Sturmmöwe

Sturmmöwe (Larus canus)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Möwen (Laridae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00142

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Eine Wolke von Möwen erhebt sich von einer Wiese, die direkt neben einer Mülldeponie liegt. Mit dem Fernglas erkennt man, dass es sich um verschiedene unterschiedlich große Möwenarten handelt. Eine von diesen Arten ist die Sturmmöwe.

Lange galt die Sturmmöwe in Mitteleuropa als reiner Küstenvogel und man konnte sie auch im Winter nur in unmittelbarere Umgebung der Küsten finden. Doch etwa von 1960 an stellte man dann die ersten Sturmmöwen an verschiedenen Orten im Binnenland fest. Die Beobachtungen häuften sich und die Zahl der Durchzügler wurde immer größer. Heute halten sich Sturmmöwen oft in großer Zahl an Seen, besonders gern an Kiesgruben, auf. Sie schließen sich dort den Lachmöwen an, die schon länger das Binnenland erobert haben und oft an Müllkippen zu finden sind.

Sturmmöwe im Flug

Als Allesfresser profitieren Sturm- wie Lachmöwen vom Nahrungsangebot der Müllkippen. Daneben sieht man die Sturmmöwen aber auch über Felder und Wiesen schreiten, wo sie meistens Regenwürmer, bisweilen aber auch Feldmäuse aufnehmen. Wie Lachmöwen folgen Sturmmöwen auch gern dem Pflug und machen dabei reichlich Beute.

Die Sturmmöwe sieht aus wie eine Miniaturausgabe der Silbermöwe. Sie ist etwas größer als die Lachmöwe, hat einen rundlichen weißen Kopf, einen silbergrauen Rücken und gelbgrüne Beine. Die Flügelspitze ist schwarz und überragt den weißen Schwanz. Wegen ihrer dunkelbraunen Iris und wegen ihres relativ schwachen Schnabels und dem runden Kopf wirkt sie vom Gesichtsausdruck "sanft".

Sturmmöwe auf Steinen

Als Brutvogel kommt die Sturmmöwe im Binnenland nur äußerst selten vor; in Nordrhein-Westfalen ist sie am Niederrhein zum Beispiel auf der Bislicher Insel zu finden. Sonst brütet die Sturmmöwe zahlreich an der Ostsee und etwas seltener an der Nordsee. Das Brutgebiet erstreckt sich von den Britischen Inseln und Island ostwärts bis zu den Baltischen Staaten und Russland, südwärts bis Frankreich und zu den Alpen.

In den letzten Jahrzehnten kam es zu einer deutlichen Bestandszunahme dieser Art, für die es mehrere Ursachen gibt. So entstanden Seevogelschutzgebiete, in denen das traditionell verbreitete Absammeln von Möweneiern eingeschränkt oder ganz verboten ist. Klimaänderungen und bessere Ernährungsbedingungen im Winter z.B. durch Mülldeponien und Fischverwertungsindustrie dürften weitere Ursachen sein. In anderen Gebieten Europas, zum Beispiel in Mittelnorwegen und Dänemark, wurde aber auch eine Abnahme der Stummmöwe festgestellt, die mit der starken Zunahme der Silbermöwe, die als Nahrungskonkurrentin auftritt, erklärt wird.

Sturmmöwen brüten in Kolonien auf Inseln, Landzungen oder in Sümpfen des Küstenbereichs oder des Binnenlandes, im Binnenland besonders in weiten Hochmooren. Der Neststandort muss trocken sein und zugleich Überblick bieten. Deshalb brütet die Sturmmöwe gern an vegetationsarmen und kurzgrasigen Stellen. Schutz vor Füchsen und anderen Bodenfeinden muss gegeben sein. Die Kolonien sind nicht so groß wie die der Lach- und Silbermöwen, der Abstand von Nest zu Nest beträgt meistens 5-20 m und unterschreitet nur ausnahmsweise mal die 1 m – Grenze. Es gibt auch immer einzeln brütende Sturmmöwenpaare, die gerne aus dem Wasser ragende Neststandorte wählen. Im Alter von 2-4 Jahren brüten Sturmmöwen, die eine Saisonehe eingehen, zum ersten Mal. Da die Art aber ausgesprochen nist- und brutplatztreu ist, bleiben Paare sich auch oft über viele Jahre treu.

Gewöhnlich sucht das Männchen den Nistplatz aus. Meistens legen Sturmmöwen ab Ende April drei Eier, aus denen die Küken nach 24-28 Tagen schlüpfen. Am 4. Tag ihres Lebens beginnen die Küken damit, in der Nähe ihres Nestes herumzugehen, werden aber nur am Nest gefüttert; nach vier bis fünf Wochen sind sie flugfähig. Sturmmöwen können recht alt werden. So wurde eine 26-jährige 4km vom Geburtsort tot gefunden und auch 22-24 jährige Sturmmöwen wurden nachgewiesen. Ein solches Alter ist aber eine seltene Ausnahme, da der Jagddruck vor allem in Dänemark groß ist und viele Vögel auch Ölopfer werden.

Literatur:
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1: Charadriiformes (3. Teil), Wiesbaden.



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