Stechapfel

Stechapfel (Datura stramonium)

Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00084

siehe auch: Giftpflanzen Arzneipflanzen

► mehr Pflanzen


Der Stechapfel ist eine einjährige kräftige Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse von 30 cm bis zu 120 cm Höhe. Er blüht von Juni bis Oktober. Seine dekorativen weißen Blüten können über 5 cm lang werden. Sie sitzen einzeln und aufrecht in den Blattachseln des Krautes und öffnen sich erst abends, wenn die Nachtfalter zu fliegen beginnen. Langrüsslige Arten wie Schwärmer sind nämlich die Bestäuber dieser typischen Nachtfalterblume. Genauso dekorativ wie die Blüten sind die Samenstände des Stechapfels, die bisweilen in Trockensträußen Verwendung finden. Sie erinnern an die Fruchtkapseln der Rosskastanie und enthalten Hunderte von schwarzen Samen. Bis zu 20.000 Samen kann eine einzige Pflanze hervorbringen.

Früher hielt man sich den Stechapfel nicht zur Zierde. Vielmehr interessierte man sich für seine hochgiftigen Inhaltsstoffe, die Alkaloide. Schon früh begann man diese zu nutzen. So wurden Pferde mit Stechapfel eingerieben, damit sie von Bremsen verschont blieben. Todkranke Menschen beräucherte man mit ihm, wenn diese lange nicht sterben konnten. Daneben benutzte man den Stechapfel als halluzinogene Droge. Man verbrannte Stechapfelsamen auf glühender Kohle und atmete den Rauch ein. Dadurch gerieten die Anwesenden in einen zauberartigen Rauschzustand. In Arabien wurde der Stechapfel auch Getränken und Tabak beigemischt, um solche euphorischen Zustände herbeizuführen. Selbst in die Bordelle hielt der Stechapfel Einzug: Die Mädchen sollten durch seine besondere erotische Wirkung arbeitsfreudiger gemacht werden.

Heute ist der Ruhm des Stechapfels verblasst, obgleich er in der Pharmazie noch immer verwendet wird. Seine Wirkstoffe helfen Asthmatikern.

Der ursprünglich im subtropischen Amerika beheimatete Stechapfel gelangte erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts nach Innsbruck und Wien, von wo aus er rasch verwilderte. Heute findet man ihn nur noch recht selten. Er teilt damit das Schicksal vieler Ruderalpflanzen, die auf Schutt, an Wegrändern, an Kompostlagerstätten und in Gärten an gut mit Nährstoffen versorgten Plätzen vorkommen, heute aber immer mehr unserer Ordnungsliebe zum Opfer fallen.


Foto:Matthias Zimmermann



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Stechapfel

Natur-Lexikon.com