Steinkauz

Steinkauz (Athene noctua)

Familie: Eulen i.e.S. (Strigidae)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00100

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Mit etwa 22 cm Größe ist der Steinkauz nicht einmal ganz amselgroß. Er wiegt um die 200 Gramm und hat eine Flügelspannweite von 55- 60 cm. Diese kleine Eule lässt sich auch tagsüber beobachten, wenn sie in der Sonne sitzt und sich wärmt oder am späten Nachmittag jagt. Allerdings liegt auch die Hauptaktivität des Steinkauzes in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht.

Steinkäuze sind kurzschwänzig. Ihre Oberseite ist dunkelbraun und mit dichten weißen Flecken und Bänderungen versehen. Die Unterseite ist weißlich und breit dunkelbraun gestreift. Über den Augen hat der Steinkauz einen weißen Streifen, Federohren fehlen ihm. Die großen gelben Augen sind auffällig und geben ihm einen lebhaften, koboldartigen Ausdruck, die Stirn ist niedrig und flach.

Steinkauz in Bruthöhle

Steinkäuze sind lebhafte, recht ruffreudige Vögel, die über ein breites Rufrepertoire verfügen. Erregungs- und Warnruf ist ein lautes „kwiiju“, der Balzruf des Männchens ein langgezogenes „guhk“. Diesen Ruf hört man hauptsächlich im März und April, manchmal aber auch schon im Winter. Bei Erregung knicksen die Käuzchen auf und ab und schlagen seitlich mit dem Schwanz.

Steinkauz

Steinkäuze lieben offene und ebene Landschaften. Kulturlandschaften besiedeln sie vor allem, wenn Dauergrünland mit Baumreihen oder Baumgruppen vorhanden ist. Besonders hohle Kopfweiden, wie sie am Niederrhein zu finden sind und alte Obstbäume bieten dem Steinkauz gute Bedingungen zur Ansiedlung. Auch bei einzeln liegenden Bauernhöfen und am Dorfrand kommt er vor, wenn alte Gebäude wie Scheunen und Tennen mit ungestörten Schlupfwinkeln zur Verfügung stehen. Waldgebiete meidet der Steinkauz völlig und in Höhen über 600 m findet man ihn auch nicht. Die Siedlungsdichte des Steinkauzes hängt vom Vorhandensein geeigneter Höhlen ab, die er sowohl als Brutplatz als auch als Tagesverstecke braucht. Daneben muss natürlich genügend Nahrung vorhanden sein.

Neben Feldmäusen, anderen kleinen Säugern und Vögeln erbeuten Steinkäuze vor allem Käfer, Regenwürmer und größere Insekten. Strenge Winter machen dieser kleinen Eulenart sehr zu schaffen, ein Grund dafür, dass Steinkäuze vor allem in wintermilden Gegenden zu finden sind. Durch Anbringen künstlicher Nisthilfen bei Mangel an geeigneten Nisthöhlen und alten Gebäuden kann man den Steinkauzbestand gut stützen. Dafür wurden Brutröhren entwickelt von etwa 1 m Länge und 18 cm Durchmesser mit einem Einflugloch von 6,5 cm Durchmesser. In manchen Gebieten (wie z.B. im Kreis Coesfeld ) ist dadurch nicht nur der Bestandsrückgang gestoppt worden, sondern es wurden sogar Bestandszunahmen konstatiert.

Kopfbäume müssen von Zeit zu Zeit beschnitten werden, damit die nicht auseinanderbrechen und dem Steinkauz als Brutbaum erhalten bleiben.

Steinkäuze sind von Westeuropa und den Ländern um das Mittelmeer- einschließlich Nordafrika- quer durch Eurasien bis nach China verbreitet. In Mitteleuropa ist sein Brutvorkommen ziemlich lückenhaft und in den meisten Gebieten ist der Steinkauz recht selten geworden. In Deutschland ist er vor allem in Nordrhein-Westfalen im Bereich des Niederrheins und im Münsterland verbreitet.

Die Balzzeit des kleinen Kauzes beginnt etwa Ende Februar und dauert bis Mitte April. Die Eier werden von Mitte April bis Mitte Mai gelegt. Jährlich findet nur eine Brut statt; bei Gelegeverlust können die Weibchen noch bis Mitte Juni Eier nachlegen. Das Gelege besteht aus meistens 3-5 Eiern, seltener aus 6-7 Eiern, die im Abstand von zwei Tagen gelegt werden. Das Weibchen brütet alleine und wird vom Männchen mit Nahrung versorgt. Nach 24- 28 Tagen schlüpfen die Jungen, die im Alter von 30-35 Tagen die Brutröhre oder Bruthöhle verlassen, ohne flugfähig zu sein. Eine Woche später fliegen sie aber bereits gut. Weitere fünf Wochen werden die Jungkäuze von den Eltern mit Nahrung versorgt. Dann sind sie selbstständig und wandern aus dem elterlichen Revier ab. Die Sterblichkeit der Jungen ist wie bei allen Vögeln im ersten Lebensjahr besonders hoch und beträgt 70 %. Danach reduziert sie sich auf 35 %. Steinkäuze können etwa 15 Jahre alt werden. Die Altvögel leben gewöhnlich in Dauerehe und halten am einmal gewählten Brutplatz gern fest.

Steinkauz

Literatur:
Glutz & Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 9, Aula-Verlag, Wiesbaden.
Metz, Theodor, Eulen und Käuze, Kosmos-Verlag, Stuttgart.
Naturschutzbund Deutschland, Kreisverband Coesfeld: Kiebitz, Heft 1/2003 u.a.



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