Heringsmöwe

Heringsmöwe (Larus fuscus)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Möwen (Laridae)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00144

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Kaum andere Vogelarten sind in ihrer Ernährung so eng an den Menschen angeschlossen wie die verschiedenen Möwenarten. An der Küste folgen sie den Fischkuttern; Industriefischerei und Eutrophierung der Meere hat zu einem Anwachsen ihrer Bestände geführt. Während man früher im Binnenland außer Lachmöwen kaum Möwen zu sehen bekam, hat das große Nahrungsangebot an Mülldeponien dazu geführt, dass man dort im Winterhalbjahr auch Silber-, Sturm- und Heringsmöwen antrifft. Jede Hausmülldeponie, die heute geschlossen wird, verringert das Nahrungsangebot für die Möwenpopulationen.

Heringsmöwe im Flug

An der Nordseeküste brüten Heringsmöwen oft gemeinsam mit den Silbermöwen. Sie sind etwas kleiner als diese und kommen in zwei Unterarten vor. Die westliche Unterart (Larus fuscus graellsii) ist oberseits blass schieferfarben, die östliche Unterart (Larus fuscus fuscus) dagegen hat fast schwarze Flügeldecken. Südwestskandinavische Heringsmöwen (Larus fuscus intermedius)liegen farblich zwischen diesen beiden Heringsmöwenrassen.

Durch den Bestandsanstieg der beiden Unterarten in den letzten fünfundzwanzig Jahren kam es zu einer Überlappung der Areale und die Unterarten begannen sich zu vermischen. Heute existiert deshalb die Differenzierung in Unterarten faktisch nicht mehr und die Oberseitenfärbung der Heringsmöwen z.B. in der Brutkolonie auf Ameland (Niederlande) reicht von hellen bis zu ganz dunklen Typen.

Heringsmöwen mit schwarzen Flügeldecken ähneln den Mantelmöwen, doch sind letztere fast gänsegroß und haben fleischfarbene Beine. Heringsmöwen dagegen haben immer gelbe Beine. Ein Erkennungsmerkmal der Heringsmöwe ist auch der kleine weiße Fleck vor der Flügelspitze, den man im Flug ganz gut sehen kann. Auch am Ruf lassen sich die Arten gut unterscheiden: Heringsmöwen rufen nicht so schallend wie Mantelmöwen und tiefer als Silbermöwen.

Heringsmöwe am Boden

Verbreitet sind Heringsmöwen in Island, auf den Färöern, den Britischen Inseln, in Nordwestfrankreich, Nordwestspanien, auf den Inseln der südlichen Nordseeküste, in Skandinavien und von den Baltischen Staaten ostwärts bis ins Nordsibirische Tiefland. Galten sie bis vor kurzem als reine Küstenvögel, die sich zudem fast ausschließlich auf dem Meer ernährten, tauchen sie zunehmend nicht nur im Winterhalbjahr auch fernab der Küste auf. Die Zahl der Zug- und Winterbeobachtungen stieg in den letzten beiden Jahrzehnten stark an- eine zunehmende Population wird vermutlich zu diesen Ausweichbewegungen führen. Wie alle Möwen sind Heringsmöwen Allesfresser; sie sind im Flug gewandtere und effizientere Jäger als Silber- oder auch Weißkopfmöwen. Mit ihren schmäleren Flügeln kann die Heringsmöwe besser Stoßtauchen und ist den anderen Arten auch an Abwasserausflüssen, in Fischereihäfen und hinter dem Pflug überlegen. An Mülldeponien jagt die Heringsmöwe anderen Möwen gern die Nahrung ab.

Heringsmöwen nisten an der Küste in ähnlichen Biotopen wie Silbermöwen und oft brüten beide Arten in gemischten Kolonien. Heringsmöwen haben eine gewisse Vorliebe für vegetationsreiche Stellen. An Fels- und Steilküsten brüten sie nur selten. Frühestens im Alter von 3 Jahren beginnen die Vögel zu brüten, sie führen eine monogame Saisonehe. Da die Vögel aber recht brutorttreu sind, finden sich oft dieselben Partner zur nächsten Brutsaison wieder. Das Gelege besteht aus 2 oder 3 Eiern und wird in einer Mulde abgelegt. Durchschnittlich beginnen Heringsmöwen ein bis zwei Wochen später mit der Brut als Silbermöwen. Nach 26 – 31 Tagen schlüpfen die Jungen, die mit 35-40 Tagen flugfähig sind.

Wie Silbermöwen können Heringsmöwen recht alt werden. Es wurden 30- und 31 jährige Gefangenschaftsvögel bekannt.

Literatur:
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1: Charadriiformes (3. Teil), Wiesbaden
Delin, Hakan und Svensson, Lars: Der Kosmos-Vogelatlas, Stuttgart
Charadrius, Zeitschrift für Vogelkunde, Vogelschutz und Naturschutz in Nordrhein-Westfalen, 32. Jahrgang 1996, Heft 4.



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