Sperber

Sperber (Accipiter nisus)

Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00140

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Aufgeregtes Kreischen von Kleinvögeln ist plötzlich aus einem Gebüsch zu hören. Ein etwa taubengroßer Vogel hat sich in einen Strauch gestürzt und fliegt jetzt mit schnellen Flügelschlägen und einer Kohlmeise im Fang nur einige Meter weiter auf einen Baumstumpf. Federn stieben- der Sperber hat mit seiner rasanten Jagd wieder einmal Erfolg gehabt und beginnt gleich damit, seine Beute zu rupfen. Die Aufregung der mit dem Schrecken davon gekommenen Vögel dauert noch lange an.

Sperber kann man seit einiger Zeit wieder häufiger beobachten. Selbst mitten in der Großstadt tauchen sie auf. Meistens hört man das Gekreische und Gezeter der Drosseln, Spatzen und Meisen, die in wilder Panik nicht selten gegen Fensterscheiben fliegen und sich dabei das Genick brechen, und erst dann wird man auf den kleinen Greifvogel aufmerksam. Sperber fliegen mit kennzeichnenden raschen Flügelschlägen und kurzen abwechselnden Gleitphasen in niedrigem Suchflug oft nur etwa einen Meter hoch über dem Boden, wobei sie es glänzend verstehen, die im Gelände vorhandenen Strukturen zur Tarnung zu nutzen, wenn sie an Hecken, Gräben und Zäunen entlang fliegen.

In den 70er Jahren sah es ganz schlecht um den Sperber aus; er war unmittelbar vom Aussterben bedroht. Schuld daran war die rücksichtslose Anwendung von Pestiziden. Der Sperber speicherte als Endglied einer Nahrungskette immer mehr Gifte in seinem Körper an und hatte keinen Bruterfolg mehr.

Nach dem Verbot des DDT konnten sich die Vögel aber wieder in ihrem Bestand erholen und heute sind sie zwar noch in der Roten Liste zu finden, aber sicher nicht mehr direkt vom Aussterben bedroht.

Sperber
Sperber mit geschlagener Amsel

Sein Nest baut der Sperber am liebsten in Fichtendickichten. Auch Kiefern- oder Lärchenstangenhölzer werden als Neststandort genutzt, sobald sie durchforstet sind. Das Nest wird in einer durchschnittlichen Höhe von 7 m direkt am Stamm gebaut. Nur das Weibchen bebrütet das Gelege aus meistens fünf Eiern, die in der Regel Anfang Mai gelegt werden. Es ist mit 37 cm Körperlänge deutlich größer und mit etwa 300 Gramm Gewicht auch viel schwerer als das Männchen, das nur etwa die Hälfte wiegt und 32 cm groß wird.

Männchen jagen Vögel von der Größe eines Zaunkönigs bis zur Größe einer Amsel, Weibchen hauptsächlich Tauben und Elstern. Für die Aufzucht der hungrigen Jungen bedeutet der Größenunterschied der Eltern einen enormen Vorteil, denn dadurch steht ein viel größeres Angebot an Beutetieren zur Verfügung. Die Jungen schlüpfen nach 5 Wochen und bleiben 25-30 Tage im Nest.

Sperber im Flug

Erbeutet werden vom Sperber immer die Vögel am häufigsten, die es im Lebensraum des Greifs am zahlreichsten gibt; bei Stadtsperbern sind das Spatzen, Meisen, Finken und Tauben. Nie rotten Greifvögel ihre Beutetiere jedoch aus und nur selten haben sie überhaupt einen Einfluss auf deren Bestandsdichte. Sperber haben einen Tages-Nahrungsbedarf von etwa 2-3 Kleinvögeln. Diese werden im deckungsreichen Gelände vom Ansitz aus gejagt oder aber auch im Überraschungsangriff an erfolgversprechenden Aufenthaltsorten von Kleinvögeln. Im Winter sind solche erfolgversprechenden Aufenthaltsorte vor allem Futterhäuschen, die der Sperber regelrecht kontrolliert. Die Kleinvögel werden im Flug ergriffen oder auch in Bäumen und Sträuchern. Die tollkühnen Jagdflüge des Sperbers enden nicht selten auch an Fensterscheiben oder in Drähten oder wie ich es auch schon beobachten konnte, im Wasser.

Sperber sind fast ausschließlich Vogeljäger, doch können Mäuse bis zu 10 % Anteil an der Nahrung haben.

Literatur:
Bauer und Glutz: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, Wiesbaden.
Bednarek, Walter: Greifvögel, Hannover.



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