Uhu

Uhu (Bubo bubo)

Familie: Eulen i.e.S. (Strigidae)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00089

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Der Uhu ist die größte einheimische Eulenart und etwa doppelt so groß wie die häufige Waldohreule. Männchen werden 63-68 cm groß, Weibchen gar 67–73 cm. Mit einer Spannweite von 160 cm (Männchen) und 170 cm (Weibchen) sind die Vögel recht imponierend. Weibchen werden bis zu 3 kg schwer und sind deutlich schwerer als Männchen. Das Gefieder des Uhus ist oberseits rostbraun mit dunkler Fleckung und Bänderung, unterseits heller rostfarben mit dunkelbraunen Längsflecken und feiner dunkler Querzeichnung. Die etwa 8 cm langen Federohren werden bei Erregung nach einer Störung steil aufgerichtet, stehen aber normalerweise schräg nach der Seite und nach hinten ab. Im Flug sind der dicke Kopf und die langen breiten Flügel kennzeichnend.

Lange Zeit war es in Mitteleuropa schlecht um diese große Eule bestellt. In vielen Gebieten war sie bereits ausgestorben. Doch in den letzten Jahrzehnten brachten Wiedereinbürgerungsmaßnahmen Erfolge, so dass Uhus heute in vielen deutschen Bundesländern wieder vorkommen, in denen sie zuvor ausgestorben waren. Auf weitere Wiedereinbürgerungsversuche kann derzeit verzichtet werden, da die Population in der Lage sein sollte, sich aus eigener Kraft zu halten.

Uhu nah

Uhus sind in mehreren Rassen über fast ganz Eurasien und Nordafrika verbreitet. Recht viele Uhus gibt es noch in den skandinavischen Ländern und in Tschechien, in Mitteleuropa beschränken sich größere Uhuvorkommen im Wesentlichen auf die Mittelgebirge und die Alpen. In Österreich leben ca. 200 Brutpaare, in der Schweiz etwa 100.

Uhus benötigen zur Jagd und zum Brüten reich gegliederte Landschaften mit offenen und bewaldeten Flächen, die auch im Winter genug Nahrung bieten. Gern leben die Großvögel in der Nähe von Flüssen und Seen. Am liebsten brüten Uhus in Steinbrüchen und im felsigen Gelände, doch können Bruten auch an anderen ungestörten Plätzen stattfinden. Die Jagd findet meistens über offenen oder nur locker bewaldeten Flächen statt.

Mindestens 500 bis maximal 3000 ha beträgt der Lebensraum eines Uhupaares, etwa 150 ha um den Brutplatz herum sind als Revier des Vogels anzusehen. Dieses Revier wird gegen Artgenossen verteidigt. Jagdreviere können sich mit denen benachbarter Paare überschneiden. In Optimalbiotopen der Schweizer Alpen liegen die Brutplätze der Uhus etwa 6-7 km voneinander entfernt.

Uhu am Boden

Uhus jagen vom Ansitz aus und im lautlosen Pirschflug. Die Beutetiere werden vorwiegend akustisch lokalisiert. Die Ernährung des Uhus ist sehr vielseitig wie Gewölle- und Beuteanalysen zeigen. Hohen Anteil an der Nahrung haben immer die im jeweiligen Untersuchungsgebiet häufig vorkommenden Beutetierarten, das sind Igel in Thüringen, Schermäuse in Südschweden, Wildkaninchen in der Provence, Feldhasen, Hamster und Rebhühner in Niederösterreich und Meeresvögel an der Küste Norwegens. Fast überall kann man darüber hinaus feststellen, dass Uhus sich zu einem wesentlichen Anteil von Mäusen und Ratten ernähren (etwa 24-43%). Auch Krähen, Tauben, Greifvögel und Eulen werden erbeutet.

Uhus werden im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif und führen eine monogame Dauerehe. Im Oktober werden die Reviere abgegrenzt, Die eigentliche Balz findet im Februar/ März statt. Die ersten Eier werden meistens im März gelegt; das Gelege besteht aus zwei bis drei Eiern, selten aus vier und ausnahmsweise aus fünf Eiern. Die Eier werden im Abstand von 3-4 Tagen gelegt; Brutbeginn ist mit dem ersten Ei. Die Brutdauer beträgt 34 Tage. Die frischgeschlüpften Jungen wiegen etwa 60 Gramm, wenn sie vier bis fünf Wochen alt sind, verlassen sie nach Möglichkeit den Brutplatz und halten sich in der Umgebung versteckt auf. Nur in Felsnischen bleiben sie bis zur Flugfähigkeit im Nest, das ist nach 9 Wochen der Fall. Die flugfähigen Jungen werden noch weitere drei Monaten von den Altvögeln betreut, bevor sie im September/Oktober selbstständig werden und das elterliche Revier verlassen. Sie streifen nun herum, wandern aber nur durchschnittlich 40 km vom Geburtsort entfernt ab. Die Altvögel bleiben meistens lebenslang in ihren Revieren. Die Sterblichkeit in den ersten Lebensjahren ist wie bei allen Vögeln recht hoch, etwa 46 % der Uhus sterben im ersten Lebensjahr. Fast doppelt so hoch ist die Sterblichkeit der ausgesetzten Uhus. In Gefangenschaft erreichten Uhus schon ein Alter von 28 und 34 Jahren, einmal sind 53 und einmal 68 Jahre verbürgt, in freier Natur sind mindestens 19 Jahre belegt.

Seinen deutschen und seinen wissenschaftlichen Namen hat der Uhu nach seinen Ruf erhalten, einem tiefen, nicht besonders lauten, aber doch weit hörbaren „buho“. Der „uhu“ Ruf des Weibchen ist höher als der Ruf des Männchens, wodurch man die abwechselnd rufenden Partner eines Brutpaares unterscheiden kann.

Literatur:
Glutz & Bauer, Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 9, Aula-Verlag, Wiesbaden 1980.
Metz, Theodor, Eulen und Käuze, Kosmos-Verlag, Stuttgart 6/1987.



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