Silbermöwe

Silbermöwe (Larus argentatus)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Möwen (Laridae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00110

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Silbermöwen werden mit 54- 60 cm etwa bussardgroß und haben eine Flügelspannweite von 123 bis 148 cm.

Sie sind häufige Brutvögel in oft gewaltigen Kolonien an nord- und mitteleuropäischen Küsten. Im europäischen Brutgebiet gibt es zwei Unterarten. Die britische Silbermöwe (Unterart argenteus) brütet in West- und Nordwesteuropa und streift außerhalb der Brutzeit herum. Sie ist kleiner als die Skandinavische Silbermöwe (Unterart argentatus), die im nördlichen Fenno - Skandinavien und in Russland brütet und ein echter Zugvogel ist.

Silbermöwe im Flug

Lokal brüten Silbermöwen auch im Binnenland. In zunehmender Zahl tauchen sie in den letzten Jahren im Winter an Mülldeponien auf, die für sie ein ergiebiges Nahrungsgebiet darstellen. Silbermöwen sind im Brutkleid weiß mit einem zart blaugrauen Mantel. Die Altvögel ähneln Sturmmöwen, sie unterscheiden sich aber von ihnen durch ihre bedeutendere Größe, die langsameren Flügelschläge, die gelben Augen und den leuchtend gelben klobigen Schnabel mit dem roten Fleck.

Silbermöwe nah

Im Flug kann man Silbermöwen von alten Mantel- und Heringsmöwen von unten durch das fehlende graue Band am Hinterrand des Handflügels unterscheiden.

Die Silbermöwe hat blassrosa Beine, ihr Lidring ist gelb. Silbermöwen kreisen oft in lockeren Trupps in großer Höhe und ziehen auch in V- Formationen zu Nahrungs- und Schlafplätzen. Schiffen folgen Silbermöwen gerne und sie begleiten Fähren.

Silbermöwen haben eine vielseitige Stimme und mannigfaltige miauende, lachende und bellende Rufe. Der häufige Hauptruf erwachsener Vögel ist ein helles, gellendes „kiu“. Es ist ein Warn- und Alarmruf. Auch einen heulenden Schrei („hü-ä-ä-ä-ä oder „ija-a-a-a-) kann man häufig vernehmen, mit dem Silbermöwen auf Bodenfeinde losgehen.

Am liebsten brüten Silbermöwen in Dünen, auch auf Inselgrünland und auf grasbewachsenen Hängen sowie auf der Küste vorgelagerten Felsinseln und an Kiesstränden. Regelmäßig brüten sie in kleiner Zahl auch auf Salzwiesen und Spülflächen. In den Kolonien, in denen die Silbermöwen brüten, beträgt der Nestabstand mindestens 1, 85 m. Nur dort, wo die Vegetation Sichtbarrieren bildet, kann der Nestabstand noch geringer sein. Es sind Kolonien bekannt, in denen mehr als 30.000 Paare brüteten.

Silbermöwe Jungtier
junge Silbermöwe

Ab Mitte April beginnt die Eiablage, gewöhnlich erst aber ab Anfang Mai. Es findet nur eine Jahresbrut statt. Geht das Gelege verloren, werden bis zu zwei Nachgelege getätigt. Die Ablage des Nachgeleges beginnt 12- 17 Tage nach dem Verlust des Erstgeleges. Durchschnittlich werden drei Eier gelegt, für das Ablegen der Eier braucht die Silbermöwe rund 5 Tage. Nach 26 –32 Tagen schlüpfen die Jungen. Bruten mit nur einem Jungen werden durchschnittlich nach 45 Tagen flügge, solche mit mehreren Jungen meistens einige Tage später. Weitere vier Wochen halten sich die flügge gewordenen Jungen im Territorium der Eltern auf, betteln sehr intensiv und lassen sich füttern. Einzelne Altvögel füttern ihre Jungen sogar bis zu Beginn der nächsten Brutperiode. Durchschnittlich werden pro Paar in einer Möwenkolonie 0,6 –1,2 Junge flügge. Schlechterer Bruterfolg ist in der Regel auf ungünstigere Witterung (starker Regen, niedrige Temperaturen und stürmische Winde) zurückzuführen.


adulte Silbermöwe

Männliche Silbermöwen schreiten spät zur Brut, etwa zwei Drittel erst 5jährig. Die Geschlechtsreife bei Weibchen setzt möglicherweise etwas später ein als bei Männchen. Einmal erwachsen gewordene Silbermöwen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 14,9 Jahren. Aufgrund eines größer gewordenen Nahrungsangebotes ist die Wintersterblichkeit bei Silbermöwen in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Die meisten Todesursachen sind auf den Menschen zurückzuführen: Abschuss, Vergiftung, Verdrahtung der Landschaft und Verkehrsunfälle spielen die größte Rolle.

An Überwinterungsplätzen werden Silbermöwen häufig von Wanderfalken geschlagen, auch der Fuchs kann als Feind eine Rolle spielen. Von Zeit zu Zeit kommt es zu einem Massensterben, das auf Botulismus zurückzuführen ist.

Literatur:
Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1: Charadriiformes (3. Teil), Wiesbaden
Delin, Hakan und Svensson, Lars: Der Kosmos-Vogelatlas, Stuttgart



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