Brand-Knabenkraut

Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata)

Familie: Orchideengewächse (Orchidaceae)
Ordnung : Orchidales
Klasse: Einkeimblättrige (Monocotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00135

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Zur Gattung Orchis, die in Europa etwa 35 Arten umfasst, zählen viele der bekanntesten heimischen Orchideen. Von der sehr nahe verwandten Gattung Dactylorhiza unterscheidet sich die Gattung Orchis durch rundlich bis ovale Knollen, während die Gattung Dactylorhiza handförmig geteilte Knollen hat.

Aus diesen Knollen wurde früher die Droge Tubera Salep gewonnen. Die schleimstoffreichen Knollen wurden zur Blütezeit ausgegraben, kurz gekocht und dann getrocknet. Die getrockneten Knollen kamen in den Handel und wurden bei Durchfall in der Kinderpraxis verwendet. Sehr große Salep-Mengen wurden vor allem aus dem Orient bezogen. Natürlich stehen Knabenkräuter heute unter Naturschutz, das Ausgraben ist verboten und die Droge wurde durch synthetische und noch wirksamere Mittel ersetzt.

Das Brand-Knabenkraut wächst in kleinen Gruppen oder auch einzeln auf Bergwiesen, Halbtrocken- und Trockenrasen, auch in Wald- und Heidewiesen sonniger Lagen von der Ebene bis etwa 2000 m Höhe. Es gedeiht auf trockenen und wechselfeuchten, ungedüngten Böden über Kalk und Kristallin im pH - Bereich von 5,6-8,5. Verbreitet ist es in Mitteleuropa bis Skandinavien und Südengland, im Osten bis Westsibirien und im Süden bis Süditalien, zum Peloponnes und Kaukasus.

Das Brand-Knabenkraut blüht von Ende April/Anfang Mai bis Ende Juli. Eine Unterart, das Späte Brand-Knabenkraut, Orchis ustulata susp. aestivalis, blüht sogar bis weit in den August hinein und kommt in den Randgebieten der Mittelgebirge und Alpen vor. Es hat offenere Perigonblätter als Orchis ustulata.

Die auffällig dunkle rot- bis schwarzbraune Färbung im Knospenstadium hat dem Brandknabenkraut auch den Namen Angebranntes Knabenkraut eingebracht; in der Schweiz heißt es auch Schwärzliche Orchis.

Hybriden bildet die Art vor allem mit dem Dreizähnigen Knabenkraut (Orchis tridentata), nachgewiesene Hybriden gibt es auch mit Affen-, Helm- und Kleinem Knabenkraut.

In Deutschland ist die Art stark gefährdet (Gefährdungskategorie 2, in Österreich Gefährdungskategorie 4), denn Düngung verträgt sie überhaupt nicht. Im mittleren und südlichen Deutschland ist sie aber noch recht weit verbreitet.

Beschreibung:
Die niedrige Pflanze wird etwa 10-30 cm hoch und gehört zu den kleinsten Orchis-Arten. Das Brand-Knabenkraut hat 3-6 am Grunde rosettig gehäufte, blaugrün gefärbte Laubblätter, die 3-8 cm lang und 0,5 – 2 cm breit sind. Nach oben folgen 1-3 scheidige Stängelblätter, die nach oben hin kleiner werden. Der kurze, bis 10 cm lange Blütenstand trägt zahlreiche winzige Blüten. Die häutigen Tragblätter sind etwa so lang wie der Fruchtknoten.

Die Perigonblätter (Blütenblätter, die aus Sepalen und Petalen bestehen) bilden einen kleinen, kugeligen Helm. Er ist von außen dunkelpurpurn gefärbt und wirkt im Knospenstand beinahe völlig schwarz. Die Sepalen sind oval und 3-4 mm lang, die Petalen sind noch kürzer. Die Lippe ist dreigelappt und flach ausgebreitet. Der Mittellappen ist meistens noch einmal zweigeteilt und größer als die Seitenlappen. Ausgebreitet ist die Lippe 5 mm lang und 3 mm breit, fast rein weiß gefärbt und mit kleinen purpurnen Flecken besät. Der Sporn ist stumpf, nach abwärts gerichtet und halb so lang wie der Fruchtknoten.

Abwandlungen in Gestalt, Färbung oder Größe sind selten. Ab und zu kommen weißblütige Formen vor, auch Formen mit rein weißer Lippe und grünlichen Perigonblättern, völlig ungeteilter Lippe oder schmalen und langen Seitenlappen.

Literatur:
AHO Thüringen: Orchideen in Thüringen, Eisenach.
Baumann, Helmut und Künkele, Siegfried: Die wildwachsenden Orchideen Europas, Stuttgart.
Klein, Erich und Kerschbaumsteiner, Herbert: Die Orchideen der Steiermark, Graz.
Laux, H.E. und Keller, R.: Unsere Orchideen, Kaufbeuren.
Möhring, Rolf und Faller, Siegfried: Zauberwelt der Orchideen, Freiburg im Breisgau.
Redl, Kurt: Wildwachsende Orchideen in Österreich, Altenmarkt, Steiermark.
Reinhard, Gölz, Peter, Wildermuth: Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete, Egg (CH).



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