Rotmilan

Rotmilan (Milvus milvus)

Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00149

► mehr Vögel


Typisch für den Rotmilan ist der lange, tiefgegabelte Schwanz, der dem Vogel auch den Namen „Gabelweihe“ eingebracht hat. Doch der Rotmilan ist keine Weihe! Zusammen mit dem Schwarzmilan gehört er zur Gattung Milvus, die in 2 Arten auf die Alte Welt beschränkt ist.

Rotmilane sind mit 65 cm Körpergröße noch größer als Mäusebussarde, aber schlanker. Männchen wiegen bis etwa 1000 Gramm, Weibchen bis zu 1600 Gramm, so dass man im Vergleich bei kreisenden Paaren die Geschlechter gut unterscheiden kann. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 180 cm ist der Rotmilan schon eine imposante Erscheinung. Nicht nur der lange gegabelte Schwanz, auch die rostrote Schwanzoberseite, die rotbraune Unterseite und die großen hellen Felder auf den Handflügeln machen den Greifvogel unverwechselbar. Vom ähnlichen Schwarzen Milan ist er durch den tiefer gegabelten Schwanz und durch sein helleres und rötliches Gefieder zu unterscheiden.

Rotmilan im Flug

Er ist größer, langflügeliger, langschwänziger und viel kontrastreicher gefärbt. Rotmilane stehen oft mit leicht gewinkelten Flügeln in der Luft, wobei sie mit dem Schwanz unentwegt steuern.

In Mitteleuropa gehört der Rotmilan zu den seltensten Greifvögeln, in Deutschland ist er erfreulicherweise noch recht häufig. Auf 10.700 Paare schätzt man den Bestand bei uns, weltweit gibt es aber höchstens noch 18.000 Pare des schönen Greifvogels, so dass Deutschland eine besondere Verantwortung für die Erhaltung dieser Art hat. Aber 70 % der in Deutschland nistenden Rotmilane finden sich auf einem Drittel der Fläche der Bundesrepublik in den neuen Bundesländern. Im nordwestdeutschen Flachland und im Südosten fehlt der Rotmilan fast völlig wie auch in Höhenlagen über 800 m.

Rotmilane brüten bei uns am liebsten im bewaldeten Hügelland, oft am Wasser. Hier haben sie auch die richtige Thermik zum Segeln, denn wie die Bussarde segeln auch Milane gern und häufig. In großen, geschlossenen Waldgebieten fehlen die Vögel, da sie offene Landschaften zum Jagen brauchen.

Rotmilane jagen die Beute, die sie in ihrem Revier antreffen. Als Beute kommen Vögel und Fische, Reptilien und Amphibien, Mäuse, Hamster, Junghasen und Kaninchen in Frage. Sie jagen im Suchflug, wobei sie in geringer Höhe Wiesen und Felder absuchen, oft mehrere Kilometer (5-12 km) von ihrem Horst entfernt. Nicht selten jagen Rotmilane auch anderen Greifvögeln die Beute ab und gern nehmen sie auch Aas an. Ab Mitte August ziehen Rotmilane aus ihren Brutgebieten in Mitteleuropa fort. Sie überwintern in Südeuropa, der Türkei und in Nordafrika. Im Februar beginnt dann der Heimzug und im März kommen die Rotmilane wieder bei uns an.

Es gibt aber auch mittlerweile Rotmilane, die in Deutschland überwintern. Sie müssen dann natürlich im Winter genug Nahrungsquellen vorfinden. Dabei scheint dem Rotmilan die Nähe von Mülldeponien besonders entgegenzukommen.

Im März beginnen die Überwinterer und Heimkehrer mit ihren Balzflügen. Rotmilane sind ausgesprochen reviertreu und kommen verpaart am Brutplatz an. Die Überwinterer halten auch in den Wintermonaten an ihrer Paarbindung fest, wahrscheinlich leben die Milane nicht nur in Saison-, sondern in Dauerehe zusammen. Der Brutbeginn liegt im April. Horste werden im Randbereich von Wäldern angelegt und regelmäßig wieder benutzt. Das Nest ist meistens mit Lumpen, Plastik, Papier und anderem Zivilisationsmüll ausgelegt. Es werden auch Ausweichhorste errichtet. Vom ersten Ei an bebrütet ausschließlich das Weibchen die meistens 2 bis 3 Eier. Nach 31 bis 32 Tagen beginnen die Jungen zu schlüpfen. In den ersten vierzehn Lebenstagen werden die Jungen nur vom Männchen mit Nahrung versorgt, danach beteiligt sich auch das Weibchen an der Jagd. Die jungen Milane bleiben rund 50 Tage im Horst und brauchen noch weiter vier Wochen, um völlig selbstständig zu sein.

Literatur:
Bauer und Glutz: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, Wiesbaden.
Bednarek, Walter: Greifvögel, Hannover.
Naturschutz heute, Magazin des NABU, Ausgabe 1/00, Vogel des Jahres 2000, Der Rotmilan.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Rotmilan

Natur-Lexikon.com