Kleines Knabenkraut

Kleines Knabenkraut (Orchis morio)

Familie: Orchideengewächse (Orchidaceae)
Ordnung : Orchidales
Klasse: Einkeimblättrige (Monocotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00133

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Als erste Orchidee entfaltet zum Auftakt der „Orchideensaison“ das Kleine Knabenkraut, auch Salep-Knabenkraut genannt, seine wundervollen Blüten. Das kann je nach Witterungsverlauf und Standort der Pflanze in Deutschland bereits Mitte April der Fall sein, dann wenn die Apfelbäume in der Rheinebene in voller Blüte stehen. Im Mittelmeerraum blüht Orchis morio sogar noch früher von Anfang März an.

Wenn man vor einem Bestand dieser herrlichen Orchidee steht, ist man überrascht über die Farbenvielfalt der Art. Fast rein weiße Blüten sind oft im gleichen Bestand mit rosa und tief purpurroten Exemplaren zu finden. Allerdings findet man große Bestände dieser Art immer seltener. Das einstmals in ganz Mitteleuropa, ja fast im ganzen europäischen Raum verbreitete und häufige Kleine Knabenkraut ist fast überall selten geworden oder sogar ganz verschwunden. Diese Art kann als ein typischer Magerkeitsanzeiger angesehen werden. Zu finden ist es noch auf feuchten bis trockenen Wiesen und ungedüngten Weiden, in Flachmooren und auf mageren Bergwiesen auf schwach basischen bis schwach sauren Böden. Gefährdet durch Düngung, Überweidung, Viehtritt, Verbuschung und Aufforstung muss man es heute gezielt schützen, um es zu erhalten. Eine extensive Bewirtschaftung mit einer Verminderung der Weidevielzahl gehört dazu wie auch die gelegentlich Mahd und Entfernung des Mähgutes sowie eine Entbuschung der Standorte.

Bestäubt wird das Kleine Knabenkraut maßgeblich von Hummeln und Bienen. Der andere deutsche Artname Salep-Knabenkraut weist auf die pharmazeutische Bedeutung dieser Orchidee hin. Aus den Wurzelknollen gewann und gewinnt man auch heute noch ein Heilmittel (Tubera salep). Diese Knollen sind reich an Stärke und Pflanzenschleim und haben einen hohen Proteid-Anteil. Getrocknet und pulverisiert wirkt der sogenannte Salepschleim vor allem antidiarrhöisch. Im Orient dient er auch heute noch als Aphrodisiakum.


Beschreibung:
Die Pflanze wird etwa 8-30 cm hoch, die Laubblätter sind stumpf lanzettlich und ungefleckt. Der Blütenstand ist zylindrisch, locker- bis dichtblütig. Die Blütenfarbe kann von weißrosa bis dunkelpurpurn variieren, auch ganz weiße Blüten gibt es. Ein sicheres Erkennungszeichen der Art sind die grünen bis grünvioletten Adern auf Sepalen und Petalen. Sepalen und Petalen bilden einen Helm, die Lippe ist breit und dreilappig. Der Mittellappen ist wenig länger als die Seitenlappen und ausgerandet bis gespalten. In der helleren Mittelzone der Lippe sind grobe, dunkle Flecken oder Punkte zu finden. Der Blütensporn ist horizontal oder aufwärts gebogen, zylindrisch oder keulenförmig.

Die Fotos zu diesem Beitrag wurden im Kaiserstuhl bei Freiburg und im Elsass (F) aufgenommen. Im Elsass gibt es noch einzelne Standorte mit Hunderttausenden dieser Pflanze.

Literatur:
Baumann, Helmut und Künkele, Siegfried: Die wildwachsenden Orchideen Europas, Kosmos-Verlag, Stuttgart 1982.
Klein, Erich und Kerschbaumsteiner, Herbert: Die Orchideen der Steiermark, Graz 1996.
Kreutz, C.A.J.: Orchideeen in Zuid-Limburg, Utrecht, 1994.
Kreutz, C.A.J.: De verspreiding van de inheemse orchideeen in Nederland, Zutphen.
Möhring, Rolf und Faller, Siegfried: Zauberwelt der Orchideen, Freiburg im Breisgau.
Reinhard, Gölz, Peter, Wildermuth: Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete, Egg (CH).



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