Spinnenragwurz

Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes)

Familie: Orchideengewächse (Orchidaceae)
Ordnung : Orchidales
Klasse: Einkeimblättrige (Monocotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00134

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An eine Spinne erinnert die samtbraune Lippe der Spinnen-Ragwurz etwas; die graublaue, einem H ähnelnde Zeichnung, Mal genannt, unterstreicht diesen Eindruck noch. Lippen-Male sind für die gesamte Ragwurz-Gattung typisch und bei den einzelnen Arten unterschiedlich ausgeprägt. Selbst innerhalb einer Art variiert das Lippenmal so stark, dass es auf keinen Fall als einziges Bestimmungsmerkmal herangezogen werden kann. Zwei völlig identische Lippen entdeckt man nicht einmal an den Blüten eines einzigen Stängels der Spinnen-Ragwurz.

Schwerpunktmäßig ist die Gattung Ophrys in den Mittelmeerländern verbreitet. Rund 60 Arten gibt es dort. Nur fünf (oder je nach Autor sechs) Arten sind nach dem Ende der Eiszeit aus dem Süden bis in unsere Breiten vorgedrungen. Bis auf die Fliegen-Ragwurz sind diese wärmeliebenden Arten fast ganz auf kalkreiche Böden Mittel- und Südwestdeutschlands begrenzt. Die Spinnen-Ragwurz wächst im lichten Gebüsch, auf Magerwiesen und Halbtrockenrasen bis 1000 m Höhe und benötigt frische bis mäßig trockene, basenreiche Böden. Sie ist sehr selten, fehlt in vielen deutschen Bundesländern, ist in anderen vom Aussterben bedroht, wird in Baden-Württemberg als stark gefährdet eingestuft und in Thüringen als gefährdet. In Thüringen und am Oberrhein sind die zahlenmäßig größten Vorkommen dieser bedrohten Art zu finden.

Die Spinnen-Ragwurz blüht ab Anfang April bis Juni, in Südwestdeutschland ein bis zwei Wochen später als die Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola), aber im Mittel früher als Fliegen-, Hummel- und Bienen-Ragwurz. Bastarde bildet die Spinnen-Ragwurz mit der Kleinen Spinnen-, der Fliegen- und der Hummel-Ragwurz.

Wie die anderen Ragwurzarten ahmt die Spinnen-Ragwurz ein Insekt als Hochzeitspartner nach. Als Weibchen verkleidet lädt die Blüte Männchen zur Hochzeit ein. Selbst die feinen Härchen auf der Unterlippe ähneln in ihrer Struktur und Anordnung denen des Insektenweibchens. Zusätzlich verströmen Ragwurzarten einen Duft, der für Insektenmännchen unwiderstehlich ist und produzieren Stoffe, die dem Sexuallockstoff der Weibchen gleicht. Das Männchen setzt sich auf die Blüte und bevor es seinen Irrtum bemerkt hat, hat es bereits Blütenstaub in seinem Pelz abgestreift. Diesen trägt es zur nächsten Blüte und besorgt so die Bestäubung.

Bestäuber dieser Orchidee sind Erdbienenmännchen (Andrena). In manchen Jahren blüht die Spinnen-Ragwurz kaum, denn sie ist ausgesprochen frostempfindlich. In besonders kalten Frühjahren kommt es zu Totalausfällen.

Beschreibung
Die Pflanzen werden 10-45 cm hoch und haben drei bis sechs Laubblätter, die am Grunde rosettig gehäuft und bläulichgrün sind. Der Blütenstand ist locker, bis 20 cm lang und 3-12blütig. Die Tragblätter sind lanzettlich und zugespitzt- sie sind länger als der Fruchtknoten. Die Sepalen sind länglich eiförmig, 10-14 mm lang und 4-5 mm breit, gelblichgrün bis olivgrün, manchmal bräunlich überlaufen und abstehend. Das mittlere Sepal ist länglich, 10-12 mm lang, aufgerichtet und an den Rändern meistens eingerollt. Die Petalen sind zungenförmig, stumpf, kahl und einnervig, am Rande meistens gewellt, 5-8 mm lang und etwa 2-3 mm breit. Farblich entsprechen die Petalen in etwa den Sepalen.

Die Lippe ist vielgestaltig, oval bis länglich oder rundlich, gewölbt, ganzrandig oder schwach dreilappig, meistens leicht gehöckert mit kahlen Innenflächen, hellbraun bis dunkelbraun und 8-16 mm lang. Die kahle Zeichnung auf der Lippe ist graublau bis violett und besteht aus zwei parallelen Streifen, die meistens in der Mitte verbunden sind. Die Zeichnung erinnert so an ein H. Ein Anhängsel fehlt entweder ganz oder ist nur schwach entwickelt.


Literatur:
AHO Thüringen: Orchideen in Thüringen, Eisenach.
Baumann, Helmut und Künkele, Siegfried: Die wildwachsenden Orchideen Europas, Kosmos-Verlag, Stuttgart 1982.
Kreutz, C.A.J.: Orchideeen in Zuid-Limburg, Utrecht, 1994.
Kreutz, C.A.J.: De verspreiding van de inheemse orchideeen in Nederland, Zutphen.
Laux, H.E. und Keller, R.: Unsere Orchideen, Kaufbeuren.
Möhring, Rolf und Faller, Siegfried: Zauberwelt der Orchideen, Freiburg im Breisgau.
Redl, Kurt: Wildwachsende Orchideen in Österreich, Altenmarkt, Steiermark.
Reinhard, Gölz, Peter, Wildermuth: Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete, Egg (CH).



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