Misteldrossel

Misteldrossel (Turdus viscivorus)

Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00148

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Schon Anfang Februar kann man an milden, sonnigen Tagen den Gesang der Misteldrossel, der sich etwas schwermütig und klagend anhört, in Feldgehölzen, in Wäldern und auch immer öfter in Parkanlagen vernehmen. Häufig trägt die Misteldrossel ihre Strophen aus der Spitze von hohen Bäumen vor.

Der Gesang der Misteldrossel ist bei uns die erste Stimme im Konzert des nun beginnenden Vorfrühlings. Dieser klare, flötende Gesang unterscheidet sich von dem der allgegenwärtigen Amsel durch die nur geringen Tonhöheschwankungen.

Misteldrossel im Schnee

Während die ersten Misteldrosseln bereits singen, sind andere Misteldrosseln noch überhaupt nicht in ihren Revieren, denn die einzelnen Misteldrosseln unterscheiden sich in ihrem Zugverhalten deutlich voneinander. Einige harren nämlich den ganzen Winter hindurch in der Brutheimat aus und ziehen überhaupt nicht weg, andere streifen in gemischten Drosselschwärmen mit Rot- und Wacholderdrosseln durch die nähere Umgebung. Wieder andere Misteldrosseln überwintern in wärmeren, aber auch nicht weit entfernten Regionen, zum Beispiel in Frankreich.

Misteldrossel am Boden

Die scheue und aufmerksame Misteldrossel ähnelt der bekannteren Singdrossel sehr, doch ist sie mit 28 cm Körpergröße deutlich größer als diese (22 cm). Auch ist sie nicht so braun gefärbt wie die Singdrossel. Sie wirkt grauer und ist auch unterseits dichter gefleckt.

Misteldrosseln kommen in Mitteleuropa und vor allem in der niederländisch-norddeutsch-polnischen Tiefebene bevorzugt in halboffener Landschaft mit hohen Bäumen vor und sind so in den Randlagen von Dörfern und Städten besonders häufig zu finden; sie sind keine Gartenvögel wie die Singdrossel. In ländlich strukturierten Gebieten kann die Misteldrossel zahlreicher als die Singdrossel vorkommen. Ursprünglich war die Misteldrossel eine reine Waldart und Charaktervogel der Waldlandschaft.

Schon im ersten Lebensjahr werden Misteldrosseln geschlechtsreif; die Paarbildung und Balz erfolgt bei Standvögeln bereits im Winter, die Reviergründung findet auch bereits im Februar statt und bei Zugvögel unmittelbar nach der Rückkehr. Das Weibchen wählt den Nistplatz aus. Das Nest wird gewöhnlich auf einer soliden Unterlage in Bäumen angelegt, an liebsten werden die Nester in Astgabeln gebaut. Das Nest kann sich in einer Höhe zwischen 0,6m und 20 m befinden. Über 14 Tage kann der Nestbau dauern, in der Regel aber 7-13 Tage. Die Nester für Zweitbruten werden dagegen rasch gebaut, gewöhnlich in nur drei Tagen. Meistens legen Misteldrosseln vier Eier, Legebeginn ist in Mitteleuropa frühestens Ende Februar. Misteldrosseln reagieren schneller als Amsel und Singdrossel auf Temperaturanstieg. Die Drosseln legen jeden Tag ein Ei und beginnen meistens mit der Bebrütung nach Ablage des letzten Eies. Nach 13-15 Tagen schlüpfen die Jungen, die 14 oder 15 Tage im Nest bleiben. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch etwa 12-15 Tage gefüttert.

Bei früh brütenden Misteldrosseln können durch starke Schneefälle Gelegeverluste entstehen; sehr viele Nester werden vor allem durch Elstern ausgeraubt.

Große Bestandsverluste können durch Kältewinter entstehen, obwohl Temperaturen von –20 Grad kein Problem für die Vögel darstellen. Der Aufprall an Fensterscheiben ist eine weitere häufige Todesursache. Gefährlichster Raubfeind ist der Sperber, auch Wespenbussarde schlagen häufig Misteldrossel, daneben sind noch Waldkauz, Waldohreule, Uhu und Rotmilan zu nennen.

Ihre Nahrung nehmen Misteldrosseln in erster Linie vom Boden auf. So sieht man Misteldrosseln besonders häufig auf kurzrasigen oder frischgemähten Wiesen und Weiden nach Würmern suchen. Langsame Insekten können sie auch im Flug erbeuten. Kirschen sind für Misteldrosseln ein besonderer Leckerbissen und im Winter spielen Beeren eine wichtige Rolle auf dem Speisezettel, wie z.B. die namengebende Beere der Mistel oder Stechpalmenbeeren.

Literatur:
Glutz von Blotzheim (Hg): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 11/II, Passeriformes (2.Teil), Wiesbaden.



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