Wespenbussard

Wespenbussard (Pernis apivorus)

Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00122

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Der Wespenbussard, Pernis apivorus, ist die einzige von drei Arten der Gattung Pernis, die auch in Europa verbreitet ist. Die Greife dieser Gattung sind bussardgroß und langschwänzig und ernähren sich hauptsächlich von Wespenlarven, die sie aus Erdnestern hervorscharren. Als Anpassung an diese spezielle Ernährungsweise haben Wespenbussarde Merkmale entwickelt, die sonst bei Greifvögeln nicht wiederzufinden sind. So haben sie einen ausgesprochenen Scharr- und Grabfuß mit nur wenig gekrümmten Krallen, eine fast schuppige Befiederung im Kopfbereich an der Schnabelwurzel, die ausgesprochen dicht und hart ist und Wespenstiche verhindert und schlitzförmige schmale Nasenöffnungen, in denen kein Sand eindringen kann.

Wespenbussard im Flug

Im Flug sind Wespen- und Mäusebussard nicht immer leicht zu unterscheiden, allerdings hat der Wespenbussard einen schmaleren und längeren Schwanz, längere und schmalere Flügel und einen auffällig kleinen, taubenähnlichen Kopf mit langem Hals. Wende- und Drehbewegungen des Kopfes sind während des Fliegens dadurch deutlich zu erkennen. An der Schwanzwurzel sind dunkle Binden vorhanden, die ebenso wie die breite Endbinde ein deutliches Merkmal des Wespenbussards sind. Die Färbung kann recht variabel sein.

Männchen und Weibchen sind auch noch unterschiedlich gefärbt. Erwachsene Männchen haben einen taubenblauen Kopf, erwachsene Weibchen meistens einen braunen. Aus der Nähe kann man die gelbe Iris erkennen, die bei Jungvögeln noch graubraun gefärbt ist. Der Wespenbussard ist mit durchschnittlich 55 cm Körpergröße etwa gleich groß wie der Mäusebussard.

Wespenbussard am Boden

In Waldgebieten mit Lichtungen ist der Wespenbussard weit verbreitet. Bevorzugt werden Laubwaldbestände mit offenen Lichtungen, Wiesen und sonnigen Schneisen. Seine Nester legt der Wespenbussard im Randbereich von geschlossenen Waldungen an. Die Nesthöhe beträgt meistens 20 m. Die zwei Eier werden von Ende Mai bis Mitte Juni abgelegt, das zweite Ei drei Tage nach dem ersten. Nach knapp fünf Wochen schlüpfen die Jungen. Drei Wochen lang muss das Männchen die Jungen alleine versorgen, dann hilft das Weibchen mit. Die Nestlingszeit beträgt 40 bis 48 Tage. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch einige weitere Tage mit Nahrung versorgt. Bei ungünstiger Witterung und nasskaltem Wetter und in wespenarmen Jahren werden kaum Junge groß, dennoch scheint der Bestand in Mitteleuropa langfristig stabil zu sein.

Fliegender Wespenbussard

In Deutschland fehlt der Wespenbussard nirgends, allerdings ist er weit seltener als der häufige Mäusebussard. Da der Vogel sehr spät in seiner Brutheimat ankommt, versteckt lebt und bei nur flüchtigem Hinschauen mit dem Mäusebussard verwechselt wird, wird er leicht übersehen.

Die Anwesenheit dieses heimlichen Greifs kann aber bisweilen auch an gefundenen Ausgrabungen mit Wabenresten nachgewiesen werden, ohne ihn gesehen zu haben. Außer Wespen werden auch andere Insekten sowie Würmer und Frösche gefressen. Seltener erbeutet der Greif auch Mäuse und Jungvögel.

Wespenbussarde sind ausgesprochene Zugvögel, die etwa 8 Monate des Jahres südlich der Sahara in Afrika verbringen. Erst im Mai treffen sie bei uns ein und ziehen schon Ende August wieder fort. Der Wespenbussard ist in der Roten Liste als gefährdet, Kategorie 3, eingestuft. Man schätzt seinen Bestand in Deutschland auf 7.700 bis 36.000 Brutpaare.

Literatur:
Bauer und Glutz: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 4, Falconiformes, Wiesbaden.
Bednarek, Walter: Greifvögel, Hannover.



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