Mispel

Mispel (Mespilus germanica)

Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Ordnung : Rosenartige (Rosales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00088

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Die Mispel ist ein Großstrauch, der im Mittelalter von ziemlicher Bedeutung war, heute jedoch in Vergessenheit geraten ist. Im freien Wuchs wird die Mispel bis zu 8 m hoch und kann baumartig werden. Beschattete Exemplare wachsen eher in die Breite, sind manchmal mehrstämmig und werden nur bis 3 m hoch. Wildwachsende Mispeln haben normalerweise Dörner, in Kultur gezogene Mispeln sind dagegen dornlos. Mispeläste und -stämme neigen zu krummen Wuchs. Die Rinde ist braunrot und löst sich am alten Holz schuppig ab. Zweige und Knospen sind ebenfalls braunrot gefärbt, allerdings filzig behaart.

Mispeln tragen auffallend große Blätter, die bis zu 15 cm lang und bis zu 3 cm breit werden. Sie sind nur sehr kurz gestielt, ungeteilt, schmal elliptisch geformt und wechselständig angeordnet. Die Blätter sind auf der unteren Seite leicht behaart und heller gefärbt als auf der Oberseite, die stumpf dunkelgrün ist.

Mispel Obst

Im Mai/Juni ist der ganze Strauch über und über mit leuchtend weißen Blüten geschmückt. 3-5 cm werden sie breit und sitzen einzeln (manchmal auch zu zweit) an der Spitze der Kurztriebe und sind dadurch allein schon leicht von anderen Arten zu unterscheiden. Die fünf Blütenblätter werden von den meist fünf blassgrünen schmalen Kelchblättern noch überragt. Die zahlreichen Staubbeutel leuchten rot.

Die Früchte der Mispel wachsen im Sommer zu zwei bis drei cm langen Gebilden heran. Sie haben 2-5 Steinkerne und fallen allein schon durch ihre Einzelstellung an der Spitze der Kurztriebe auf. Im Laufe des Wachsens wechselt die Mispelfrucht ihre Farbe von grün bis bräunlich. Im September ist sie ausgereift, sie ist dann aber steinhart und ungenießbar. Nach den ersten Frösten wird die Frucht teigig. Sie schmeckt dann angenehm säuerlich. Früher waren die Früchte sehr begehrt, wurden roh gegessen, zu Marmeladen verarbeitet und auch zur Verbesserung der Haltbarkeit dem Wein oder Most beigefügt, denn die Früchte haben einen hohen Gerbsäureanteil. Auch für verschiedene medizinische Zwecke nutzte man die Frucht.

Mispel Blüte

Mit etwa 30-50 jahren haben Mispelsträucher eine relativ kurze Lebenserwartung, sie schlagen vom Stock aus aber leicht aus und bilden Wurzelschösslinge.

Verbreitung und Biotopansprüche: Die Mispel stammt aus Vorderasien, Süd- und Südosteuropa. Schon sehr früh wurde sie von Griechen und Römern kultiviert und verbreitet. Man nimmt an, dass die Römer die Mispel mit nach Deutschland gebracht haben. Im Mittelalter waren Mispeln wichtige Obstbäume und selbstverständlicher Bestandteil jedes Klostergartens, wie man aus deren Pflanzenlisten weiß. Schon früh verwilderten Mispeln aus der Kultur und heutige Mispelvorkommen müssen als Kulturrelikte gelten. Sehr selten findet man in warmen Lagen West-, Mittel- und Süddeutschlands noch Mispeln, häufig in der Nähe von Klöstern und dort, wo Römer gesiedelt haben.

Als südeuropäische Art hat die Mispel hohe Wärmeansprüche und kommt deshalb vor allem auf sonnigen Hängen am Waldrand, in Gebüschen und in lichten Laubwäldern vor. Mispeln lieben gut durchlüftete, eher steinreiche Böden. Sie kommen am häufigsten auf Kalkstandorten vor, sind aber nicht darauf angewiesen. Zum kräftigen Wachstum brauchen Mispeln viel Licht, im Wald und im Schatten bleiben Mispeln klein.

Heute gelten Mispeln als stark gefährdet und die Reliktvorkommen müssen besonders geschützt werden. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Mispel in unseren Breiten wesentlich häufiger als heute. Seitdem wurden viele potentielle Standorte der Mispel zur landwirtschaftlichen Nutzung gerodet oder gingen durch Aufforstung mit zu stark schattenden Bäumen verloren. Auch erkannte und erkennt man den „nutzlosen“ Strauch nicht und beseitigt ihn aus Unkenntnis.

Literatur:
LÖLF (Hrsg.): Naturschutz praktisch, Merkblätter zum Biotop- und Artenschutz, Nr. 46 – Artenhilfsprogramm, Münster.



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