Lachmöwe

Lachmöwe (Larus ridibundus)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Familie:
Möwen (Laridae)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00102

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Möwen bewohnen vor allem Küsten- und Binnengewässer und sind Suchjäger bzw. Abfallfresser. Weltweit gibt es 6 Gattungen mit zusammen 48 Arten. Zur Gattung Larus, zu der die Lachmöwe gehört, zählen kleine bis sehr große Möwen mit mittellangem Lauf, gut entwickelter Hinterzehe und vollständigen Schwimmhäuten. Der Schwanz ist kurz, leicht gerundet oder gerade abgeschnitten. Mit 38 Arten ist diese Gattung weltweit verbreitet und fehlt nur in der Antarktis.

Lachmöwe auf Pfahl

Von unseren häufigen Möwen ist die Lachmöwe mit einer Länge von 38 cm und einer Flügelspannweite von 91 cm die kleinste. Sie hat lange, schlanke, spitze Flügel mit einem auffälligem zur Flügelspitze hin verbreitertem weißen Keil am Vorderrand des Handflügels. Ihre artkennzeichnende schokoladenbraune Gesichtsmaske trägt die Lachmöwe nur zur Brutzeit. Im Winter haben Lachmöwen einen weißen Kopf mit einigen graubraunen Flecken. Jungvögel bekommen diese Gesichtsmaske erst im dritten Jahr. Sie ist zugleich Ausweis für den Zugang zu den Brutkolonien. Nur Lachmöwen mit Gesichtsmasken werden dort geduldet.

Lachmöwe sucht

Die Kolonien bestehen oft aus vielen Tausend Paaren. Waren die großen Kolonien früher vor allem an der Küste zu finden, hat sich dies im Laufe der letzten hundert Jahre geändert. Als z.B. im Jahre 1934 die ersten Lachmöwen in Westfalen auftauchten und im Zwillbrocker Venn bei Vreden brüteten, waren die Ornithologen begeistert.

Bis dahin hatte man die Lachmöwen für reine Küstenvögel gehalten. Im Zwillbrocker Venn lebten 1939 hundert Brutpaare, 1954 waren es bereits 2000 Paare und 1972 hatten sich die Lachmöwen auf etwa 12000 Brutpaare vermehrt. Mit rund 15.000 Brutpaaren ist diese Kolonie heute eine der größten Binnenlandkolonien.

Lachmöwe balzend
Lachmöwen balzend

Doch nicht nur in Naturschutzgebieten wie dem Zwillbrocker Venn entdeckt man heute Lachmöwen. Mittlerweile sind Lachmöwen fast überall ein alltäglicher Anblick geworden. Man kann die Vögel vor allem im Winter auf Müllkippen bei der Nahrungssuche beobachten und auch auf Feldern sind sie ständig zu finden. Wie Krähen folgen sie dem Pflug auf der Suche nach Würmern, Mäusen und Insekten. Möwen sind keineswegs Feinschmecker. Sie halten sich stattdessen immer an die Nahrung, die am besten verfügbar ist. Müllkippen üben deshalb eine große Anziehungskraft aus. Hier finden sie genügend Abfälle, die sie satt machen.

Lachmöwe mit Jungtieren
Altvogel mit 2 halbflüggen Jungen

Auch an unseren Seen und Teichen kann man zuschauen, wie Lachmöwen sich zwischen die Schwäne und Enten mischen und ihnen das zugeworfene Brot abjagen oder wie sie kleine Fischchen mit kurzem Stoßtauchen erbeuten. Auch tote Tier verschmähen sie nicht. Bei Massenauftreten des Eichenwicklers fressen Lachmöwen die Raupen und man hat Speiballen der Lachmöwen gefunden, die aus Kartoffelkäferresten bestanden.

Lachmöwen im Winterkleid; Schwäne im Vordergrund

Die Fähigkeit, vorhandene Nahrungsquellen für sich zu erschließen, hat es der Lachmöwe erst möglich gemacht, ihr Verbreitungsgebiet zu erweitern und immer mehr ins Binnenland einzudringen. So wuchs z.B. der Bestand in der Schweiz von 700 Brutpaaren (1948) auf etwa 3800 Brutpaare im Jahre 1980 an. Rund 30 % des mitteleuropäischen Bestandes, der auf gut 800.000 Brutpaare geschätzt wird, brütet in Tschechien und in der Slowakei und ähnlich viele Lachmöwen (rund 200.000 Paare) brüten in den Niederlanden. Der Bestand Deutschlands wird auf 150.000 Brutpaare geschätzt.

Brüten können Lachmöwen aber längst nicht überall. Sie benötigen nämlich flache, von zahlreichen Binsenbulten durchsetzte Gewässer, die möglichst von weiten Wiesenlandschaften als geeignetem Nahrungsraum umgeben sind. Die mittlere Nachwuchsrate variiert von Kolonie zu Kolonie stark. Meistens liegt die Zahl flügger Jungen unter durchschnittlich 1,6 je Paar. Viele Eier und Jungvögel gehen im Frühjahrshochwasser verloren. Die Sterblichkeit der Jungen ist direkt nach dem Ausfliegen am größten. Flügge Jungvögel haben eine mittlere Lebenserwartung von rund vier Jahren, allerdings sind 50 % im Alter von 2,5 Jahren tot. Der Altersrekord einer niederländischen Lachmöwe betrug 30 Jahre.

Ende Juli haben Möwen ihr Brutgeschäft abgeschlossen und tauchen dann im Binnenland dauerhaft an Mülldeponien oder an Kläranlagen auf.

Literatur: Glutz und Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/1: Charadriiformes (3. Teil), Wiesbaden.



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