Dünnschnablemöwe

Dünnschnabelmöwe (Larus genei)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Möwen (Laridae)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00143

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Während dem Urlauber an der Nord- und Ostseeküste vor allem Sturm-, Lach-, Silber- und Heringsmöwe begegnen, bisweilen noch Mantel- und Zwergmöwen, können ihm im Mittelmeerraum viele weitere Möwenarten auffallen. Eine von diesen ist die im allgemeinen sehr seltene Dünnschnabelmöwe.

Die Dünnschnabelmöwe ähnelt der Lachmöwe sehr. Nur wenn beide Arten direkt nebeneinander zu beobachten sind, erkennt man, dass Dünnschnabelmöwen etwas größer und schwerer sind und wegen der längeren Läufe hochbeiniger wirken. Die Stirn ist aber flacher, der Schnabel ist kräftiger und deutlich länger. Der Kopf der Dünnschnabelmöwe ist im Prachtkleid weiß, das Brustgefieder ist rosa angehaucht. Der Hals ist länger als bei der etwas ähnlichen Lachmöwe, mitunter erscheint er wie ein "Giraffenhals".

Dünnschnabelmöwe schwimmt

In Mitteleuropa wurde die Dünnschnabelmöwe noch nicht sicher nachgewiesen. Das Brutgebiet der Art erstreckt sich von Kasachstan, Afghanistan und Pakistan über das Schwarze Meer, Vorderasien und das Mittelmeer westwärts bis Südspanien und Westafrika. Die einzelnen Brutvorkommen sind unstet oder variieren zahlenmäßig stark. Der Schwerpunkt der Verbreitung heute liegt im südwestlichen Russland. In der Türkei brütet die Dünnschnabelmöwe an verschiedenen Seen Zentralanatoliens - dort ist die Dünnschnabelmöwe sogar die verbreitetste Möwenart- in Rumänien gab es früher Tausende von Paaren, doch nach 1930 gab es keine Bruten mehr.

Dünnschnabelmöwe im Flug

Auch in Bulgarien gibt es keine sicheren Brutnachweise. In Griechenland brütet diese Möwe an der Axios – Mündung, in Italien auf Sardinien –immerhin mit 700 Brutpaaren im Jahre 1980- und seit 1978 mit 5 Paaren in Ravenna. In Frankreich ist die Dünnschnabelmöwe auf die Camargue beschränkt, in Spanien auf das Ebro-Delta und die Marismas des Guadalquivir.

Ferner gibt es im südlichen Mittelmeergebiet Brutvorkommen in Ägypten, Tunesien und gelegentlich in Algerien. Zugbewegungen spielen sich fast ausschließlich innerhalb des Brutgebietes dieser Art ab und selbst als Irrgast tritt die Dünnschnabelmöwe sonst nirgendwo auf. Die Fotos zu diesem Beitrag entstanden in der Camargue, in der bis zu 20 Paare dieser Art brüten und in der die Dünnschnabelmöwe zum ersten Mal bereits 1842 als Brutvogel nachgewiesen wurde. Aber auch dort ist die Dünnschnabelmöwe unstet und 1980 und 1981 fanden keine Bruten statt.

Dünnschnabelmöwen halten sich ganzjährig am Wasser auf, besonders an seichten Küstengewässern, die fisch- und planktonreich sind. Vom Wasser umgebene flache Inseln, die Schutz vor Mardern, Füchsen und anderen Bodenfeinden gewähren, werden als Nistplätze ausgewählt, manchmal auch weit ins Meer hinausragende Landzungen oder auch Dämme von Salinen. Die Nestabstände in den Dünnschnabelmöwenkolonien sind oft sehr gering und betragen meist weniger als ein Meter, manchmal nur 20 cm. Die Vögel bevorzugen vegetationslose oder spärlich bewachsene Sand- oder Lehmflächen als Neststand und scharren Mulden ohne jede Auskleidung in den Boden, in die sie ihre 2 oder 3 Eier ablegen. Mit der Eiablage beginnen die Vögel in Anatolien ab dem 10. April, in der Camargue gewöhnlich in der zweiten Maihälfte und im Schwarzmeergebiet sogar erst Ende Mai, Anfang Juni.

Es findet nur eine Jahresbrut statt. Die Jungen schlüpfen nach 21-22 und 25-28 Tagen (hier gibt es unterschiedliche Angaben), bleiben 2-3 Tage im Nest und sind mit 30-35 Tagen flügge. Etwa 5 Tage später verlassen sie die Kolonie, werden aber noch mindestens drei Wochen von ihren Eltern gefüttert. Dünnschnabelmöwen ernähren sich überwiegend von kleinen fischen. Daneben werden auch Insekten und verschiedene Krebstiere aufgenommen.

Literatur:
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1: Charadriiformes (3. Teil), Wiesbaden.



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