehören zur Familie der Lindengewächse ( Tiliaceae) und nur drei Arten dieser kleinen Pflanzenfamilie kommen von Natur aus in Europa vor: Die Sommer- und die Winterlinde sowie die Silberlinde (Tilia tomentosa). Die Silberlinde ist in Südosteuropa und darüber hinaus in Kleinasien beheimatet und ist dort ein waldbildend auftretender Baum, der 25-30 m hoch werden kann.

Die beiden in Mitteleuropa einheimischen Lindenarten bilden dort, wo sie gemeinsam vorkommen, einen fruchtbaren Bastard aus. Dieser wird Holländische Linde (Tilia x europaea) genannt, weil er wahrscheinlich in Holland natürlich entstanden ist. Die Holländische Linde übertrifft die Elternarten in Wuchshöhe und Schönheit der Kronenentwicklung. Bis zu 40 m hoch kann die Holländische Linde werden. Da die Holländische Linde in ihren Merkmalen aber ziemlich genau zwischen den Elternarten steht, ist eine Unterscheidung oft recht schwer.

Leichter von den heimischen Arten zu unterscheiden ist die Krim-Linde (Tilia x euchlora), ein Bastard, dessen Herkunft nicht bekannt ist. Sie hat sehr lange, bis 15 cm große, Blätter, wird meistens auch nur 15 m hoch und wird häufig in Allen und Parks gepflanzt. Weitere bei uns gepflanzte Lindenarten sind die Amerikanische Linde (Tilia americana), die schneller als unsere einheimischen Arten wächst und die aus Mittelchina stammende Olivers Linde (Tilia oliveri). Die Trauerlinde (Tilia petiolaris) stammt entweder aus dem Kaukasus oder ist eine Züchtung, die auch in Gärten, Parks und an Straßen angepflanzt wird.

Alle Lindengewächse haben einen verzweigten, abgeflachten Blütenstand, viele in Gruppen stehende Staubbeutel, fünf Kelch- und Blütenblätter, einen Fruchtknoten mit fünf Fruchtblättern und eine Frucht mit 1-3 Samen.

Merkmale der Winterlinde (Tilia cordata)
Die Winterlinde ist ein ansehnlicher, stattlicher, sommergrüner Laubbaum mit einer Wuchshöhe von bis zu 30 m. Die Krone ist hochgewölbt, ausladend und oftmals etwas unregelmäßig gestaltet.

Die Rinde ist bei jungen Exemplaren auffallend glatt und grau, bei älteren Bäumen ist die Rinde braungrau bis schwarzbraun und in verschiedene flache, längs verlaufende Furchen und Leisten aufgeteilt.

Nur bei sehr alten Bäumen sind Äste auch abwärts gebogen, sonst immer steil aufrecht.

Die eiförmigen glatten Knospen haben zwei ungleich große Knospenschuppen und sind glänzend rotbraun. Die im Umriss fast kreisrunden Blätter sind wechselständig, haben eine sehr kurze, aber deutlich erkennbare schlanke Spitze und sind am Blattgrund herzförmig eingeschnitten. Sie sind etwa 6 cm breit und 5 cm lang, am Rande regelmäßig gesägt, unterseits blaugrün und oberseits glänzend dunkelgrün gefärbt. In den Achseln der Blattnerven sind rostbraune Haarbüschel. Die Blattränder sind nach oben gebogen.

Winterlinden sind reichblütiger als Sommerlinden und blühen etwa vierzehn Tage später als diese. Die Früchte sind klein, kugelig und von rötlicher Farbe.

Merkmale der Sommerlinde (Tilia platyphyllos)
30-40 m Höhe kann die Sommerlinde erreichen. Die Sommerlinde hat eine ziemlich dichtgeschlossene Krone, die nicht sehr breit auslädt, sondern eher schmal hochgezogen wirkt.

Die Rinde ist dunkelgrau oder bräunlichgrau mit feinen längs verlaufenen Furchen und schmalen netzig verzweigten Leisten., die aber nie grob sind.

Der Stamm ist gerade und bei älteren Bäumen sehr dick. Die Äste gehen überwiegend im unteren Kronenbereich ab und sind steil aufwärts gerichtet. Nur im unteren Bereich können die Äste auch zur Erde gewandt sein.

Die Blätter sind wechselständig, herzförmig, fast ebenso lang wie breit und mit etwa 7-12 cm Größe deutlich länger als die Blätter der Winterlinde. Vorne sind die Blätter schlank zugespitzt, am Grunde sind sie oft etwas schief. Die Blätter sind gezähnt und weisen alle nach vorne. Oben sind sie matt dunkelgrün und fein behaart, unterseits sind sie heller und nur auf den größeren Blattnerven samthaarig. In den Aderwinkeln sind die Blattnerven mit hellen, weißlichen Haarbüscheln versehen. Die Blattränder sind abwärts gebogen.

