Flamingo

Rosaflamingo (Phoenicopterus ruber L.)

Familie: Flamingos (Phoenicopteridae)
Ordnung: Flamingos (Phoenicopteriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00114

► mehr Vögel


Verbreitet ist der Flamingo in Südspanien und in der Camargue in Südfrankreich, in Nord- und Ostafrika, in Westasien und Nordwestindien. Außerdem kommt er noch auf Inseln der Karibik und an Küsten des Karibischen Meeres vor. Viele frühere Brutplätze wurden verlassen. Der Rosaflamingo kommt in zwei Rassen vor, Ph. Ruber ruber mit ganz rotem Gefieder und gelb-schwarzem Schnabel ist auf den Galapagos-Inseln und von Guayana bis zu den Bahamas zu finden und Ph. Ruber roseus in der Alten Welt.

Mit ihrem überlangen Hals und den überlangen, dünnen, rosafarbenen Beinen sind Flamingos unverkennbar. Auch der dicke, in der Mitte nach unten geknickte Schnabel macht den Vogel unverwechselbar.

Flamingo im Flug

Flamingos durchwaten das Wasser gemessenen Schrittes und durchseihen dabei kopfunter den Salzwasserschlamm. Sie haben ausgesprochen klobige Schnäbel, die beim Nahrungserwerb als Sieb benutzt werden. Der dünnere Oberschnabel liegt auf dem Untergrund. Mit dem dicken Unterschnabel wird die Nahrung gefiltert. Allerlei Essbares wie zum Beispiel Algen und Kleinkrebse, Insektenlarven, Würmer, Pflanzensamen und Weichtiere bleiben an den Hornleisten hängen. Kleinkrebse müssen zahlreich vorhanden sein, damit die erwachsenen Flamingos ihre typische rosa Färbung des Federkleides aufweisen, da sie mit den Krebsen einen roten Farbstoff aufnehmen, der dann in den Federn abgelagert wird.

Das Wasser wird mit Pumpbewegungen der Kehle angesaugt. Die Füße des Flamingos wirbeln beim Waten den Schlamm auf. Meistens treten Flamingos Futterspiralen, manchmal Mäander. In der Sommernahrung herrschen Kleinstlebewesen vor, in der Winternahrung Schnecken, Muscheln und Sämereien. Auch Reis wird gerne gefressen, was den schönen Vögeln die Feindschaft manch eines Reisbauern einbrachte.

In den Lagunen der Camargue liegt heute das letzte Flamingo- Refugium des westlichen Mittelmeerraumes. Viele frühere Brutkolonien, so auf Sardinien oder in Spanien haben die Flamingos während der letzten Jahrzehnte kaum aufgesucht oder ganz aufgegeben. In der Camargue ist ihr guter Bruterfolg auch hauptsächlich auf einen Eingriff des Menschen zurückzuführen. Die Flamingoinsel im Etang du Fangassier ist im Jahre 1970 unter Einsatz eines Bulldozers entstanden. Sie wurde von den Vögeln zuerst aber nicht angenommen. Erst als man die Insel mit künstlichen Schlammkegeln bedeckte, brüteten die sehr geselligen Großvögel hier im Jahre 1974 zum ersten Mal. 1983 waren es schon 15.000 Paare, die auch auf umliegende Deiche auswichen.

Flamingo im Flug

Von Mitte April bis Mai legen Flamingos in der Camargue ihre Eier. Männchen und Weibchen bebrüten ihr einziges Ei abwechselnd einen Monat lang. Gegen Störungen sind die Vögel sehr empfindlich, schnell lassen sie ihr Ei und selbst ihr Junges im Stich. Vor allem Überschwemmungen und Angriffe von Silbermöwen, aber auch rücksichtslose Fotografen lösen Fluchtverhalten aus. Im Jahre 1983 wurden in der neuen Kolonie auf dem südlichen Deich über 5.000 Nester aufgegeben; es kamen aber dennoch 7.200 Küken hoch, eine Rekordzahl für die Camargue.

78 Tage braucht ein junger Flamingo etwa bis er selbstständig ist und sich allein ernähren kann. Sein Federkleid ist erst noch wenig attraktiv. Vom eleganten Rose der Altvögel sticht das graue Federkleid der Jungen ab.

Nicht alle Flamingos überwintern in der Camargue. Die meisten fliegen ins südliche Mittelmeer, manche auch bis Westafrika. Es kommt immer wieder vor, dass Flamingos auch weit nach Norden ausweichen und an unseren Küsten auftauchen. Im westlichen Westfalen, im Zwillbrocker Venn bei Vreden, ist in den letzten Jahren eine kleine Flamingokolonie entstanden. 1982 tauchten dort die ersten Flamingos auf, elf Exemplare waren es.

Bis heute weiß niemand, woher diese Tiere kamen. Im Laufe der Jahre wuchs die kleine Flamingokolonie durch weitere Zuzüge sogar um einige Tiere an. Im Jahre 1989 hielten sich bereits 22 Tiere im Venn auf und zum ersten Mal wurden vier Jungvögel flügge, nachdem zuvor die Jungvögel immer eingegangen oder an den Frankfurter Zoo abgegeben worden waren. Die jungen Flamingos hielten sich bis in den Herbst hinein im Venn auf. Die Altvögel waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgezogen, um den Winter im Mündungsgebiet des Rheins zu verbringen. Flamingos sind recht langlebig. Der älteste Zoo-Flamingo wurde in Philadelphia 44 Jahre alt.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Flamingo

Natur-Lexikon.com