Stelzenläufer

Stelzenläufer (Himantopus himantopus)

Familie: Säbelschnäbler und Stelzenläufer (Recurvirostridae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00147

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Seinen deutschen Namen hat der Stelzenläufer völlig zu Recht, denn keine Vogelart hat
im Verhältnis zur Körpergröße längere Beine als er; immerhin machen sie 60% seiner Körpergröße von 43 cm aus.
Cigüenuela, „Störchlein“, wird der Vogel deshalb auch in Spanien genannt. Abgesehen von seinen langen Beinen ist der Stelzenläufer etwa taubengroß. In seinem Lebensraum hat seine Fähigkeit wie auf Stelzen gehen zu können, einen besonderen Sinn, denn Stelzenläufer können auch dort noch in den Gewässern nach Nahrung suchen, wo andere Watvögel nicht mehr hinkommen und haben somit keine Nahrungskonkurrenten.

Stelzenläufer im Flug

Es sieht aber ausgesprochen komisch aus, wenn Stelzenläufer im Schlamm nach Würmern suchen und dabei ihre Beine biegen. Bis zum Bauchgefieder stehen die Vögel daneben im Wasser und erbeuten auch Wasserkäfer und Kaulquappen.

Stelzenläufer lieben nährstoffreiche Gewässer, egal ob Salz- oder Süßwasser, Hauptsache es kommen genügend wirbellose Tiere vor. Man findet Stelzenläufer auch an kleinsten Teichen und Seen, die keinen Abfluss haben und wo weder Flutungen stattfinden noch ein Gezeitenwechsel.

Stelzenläufer Gruppe

Trockenheit führt oft zu einem Verschwinden dieser Gewässer und auch Überschwemmungen können sie für die Vögel unbrauchbar machen. So ist der Vogel gezwungen, ein Nomadenleben zu führen und mitunter verschwinden ganze Populationen aus ihrem angestammten Lebensraum. Immer wieder gibt es deshalb von Zeit zu Zeit auch in Mitteleuropa einen Einflug von Stelzenläufern und es kam beispielsweise Anfang der 80er Jahre in den Rieselfeldern von Appelhülsen bei Münster oder 1965 bei Bremen zu Bruten.

Stelzenläufer auf Beutesuche

In den Niederlanden brütet der Stelzenläufer seit vielen Jahren in wechselnder Anzahl unregelmäßig mit bis zu 39 Brutpaaren. Eigentliche Brutheimat des Stelzenläufers sind jedoch wärmere Gebiete. Dort bevorzugt er seichte Gewässer mit offenen Ufern.

In den letzten Jahrzehnten vergrößerte sich der Lebensraum des Stelzenläufers durch die Ausbreitung des Reisanbaus und in den überschwemmten Reisfeldern Italiens, Spaniens und Südfrankreich ist er keine seltene Erscheinung. In Ägypten kann man Stelzenläufer in den schlammigen Dorftümpeln beobachten, in denen die Wasserbüffel baden.

Männchen und Weibchen des Stelzenläufers unterscheiden sich in der Färbung von Flügeln und Rücken. Bei Männchen ist diese schwarz, beim Weibchen braunschwarz. Die Vögel werden im dritten Lebensjahr geschlechtsreif und führen eine monogame Saisonehe. Das Nest errichten sie in oder dicht bei seichtem Wasser, oft auf winzigen Inselchen, die nur etwas größer als das Nest sind. Auch auf Binsen und horstbildenden Gräsern werden Nester errichtet. In trockenem Gelände ist das Nest eine flache Mulde, in feuchtem Gelände oft eine voluminöser Bau.

Meistens legt das Weibchen vier Eier. Es beginnt nach Ablage des ersten Eies mit dem Brüten. Nach 22-24 Tage schlüpfen die Jungen. Sie werden nach 28-32 Tagen flugfähig. Die geselligen und in Kolonien brütenden Vögel sind ausgesprochen ruffreudig.

Über die Lebensdauer von Stelzenläufern in der Natur ist wenig bekannt, im Zoo lebte ein Vogel 10 Jahre lang.

Literatur:
Glutz von Blotzheim (Hg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 7 Charadriiformes (2.Teil), Wiesbaden.



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