Die Blüten sind größer als bei der Winterlinde und zu 2-5 gebüschelt. Sie erscheinen ein bis zwei Wochen vor den Blüten der Winterlinde.

Standort und Verbreitung:
Sommer- wie Winterlinde kommen in ganz Europa natürlicherweise in Laubwäldern vor. Als beliebte Schattenspender wurden und werden sie aber gern in großen Gärten und Parks gepflanzt. Besonders die Linden-Hybriden eignen sich auch hervorragend als Straßenbäume, da sie weniger anfällig gegen Luftverschmutzung sind. Beide heimischen Lindenarten gedeihen am besten in voller Sonne oder in leichtem Schatten und benötigen feuchten, gut drainierten Boden, der so tiefgründig sein muss, dass er das tiefreichende Wurzelsystem der Linden aufnehmen kann.

Wissenswertes:
Winterlinden umgeben die Kultstätten der Kelten. Im Hainen umstanden die Bäume deren heiligen Plätze.

Sommerlinden waren dagegen die verehrten, einst heiligen, der Göttin Freya geweihten Einzelbäume. Auch heute findet man noch einige schöne alte Dorflinden, unter denen früher gefeiert und getanzt wurde, die der Mittelpunkt der Dörfer und Städte waren. Über tausend Jahre können Sommerlinden alt werden. Heimelig und vertraut wirkt eine alte Linde, fast betäubend ist der Duft ihrer Blüten. In Liedern wird die Linde besungen, in Gedichten gepriesen und in Orts- und Straßennamen findet man sie häufig wieder.

Über 1000jährige Linden sind heute noch in Upstedt, Pöhle und Königslutter in Niedersachsen, in Lischeid, Schenklengsfeld, Bermoll und Langendernbach in Hessen oder in Bayern in Schaffelstein, Kasberg, Hoffeld, Kötzting, Mönchsdeggingen oder Ramsau zu finden. Nur wenige Kilometer vom Bodensee entfernt wächst in Baden-Württemberg eine tausendjährige Linde, die mit einem Umfang von 10,10 m zu den stärksten und schönsten Linden in Deutschland gehört.

Die Blüten der Linden sind nektarreich und verströmen einen süßen Duft, der Insekten wie Bienen und Schwebfliegen magisch anzieht. Aus bis zu 60.000 Blüten ist eine Linde zusammengesetzt und somit eine einzige große Bienenweide.

Besonders geschätzt ist der Lindenblütenhonig und die Blüten selbst kann man als Teeaufguss gegen Erkältungskrankheiten nutzen. Der Blütentee wirkt schleimlösend und krampfstillend.

Eine große Besonderheit bei der Linde ist die Art der Selbsthilfe, die sie ergreift, wenn sie alt oder verletzt ist. Sie entwickelt Innenwurzeln , die sie von den Ästen her wie Luftwurzeln im hohlen Stamm nach unten schiebt. Bei Linden bildet sich nämlich im Stamm kein fester Kern aus abgestorbenen Gefäßen und Festigungszellen wie bei den anderen Baumarten. Der innere Teil einer Linde zerfällt mit fortschreitendem Alter sehr rasch. Diese Innenwurzeln verankern sich im Boden und mit ihrer Hilfe kann die Linde sich mit den notwendigen Nährstoffen versorgen und so ihr oft beträchtliches Alter erreichen.

Veit Stoß, Riemenschneider und viele andere schufen ihre Werke aus Lindenholz. Das helle und weiche Holz eignet sich hervorragend für Schnitzarbeiten. Rückschnitt vertragen Linden gut, aus diesem Grund sind Linden beliebte Alleebäume, die es vertragen, wenn man überhängende Äste kürzt. Sogar als Heckenpflanzen kann man Linden ziehen.

Literatur:
Crockett, James U.: Bäume, Amsterdam.
Fischer, Susanne: Blätter von Bäumen- Legenden, Mythen, Heilanwendung & Betrachtung von einheimischen Bäumen, München.
Fitter, R., Fitter A. und Blamey, M.: Pareys Blumenbuch, Hamburg und Berlin.
Goerss, Hartwig: Unsere Baumveteranen, Hannover.
Kremer, Bruno P.: Bäume -Heimische und eingeführte Arten, München.
Philipps, Roger: Das Kosmosbuch der Bäume., Stuttgart.



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