Ringelgans

Ringelgans (Branta bernicla)

Gattung: Meergänse (Branta)
Familie: Enten (Anatidae)
Ordnung: Entenvögel (Anseriformes)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00087

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Zu den Meergänsen wird die recht kleine und dunkle Ringelgans gerechnet. Von der Ringelgans gibt es verschiedene Unterarten, u.a. auch eine hellbauchige hochnordische Form.

Mit etwa 60 cm Körpergröße sind Ringelgänse kaum größer als unsere bekannten Stockenten. Vom Schnabel bis zur Brust sind Ringelgänse mattschwarz gefärbt. Der schmale weiße Halsring, der den jungen Ringelgänsen noch fehlt, gab den Gänsen ihren Namen. Von allen Gänsen, die im Winter nach Mitteleuropa kommen, liegt die Heimat der Ringelgans am nördlichsten. Ringelgänse brüten zwischen Schnee- und Eisresten in der Tundra am Nordrand Eurasiens. Im Herbst ziehen dann die aus Westsibirien stammenden Gänse über die Ostsee bis zur Nordsee, wo sie im Wattenmeer überwintern. Ungefähr 3600 km Flugstrecke haben sie dann hinter sich gebracht. Früher überwinterten Ringelgänse in solch großen Zahlen im Wattengebiet, dass ihre Scharen die Luft verfinsterten.

Ringelgans Gruppe Flug

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ernährten sich diese Ringelgänse hauptsächlich von einer bestimmten Seegras-Art. Durch eine plötzlich aufgetretene Pilzerkrankung verschwand dieses Seegras um 1930 ganz aus dem Niederländischen Teil des Wattenmeeres. Tausende von Ringelgänsen blieben verhungert auf der Strecke. Beinahe wurde das der gesamten Art zum Verhängnis. Im Jahre 1953 überwinterten gerade mal noch 1000 Ringelgänse bei einem geschätzten Gesamtbestand von 10.000 bis 15.000 Vögeln im niederländischen Wattengebiet. Doch dann begannen sich die Gänse in ihrer Ernährung umzustellen und ihr Bestand erholte sich zusehends.

Ringelgans Ameland

Anfang der 70er-Jahre gab es wieder ungefähr 40.000 Individuen. Zu dieser Zeit wurde die Jagd auf Ringelgänse in ganz Europa verboten und nun konnten sich die Vögel schneller in ihrem Bestand erholen. In den 80er-Jahren waren es schon wieder 200.000 Ringelgänse und bei rund 250.000 Exemplaren war die rasche Zunahme der Art beendet. Heute hat sich die Population auf diesem Niveau gefestigt und das laute Rufen der Ringelgänse übertönt wieder die Brandung. Die Stimme der Ringelgans klingt „honk“ oder „rott-r-rott“.

Ringelgans Strand

Im Mitteleuropa brüten Ringelgänse überhaupt nicht, die wenigen Vögel, die nicht in ihr Brutgebiet zurückfliegen, überleben meistens nicht. Ende September kehren Ringelgänse schon wieder aus ihrem nordischen Brutgebiet in ihr Winterquartier zurück und verbleiben dort bis in den Mai hinein. Allein mehr als 20.000 Vögel überwintern auf der niederländischen Insel Ameland, wo sie sich vom Queller und vom Weidegras ernähren.

Das Weidegras wächst fast den ganzen Winter hindurch, da es von den Schafen kurz gehalten wird und gleichzeitig das ganze Jahr hindurch mit Gänse- und Schafskot gedüngt wird. Mit ihrem Brutgeschäft müssen sich die Gänse nach ihrem Abflug aus dem Wattenmeer sehr beeilen, denn im kurzen Polarsommer verbleiben ihnen nur etwa 110 Tage.

Ringelgans im Flug

Ihre Nester legen die Ringelgänse einzeln oder kolonieweise, gewöhnlich leicht erhöht in der Tundra-Vegetation zwischen Steinen an. Meistens befinden sich die Nester nahe an einem Süßgewässer. Das Nest wird aus Moor, Gräsern und Flechten gebaut und mit Dunen ausgelegt. Manchmal ist es auch eine bloße Vertiefung im Boden. Das Gelege besteht aus 3-5 Eiern; schon eine Woche nach Ankunft aus dem Winterquartier beginnen die Vögel mit der Eiablage. Die Brutdauer beträgt 24-26Tage. Die frischgeschlüpften Jungen werden zunächst zum nächsten Gewässer geführt, wo sie sich bis zur Mauser aufhalten.



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