Schellente

Schellente (Bucephala clangula)

Familie: Enten (Anatidae)
Ordnung: Entenvögel (Anseriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00107

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Schellenten sind mittelgroße, rundlich gedrungene Tauchenten mit großem, dreieckig wirkendem Kopf und kurzem dicken Hals. Das Männchen ist mit 50 cm Länge deutlich größer als das Weibchen (etwa 42 cm) und wiegt mit rund 1000 Gramm auch etwa ein Drittel mehr als dieses. Im Prachtkleid ist das prächtige schwarzweiße Männchen nicht zu verwechseln. Zwischen Schnabel und Auge haben Schellenten-Erpel einen rundlichen weißen Fleck. Die Iris ist gelb. Aus der Nähe betrachtet erkennt man einen grünen oder je nach Lichteinfall auch stark purpurnen Glanz an Kopf und Hals.

Schellenten-Weibchen und Vögel im Schlichtkleid sind am dicken dunkelbraunen Kopf zu erkennen, das Weibchen hat einen weißen Halsring und ein insgesamt mehr graues Gefieder. Schellenten ähneln der größeren Spatelente, die in Nordamerika und auf Island brütet, haben einen aber insgesamt höheren weißen Anteil im Gefieder sowie einen rundlichen und nicht halbmondförmigen Fleck zwischen Auge und Schnabel. Bastarde zwischen schell- und Spatelenten wurden nur äußerst selten festgestellt, häufiger sind Mischbruten zwischen Zwergsägern und Schellenten.

Schellente Erpel
Schellenten-Erpel bei Gefiederpflege

Die Schellente ist in den nordischen Nadelwäldern ein häufiger Brutvogel und in der gesamten nördlichen Hemisphäre zu finden. Im Norden reicht ihr Brutgebiet bis an die Tundra und im Süden bis Mitteleuropa. Isolierte Brutvorkommen gibt es in Tschechien und südlich von Moskau. In Deutschland brüten Schellenten nur vereinzelt in Ostholstein, in Mecklenburg, Brandenburg und in der Oberlausitz. In Schottland brüten Schellenten seit Ende der 60er Jahre. In Nordamerika verläuft die Südgrenze ihres Brutgebietes von Washington bis zu den großen Seen.

Schellenten halten sich mit Vorliebe an Seen, Teichen und langsam fließenden Flüssen mit bewaldeten Ufern auf. Als Zugvogel verlassen sie ihre nordische Brutheimat im Herbst und überwintern in geschützten Meeresbuchten und auf klaren und tiefen Süßwasserseen. Ein großer Teil der europäischen Schellenten überwintern in der westlichen Ostsee, ein weiterer großer Teil bei den britischen Inseln und viele an der Westküste Europas. Auch auf den Seen im Alpenraum und am Mittelmeer überwintern Schellenten, die scheuer sind als die meisten anderen Tauchenten und auch länger unter Wasser bleiben.

Schellente Balz
Schellente,Balzpose des Erpels

Bei der Nahrungssuche tauchen Schellenten senkrecht bis in eine Tiefe von acht Metern und drehen am Grunde des Gewässers Steine um. Hauptsächlich ernähren sich Schellenten im Meer von Krebsen, Garnelen, Schnecken und Muscheln und im Süßwasser von Wasserinsekten wie Ruderwanzen, Libellenlarven und Schwimmkäfern sowie von Fröschchen, kleinen Fischchen und von Pflanzenteilen.

Besonders gern brüten Schellenten in den Höhlen von ufernahen Bäumen. Schwarzspechthöhlen nehmen sie beispielsweise gern in Beschlag. Wenn die Jungen geschlüpft sind, springen sie einfach von oben aus dem Baum herunter, ohne dass ihnen etwas passiert. Die Weibchen führen ihre Jungen anschließend zum Wasser. In manchen Gegenden bringt man Nistkästen an und fördert dadurch die Ausbreitung dieser Ente. Dort wo durch Rodung des Waldes ihr Lebensraum verändert wird, geht ihr Bestand aber auch zurück. Insgesamt schätzt man die Population der Schellente in Nordamerika auf etwa eine Millionen Vögel. Bei Winterzählungen in Europa stellte man etwa 200.000 Vögel fest.

Schellente Paar
Schellenten-Pärchen

Wenn man einen fliegenden Schellenten-Erpel beobachtet hat, weiß man woher der Name „Schell“-Ente kommt. Die Männchen fliegen nämlich mit einem klingelndem Flügelgeräusch.

Insgesamt sind Schellenten stille, wenig ruffreudige Vögel. Beim Balzen lassen sie ein ziemlich hohes „knirr“ oder „qui-rrik“ hören.

Literatur:
Bauer und Glutz: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 2, Wiesbaden.
Madge, Steve und Burn, Hilary: Wassergeflügel, Parey-Hamburg.
Grzimeks Tierleben, Band 7, Vögel 1, DTV- München.



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