Bocksriemenzunge

Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum)

Familie: Orchideengewächse (Orchidaceae)
Ordnung : Orchidales
Klasse: Einkeimblättrige (Monocotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00136

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Sieben Arten umfasst die Gattung Himantoglossum, nur die Bocks-Riemenzunge ist davon in Mitteleuropa verbreitet. Österreich erreicht daneben noch die Adriatische Riemenzunge, die auf Mager- und Steppenrasen auf basenreichen, trockenen Böden siedelt. Alle Arten dieser Gattung haben einen sehr lang ausgezogenen Mittellappen.

Die westmediterrane Art ist im Südwesten Deutschlands sehr selten und stark gefährdet und kommt meistens nur in Naturschutzgebieten vor; sie tritt nur inselartig auf, breitet sich aber in letzter Zeit nach Norden hin aus und reicht bis Südengland. Sie wächst in warmen Lagen in Trockenrasen, an sonnigen, grasigen Hängen, an Waldrändern, in lichtem Gebüsch und lichten Wäldern und ist kalkliebend. An ihren Standorten fällt die Pflanze trotz ihrer Größe oft nur wenig auf und man muss einen geschulten Blick haben, um die struppigen, blassgrünen Ähren zu entdecken.

Zur Hauptblütezeit der Riemenzunge ist nämlich die gesamte Vegetation der Trockenrasengesellschaft auf ihrem Höhepunkt und bunte Wiesenblumen fallen dann mehr auf als die grün wirkende Orchidee. Aus der Nähe brauchen die Einzelblüten der Bocksorchis, wie die Pflanze auch genannt wird, aber den Vergleich mit tropischen Orchideen nicht zu scheuen und die korkenzieherartigen Lippen machen die Pflanze unverwechselbar. Die Riemenzunge blüht von der Küste bis 1800 m Höhe im Mai und Juni, ist sehr stattlich und kann bis zu 80 cm hoch werden. Wenn sich die Blütenknospen öffnen, entwickeln sich die bis 6 cm langen Lippen, denen die Pflanze den Namen Riemenzunge verdankt. Da die Pflanze auch noch unangenehm nach Ziegenböcken riechen soll, erhielt sie den ersten Namensbestandteil.

Bastarde mit anderen Orchideenarten sind nicht bekannt.

Beschreibung:
Die große und stattliche Pflanze wird meistens 30-60 cm, manchmal auch 80 - 100 cm hoch. Sie hat 7-12 Laubblätter, die meisten davon sind grundständig. Die Grundblätter werden 3-5 cm breit und 11-15 cm lang. Nach oben hin werden die Stängelblätter kleiner. Der Blütenstand ist langgestreckt und sehr robust. Er trägt zwischen 40 und 120 Einzelblüten und wird 20 – 30 cm lang. Der Stängel wächst steif aufrecht und ist sehr kräftig. Der Fruchtknoten ist halb so lang wie die Tragblätter.

Infolge der extrem langen Lippe sind die Blüten stark ausladend. Sie sind meistens gelbgrün bis grün gefärbt. Die Perigonblätter (Blütenblätter) neigen helmförmig zusammen und sind außen blassgrün gefärbt, die Nerven sind dunkler. Die am Ende stumpfen Sepalen sind 10-13 mm lang, die Petalen sind kürzer und schmaler. Die Lippe ist dreilappig. Der Mittellappen ist sehr lang gestreckt, mehrfach gedreht und ragt mit seiner Länge von 6 cm aus dem Blütenstand hervor. Die Seitenlappen sind nur 1-2 cm lang. Die Lippenbasis ist mit roten Punkten besetzt und heller. Der Sporn ist 4-5 mm lang und abwärts gerichtet. Die Blüten riechen unangenehm bockartig.

Literatur:
AHO Thüringen: Orchideen in Thüringen, Eisenach.
Baumann, Helmut und Künkele, Siegfried: Die wildwachsenden Orchideen Europas, Stuttgart.
Laux, H.E. und Keller, R.: Unsere Orchideen, Kaufbeuren.
Möhring, Rolf und Faller, Siegfried: Zauberwelt der Orchideen, Freiburg im Breisgau.
Redl, Kurt: Wildwachsende Orchideen in Österreich, Altenmarkt, Steiermark.
Reinhard, Gölz, Peter, Wildermuth: Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete, Egg (CH).



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