Seeregenpfeifer

Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus)

Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00116

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Regenpfeifer sind kleine bis mäßig große Limikolen mit meistens mittellangen Beinen und kurzen Schnäbeln. Die Familie lässt sich in zwei Unterfamilien gliedern, die Kiebitze (Vanellinae) und die Eigentlichen Regenpfeifer (Charadriinae). Der Seeregenpfeifer gehört zu den Eigentlichen Regenpfeifern, wird etwa 16 cm groß, ist hochbeiniger als die nahe verwandten Arten Fluss- und Sandregenpfeifer und zugleich gedrungener und dickköpfiger. Durch den schwarzen Schnabel, die dunkelgrauen Füße, die hellere Oberseite und die auffällig weißen Schwanzkanten unterscheiden sich Seeregenpfeifer in allen Kleidern deutlich von Fluss- und Sandregenpfeifern. Ein Ring um die Augen fehlt den Seeregenpfeifern, typisch sind zudem die weiße Stirn, der dunkle Augenstreif und der weiße Überaugenstreif.

In Mitteleuropa ist der Seeregenpfeifer auf die Nordseeküste beschränkt und hat ein zusätzliches zahlenmäßig unbedeutendes Vorkommen im österreichischen Burgenland und auf den Salzböden der Theißniederung in Ungarn. 1991 brüteten 569 Paare im internationalen Wattenmeer. Die meisten Seeregenpfeifer sind in den Niederlanden zu finden, rund 425 - 550 Paare brüten dort vor allem im Deltagebiet. Seeregenpfeifer sind wärmeliebende, salztolerante Vögel, die besonders auf vegetationsarme Böden spezialisiert sind. Auf kahlen Sandspülflächen der Küsten findet man sie am ehesten. Durch anschließende üppige Vegetationsentwicklung wird der Seeregenpfeifer wieder verdrängt.

Seeregenpfeifer am wasser

Die Vögel ernähren sich an der Nordsee- und Atlantikküste von Ringelwürmern, kleinen Muscheln, Schnecken und Krebstieren. Die Hauptnahrung im Binnenland bilden Insekten und ihre Larven, die aber auch an der Küste erbeutet werden. Besonders Käfer scheinen von großer Bedeutung zu sein.

Vor Luftfeinden sind Seeregenpfeifer aufgrund ihrer Fluggewandtheit und aufgrund ihres schnellen Reaktionsvermögens relativ sicher, aber ziehende Sperber sorgen für Unruhe unter den anwesenden Seeregenpfeifern. Jedes Tier, das sich einem Seeregenpfeifernest nähert, gilt als Bodenfeind und wird vom Seeregenpfeifer angegriffen oder durch Verleiten weggelockt. Wenn die Jungen einer Gefahr ausweichen können, verleiten die Vögel nicht mehr.

Vor Vollendung des ersten Lebensjahres werden Seeregenpfeifer geschlechtsreif. Bei diesen Vögeln überwiegen Saisonehen, aber auch langjährige Partnertreue ist häufig nachgewiesen worden. Seeregenpfeifer bleiben ihrem Revier und ihrem Nistplatz in der Regel treu, die Nester befinden sich von Jahr zu Jahr oft nur wenige Meter voneinander entfernt. Das Nest befindet sich in einer vorgefundenen oder selbstgegrabenen Mulde auf vegetationsfreien Sandflächen an der Dünenaußenkette oder im Inneren von Dünen, in schütterer Dünenvegetation oder in lichten Salzpflanzengesellschaften oder an sandigen Stellen kurzgrasiger Weiden.

Das Weibchen legt fast immer drei Eier, die völlig glanzlos und relativ matt sind. Das dritte Ei wird 96 bis 120 Stunden nach dem ersten Ei gelegt. Mit der Brut begonnen wird nach Ablage des dritten Eies. Durchschnittlich werden die Eier 25 Tage bebrütet, bevor die Jungen schlüpfen. Wenn das brütende Weibchen häufig gestört wird, kann sich die Brutdauer auf 31 Tage verlängern. Zwei bis drei Stunden nach dem Schlüpfen sind die Küken trocken und beginnen sofort in der nächsten Umgebung herumzulaufen. Ab dem 41. Lebenstag flüchten die Jungen durchschnittlich fliegend. Seeregenpfeifer brüten normalerweise nur einmal pro Jahr.

Außerhalb der Brutzeit sind Seeregenpfeifer ausgesprochen gesellig und es kommt bis kurz vor der Eiablage zu Schwarmbildungen.

Literatur: Glutz, Bauer, Bezzel: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 6- Charadriiformes (1. Teil), Wiesbaden.



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