Ringeltaube

Ringeltaube (Columba palumbus)

Familie: Tauben (Columbidae)
Ordnung:
Taubenvögel (Columbiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00111

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Ringeltauben gehören zu den meist gehassten und am wenigsten beliebten Vögeln unserer Fauna. Eine Menge Gründe gibt es dafür: So plündern Ringeltauben allzu gern die frischen Saaten in unseren Gärten und auf den Feldern, so laben sie sich im Frühjahr an den Knospen der Obstbäume und so fallen sie mit ungeheurer Dreistigkeit über unsere schönsten Kirschen her und sorgen darüber hinaus mit ihrer gesunden Verdauung noch dafür, dass wir uns über ihre unappetitlichen Hinterlassenschaften auf Terrassen und Wegen ärgern müssen.

Wirklich kein Wunder, dass sich nirgendwo Mitleid regt, wenn eifrig Jagd auf sie veranstaltet wird und ihre Schonzeit auf ein Minimum reduziert wird. Doch mag die Jagdstrecke auch noch so hoch sein, sämtliche Jäger werden es nicht schaffen, den Bestand der Ringeltauben zu regulieren oder gar zu gefährden. Das schaffen auch die natürlichen Feinde nicht. Die meisten Verluste entstehen durch Rabenvögel, die es vor allem auf die Eier der Taube abgesehen haben, die anderen Feinde wie Waldkauz, Habicht, Eichhörnchen, Mauswiesel, Hauskatze und Wanderratte erlangen selten eine größere Bedeutung.

Ringeltaube im Balzflug
Ringeltaube im Balzflug

Wie kaum eine andere Vogelart hat es die Ringeltaube verstanden, sich dem Lebensraum Stadt anzupassen. Sie wurde in den letzten Jahrzehnten zu einem extremen Kulturfolger. Wenige Reisigzweige reichen ihr, um ihr kunstloses Nest in einer Astgabel anzulegen, wenn sich bloß ein Baum findet. Findet sich kein Baum, so wird zur Not auch mal an Gebäuden gebrütet oder im Wein oder Efeu, der an den Wänden hochrankt.

Während Ringeltauben in unseren Wäldern und in der Parklandschaft in der Regel nur zweimal brüten, können sie in der Stadt und in unmittelbarer Nähe des Menschen weitaus häufiger brüten. Ihre Ansprüche an den Lebensraum sind ausgesprochen gering. Sie benötigen neben Flächen mit niedriger oder lückenhafter Vegetation für den Nahungserwerb vor allem größere Holzpflanzen als Nist- und Ruheplätze. Im Siedlungsbereich des Menschen finden sie das ganze Jahr hindurch genügend Nahrung und so sind Bruten schon im Februar und noch im November in unseren Städten und Dörfern keine Seltenheit mehr. Das Gelege besteht aus zwei Eiern, die Jungen schlüpfen nach 16-17 Tagen und bleiben gut vier Wochen im Nest. Mit 35 Tagen sind die Jungtauben voll flugfähig.

Ringeltaube Nest

Die Tauben sind fast reine Vegetarier, die neben Früchten und Samen, Keimpflanzen und grünen Blättern von z.B. Klee und Gemüsekohl, besonders gern Getreidekörner und Rapssamen zu sich nehmen. Im Unterschied zu den anderen Taubenarten gelangen Ringeltauben auch in Bäumen und Sträuchern zu ihrer Nahrung. So werden Eicheln, Bucheckern und sogar Kirschen unzerteilt geschluckt. Saisonal setzt sich die Nahrung unterschiedlich zusammen und kann zum Beispiel im Herbst aus 60% Eicheln bestehen. Der Nahrungsbedarf einer Ringeltaube liegt bei rund 50 Gramm am Tag.

Unsere einheimischen Ringeltauben erhalten im Winter noch Verstärkung von nordischen Ringeltauben, die bei uns die kalte Jahreszeit verbringen. Große Schwärme von mehreren hundert Exemplaren auf Feldern und Äckern sind dann nicht ungewöhnlich.

Unvoreingenommen betrachtet sind Ringeltauben eigentlich attraktive Vögel. Der ringelförmige weiße Halsfleck, nach dem die Taube benannt ist, ist von grün und purpurn schillernden Federn eingesäumt. Das Gefieder leuchtet blaugrau, beim geräuschvollen Auffliegen wird ein weißes Flügelband sichtbar. Schon durch die Größe von rund 40 cm unterscheiden sich Ringeltauben von den anderen heimischen kleineren Taubenarten.

Sehenswert ist der Balzflug dieser Taube mit der kurzen Aufstiegsphase, dem Flügelklatschen und der mit halbgeschlossenen Flügeln schräg hinabführenden Gleitstrecke. Das tiefe, etwas raue Gurren der Taube gehört zu den bekanntesten Lautäußerungen von Vögeln und trotz allen Ärgers mit dem Vogel wird darauf im Frühjahr wohl niemand ernsthaft verzichten mögen.



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