Rotdrossel am Boden

Rotdrossel (Turdus iliacus)

Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00146

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In den Wäldern Nordeuropas ist die Rotdrossel ein häufiger Brutvogel. So wird allein der Bestand Finnlands, wo diese Drossel die dritthäufigste Brutvogelart ist, auf mehr als 3 Millionen Brutpaare geschätzt. Bestandsschwankungen sind aber natürlich und nach Kälteeinbrüchen im Winterquartier können nur noch 30 % des vormaligen Brutbestandes übrig sein. Wie die Singdrossel oder auch die Amsel ist die Rotdrossel heute nicht mehr nur ein Vogel der Wälder, sondern brütet auch in Gärten und Parks.

Rotdrossel auf Ast

In Mitteleuropa brütet der Vogel nicht oder nur ausnahmsweise. Als sporadischer Brutvogel ist die Rotdrossel nur aus den Ostalpen und dem Vorland der Ostalpen und in der Lausitz und im Drömling bekannt. Man kann Rotdrosseln allerdings während des Zuges im Frühjahr und Herbst zahlreich beobachten, wenn sie auf kurzrasigen Wiesen nach Regenwürmern suchen. Besonders während des Frühjahrszuges im März kann man große Scharen Rotdrosseln auf den Wiesen und Weiden beobachten, häufig sind sie mit Staren und Wacholderdrosseln vergesellschaftet.

Einzelne Rotdrosseln oder ganze Trupps überwintern auch in Mitteleuropa, so dass man im ganzen Winterhalbjahr Rotdrosseln antreffen kann.

Rotdrossel

Mit etwa 20 cm Länge sind Rotdrosseln noch etwas kleiner als die ähnlichen Singdrosseln, von denen sie sich durch den auffälligen rahmfarbenen Überaugenstreif, die rostroten Unterflügeldecken und die rostroten Flanken unterscheiden. Der Zugruf der Rotdrosseln ist ein dünnes, hohes, etwas raues „tziiih“, der besonders oft in Oktobernächten zu hören ist. Im Frühjahr hört man den Chorgesang der heimziehenden Vögel.

Der kurze nordische Sommer erlaubt den Rotdrosseln in der Regel nur eine Jahresbrut, doch ersetzen sie verlorengegangene Bruten unermüdlich. Durchschnittlich wurden in Finnland pro Brut 3,4 Junge flügge. In den nahrungsarmen nordischen Wäldern besetzen die Rotdrosselpaare sehr große Reviere. Das Nest findet sich niedrig im Gebüsch und ist wie bei allen Drosseln ein fester halbkugeliger Napf. Bei Störungen am Nest reagieren Rotdrosseln sehr empfindlich und geben schnell ihr Gelege auf. Nur das Weibchen brütet. Schon nach 11-13 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie verlassen das Nest schon bevor sie flügge sind im Alter von 9-12 Tagen und verstecken sich am ersten und zweiten Tag im Umkreis von 20 m in der Krautschicht. Am 3. und 4. Tag können sie 20m bis 100 m und am 5. und 6. Tag bis 500m vom Nest entfernt sein. Die Betreuung der ausgeflogenen Jungen wird hauptsächlich vom Männchen übernommen. Man sieht aber oft auch beide Eltern noch wenigstens eine Woche lang zusammen mit den Jungen.

Rotdrosseln ernähren sich außer von Regenwürmern auch von allerlei Insekten und deren Larven; besonders gern werden Käfer, Eintagsfliegen und Schnaken genommen. In großen Mengen werden frische geschlüpfte Libellen und Schnecken genommen, wenn Regenwürmer z.B. infolge von Trockenheit nicht mehr zur Verfügung stehen. Im Herbst und Winter stehen auch Früchte und Beeren auf dem Speiseplan dieser Drossel und spielen eine wichtige Rolle.

Literatur:
Glutz von Blotzheim (Hg): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 11/II, Passeriformes (2.Teil), Wiesbaden.



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Rotdrossel

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