Bienen-Ragwurz

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)

Familie: Orchideengewächse (Orchidaceae)
Ordnung : Orchidales
Klasse: Einkeimblättrige (Monocotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00132

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Ab Mitte Juni, in wärmeren Jahren auch bereits etwas eher, blüht die Bienen-Ragwurz bei uns, im Mittelmeerraum ab April. Nördlich der Alpen zeichnet sich diese Ragwurzart durch beinahe ausschließliche Selbstbestäubung aus. Natürliche Bestäuber scheinen hier weitgehend zu fehlen. Im südlich der Alpen gelegenen Verbreitungsgebiet sieht das anders aus- hier finden sich die zur Bestäubung geeigneten Bienenarten noch häufiger. Bei der Selbstbestäubung (Autogamie) krümmen sich die Pollinienstiele nach unten und bringen die Pollinien mit der Narbe derselben Blüte in Berührung. Die Autogamie macht die Bienen-Ragwurz vom Bestäuber unabhängig und möglicherweise ist sie Voraussetzung für die Arealerweiterung dieser Orchideenart.

Eine Arealerweiterung lässt sich in den letzten Jahrzehnten beobachten. So erreicht diese Orchidee seit einiger Zeit Gebiete in den Niederlanden, wo sie früher nie geblüht hat (in der Provinz Zeeland). Neue Fundorte gibt es auch aus Westfalen zu vermelden. Von allen Ragwurz –Arten hat die Bienen-Ragwurz die weiteste Verbreitung. Allerdings ist die Fliegen-Ragwurz noch weiter im Norden zu finden.

Die Bienen-Ragwurz ist nicht streng an einen Biotoptyp gebunden. Sie wächst in feuchten Magerwiesen ebenso wie in trockenen. Auf Ödland kommt sie ebenso vor wie im Gebüsch und in Gräben und deren Böschungen. Auch in lichten Laub- und Nadelwäldern gedeiht diese Orchidee auf mäßig trockenen bis wechselfeuchten, basenreichen Böden. Sie kommt vom Meer bis zu den Bergen auf etwa 1000m Höhe vor.

Beschreibung:
Die Pflanzen werden 20-60 cm hoch, haben zwei bis vier grundständige Laubblätter, die länglich-lanzettlich, spitz und lebhaft grün sind. Schon im Herbst erscheinen die Blattrosetten und erfrieren dann bei Frösten. Deshalb haben die Grundblätter der Ragwurzarten oft braune Blattspitzen. Nach oben hin tragen die Pflanzen drei bis vier stängelumfassende Blätter; der Blütenstand ist ziemlich locker und wird bis zu 25 cm lang; selten besteht der Blütenstand aus mehr als 2-8 Einzelblüten.

Die Blüten sind ziemlich groß. Ihre Tragblätter sind lanzettlich und hellgrün, länger als der Fruchtknoten. Die Sepalen stehen ab oder sind manchmal auch zurückgeschlagen. Sie sind recht groß und eiförmig-länglich, 12-1g mm lang und 5-9 mm breit, rosa oder weißlich- grünlich und haben grüne Nerven.

Die Petalen sind klein bis verlängert, dreieckig, zungen- oder fadenförmig, grünlich oder gefärbt wie die Sepalen und am Rande dicht behaart.

Die Lippe ist am Grunde tief dreilappig, rundlich verkehrteiförmig, stark gewölbt und samtartig. Sie ist 10-12 mm lang und dunkelbraun. Die Seitenlappen der Lippe sind schief dreieckig, gehöckert und außen goldgelb oder bräunlich zottig behaart. Der Mittellappen hat zurückgeschlagene Ränder. Das Anhängsel ist gelblichgrün und leicht zurückgebogen. Die Zeichnung auf der Lippe ist bänderartig, gelblich oder weißlich. Die Anthere hat einen geschnäbelten, 1,5 -2 mm langen Fortsatz.

Literatur:
Baumann, Helmut und Künkele, Siegfried: Die wildwachsenden Orchideen Europas, Kosmos-Verlag, Stuttgart 1982.
Kreutz, C.A.J.: Orchideeen in Zuid-Limburg, Utrecht, 1994.
Kreutz, C.A.J.: De verspreiding van de inheemse orchideeen in Nederland, Zutphen.
Möhring, Rolf und Faller, Siegfried: Zauberwelt der Orchideen, Freiburg im Breisgau.
Reinhard, Gölz, Peter, Wildermuth: Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete, Egg (CH).



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