Bartmeise

Bartmeise (Panurus biarmicus)

Familie: Drosselmeisen (Timaliidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00113

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Die Bartmeise ist der einzige bei uns vorkommende Vertreter der überwiegend in Südasien beheimateten Familie der Timalien oder Drosselmeisen. Bartmeisen sind in Europa nur sehr lückenhaft in ausgedehnten Schilfgebieten verbreitet. Besonders zahlreich waren sie in den Jahren zwischen 1965 und 1973 in den Ijsselmeerpoldern der Niederlanden. Dort brüteten zu der Zeit mindestens 8000 Paare, die sich von dort aus auch nach Nord- und Westfrankreich und viele weitere Stellen in Mitteleuropa ausbreiteten.

Nach der Kultivierung der Polder sank der niederländische Brutbestand auf etwa 1300- 2000 Paare zwischen 1989 und 1991. In Deutschland sind Bartmeisen sehr selten. Zur Zeit des letzten Bestandsmaximums (1975) brüteten in Deutschland etwa 525–700 Paare, die meisten davon in Mecklenburg-Vorpommern (350 – 400 Paare).

An ihren langen Schwanz (Bartmeisen sind die einzigen langschwänzigen schilfbewohnenden Kleinvögel) und der zimtbraunen Färbung sind diese Vögel auch im Flug leicht zu erkennen, die eine Gesamtlänge von 16,5 cm erreichen.

Aus der Nähe kann man sehen, dass das Männchen einen orangegelben Schnabel, einen blaugrauen Kopf und einen schwarzen „Bart“ hat. Diesen „Bart“ und die blaugraue Kopffärbung hat das Weibchen nicht. Fast immer sieht man Bartmeisen in kleinen Trupps knapp über der Wasserfläche im dichten Schilf nach Nahrung suchen. Meist fliegen dies Trupps nach wenigen Minuten auf, um mit schnellen Flügelschlägen niedrig über dem Schilf fliegend schon nach wenigen Metern wieder im Schilf einzufallen. Man wird Bartmeisen aber viel eher hören als sehen, denn fast ununterbrochen lassen sie ihre Kontaktrufe ertönen, die wie ein gequetschtes „dschä“ oder „dä“ klingen.

Im Sommer leben Bartmeisen von kleinen Insekten, im Winter von Schilfsamen. Dann streifen sie in Schwärmen durch das Röhricht. In sehr strengen Wintern erleiden Bartmeisen hohe Verluste, die sie in günstigen Brutgebieten aber schnell wieder ausgleichen können. Im Frühling bauen die Vögel ihre Nester nebeneinander als lockere Kolonie an den Rändern der Schilffelder. Das Nest ist ein einfach geformter Napf und steht knapp über dem Wasserspiegel. Männchen und Weibchen bauen es gemeinsam fast ausschließlich aus Schilf. Manchmal wird die Nestmulde noch mit Federchen ausgepolstert. Die vier bis sechs Eier sind schneeweiß- ungewöhnlich und normalerweise nur bei Höhlenbrütern üblich. Oft werden die Nester aber auch unter umgebrochenen Schilf- oder Binsenbüscheln versteckt, so dass sie von oben nicht einsehbar sind. Weibchen und Männchen bebrüten das Gelege abwechselnd. Es kommt vor, dass sich auch fremde Bartmeisen am Brutgeschäft beteiligen; das sind unverpaarte überzählige Individuen, die sich als Helfer betätigen. Auch Jungvögel der ersten Brut betreuen oft Jungvögel aus nachfolgenden Bruten mit. Bartmeisen können dreimal hintereinander brüten. Schon im Alter von wenigen Wochen finden sich die Brutpaare, die offenbar ihr Leben lang zusammen bleiben.



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