Igel

Westeuropäischer Igel (Erinaceus europaeus europaeus)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung:
Insektenfresser (Insectivora)
Familie: Igel (Erinaceidae)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00081

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Vom Igel werden in Europa und Vorderasien zwei Arten mit insgesamt acht Unterarten unterschieden: Der Braunbrust- oder Westigel und der Weißbrust- oder Ostigel. Während unser Westigel eine braune oder graue Unterseite und fast immer einen dunkleren Brustfleck hat, hat der Ostigel einen leuchtend weißen Fleck zumindestens auf der Brustmitte.

Wahrscheinlich haben sich die Igel in der Eiszeit in zwei getrennten Rückzugsgebieten, im Südwesten und Südosten, zu verschiedenen Arten entwickelt. Nach der Eiszeit haben die Braunbrustigel dann von Südwesten aus West- und Nordeuropa besiedelt, während die Weißbrustigel aus dem Südosten bis ins östliche Mitteleuropa vorgedrungen sind.

Rund 16.000 Stacheln hat ein Igel. Diese Stacheln stecken mit kleinen Verdickungen, den Stachelkolben, beweglich in der derben Rückenhaut. Beim Straffen der Haut stellen sie sich senkrecht auf. Unter der Rückenhaut liegt ein dicker Muskelring, der den Schwanz-Rückenmuskel umfasst. Beide zusammen bilden eine gewölbte Kappe. Diese Kappe ist mit der stachelbesetzten Rückenhaut verbunden und von den darunter liegenden Muskeln durch Fett getrennt. Zieht sich diese Muskelkappe zusammen, so stülpt sie sich wie ein Sack über den ganzen Körper und den Kopf des Igels. Auch die Beine und Füße werden mit hineingezogen. Dabei spannt sich die Rückenhaut und die Stacheln richten sich auf. So wird der Igel zu einer stachelbesetzten Kugel.

Igel im Gras

Der Stachelpanzer ist ein guter Schutzmantel und so haben Igel auch nur wenige natürliche Feinde. Vor allem große Eulen und einige Greifvögel, die gepanzerte Füße haben, können Igeln gefährlich werden und ihre spitzen Krallen in den Körper des Igels schlagen. Mit seinem starken Schnabel reißt dann der Uhu z.B. die Stachelhaut in Streifen ab. Unter Uhu-Horsten kann man oft die Überreste von Dutzenden von Igeln finden. Gegen fleischessende Säugetiere sind Igel dagegen weitestgehend geschützt. Kein Wunder also, wenn Igel weniger scheu sind als andere Säugetiere. Keinen Schutz bietet der Stachelpanzer gegen den Straßenverkehr und so findet man an fast jeder Straße überfahrene Igel.

Igel werden etwa 24 bis 28 cm lang und wiegen je nach Jahreszeit zwischen 500 und 1500 Gramm. Meistens sind die Männchen schwerer als die Weibchen. Gehör und Geruchssinn sind beim Igel besonders gut ausgeprägt. Wenn man mit dem Finger schnippst, erschrecken Igel und zucken zusammen. Mit ihrem hervorragenden Geruchssinn finden Igel ihre Nahrung und Partner. Sehen können Igel dagegen nur mäßig.

Vor allem fressen Igel, die zu den Insektenfressern gezählt werden, neben Insekten und deren Larven Regenwürmer, Schnecken, junge Mäuse, Eier und Jungvögel. Auch tote Tiere fressen sie und selbst Hühnerküken bis zum Alter von acht Tagen sind vor ihnen nicht sicher.

Ungefähr sieben Jahre alt können Igel in der Natur werden, die durchschnittliche Lebenserwartung ist aber viel kürzer, etwa zwei bis vier Jahre. Die Jungensterblichkeit ist sehr hoch und durch den Straßenverkehr sterben noch einmal geschätzte 500.000 Igel allein in Deutschland. Trotzdem hält sich der Bestand bei uns noch einigermaßen und noch ist der Igel kein Fall für die Rote Liste, denn immerhin durchschnittlich sieben Junge bringt die Igelin zur Welt. Junge Igel werden vom Juli bis Ende September geboren. Bei der Geburt wiegen sie um die zwanzig Gramm. Ihre Augen und Ohren sind noch geschlossen, aber sie haben schon etwa hundert weiße, in der Rückenhaut eingebettete Stacheln. Nach vierzehn Tagen öffnen sich Augen und Ohren, nach drei Wochen stoßen die Zähnchen durch. Bald darauf verlassen die Jungen ihr Versteck und beginnen damit, selbstständig Nahrung zu suchen, sie werden aber noch ungefähr drei Wochen von der Mutter gesäugt. Man kann also noch bis weit in den November hinein winzige Igelchen entdecken. Nur bei extremen Kälteeinbrüchen kann es Sinn machen, diesen leichtgewichtigen Tieren ein Winterquartier in einer Scheune oder einem Stall einzurichten, doch frage man besser immer einen Tierarzt oder einen anderen Fachmann. In keinem Fall sollte man Jungigel ins Haus holen und dort überwintern.

Igel am Boden

Die beste Hilfe für Igel ist die Anlage eines naturnahen Gartens mit Versteckmöglichkeiten und guten Nahrungsquellen. Reisig- und Komposthaufen, Holzstöße, Hecken, Gebüsche und einheimische Wildpflanzen und Sträucher kommen Igeln sehr entgegen. Eine große Hilfe für den Igel ist es auch, wenn man im Herbst das Laub als Haufen zusammenträgt oder unter Hecken recht. Die Laubhaufen sind gute Tagesverstecke und eine nie versiegende Nahrungsquelle, denn sie ziehen auch Asseln, Regenwürmer, Schnecken oder Käfer an. Zudem werden die Winterschlafplätze und Kinderstuben mit Laub ausgepolstert.

Gärten sind nämlich die bevorzugten Lebensräume des Igels, der aber auch in Feldgehölzen und selbst in geschlossenen Wäldern vorkommt.

Wenn die nahrungsarmen Wintermonate bevorstehen, sucht der Igel ein Winterquartier aus. Es muss vor Frost und Nässe geschützt sein. Hier schläft der Igel tagsüber schon. Wenn es dann merklich kälter wird und die Nahrung knapp ist, zieht der Igel sich in sein Quartier zurück und polstert es mit trockenem Laub aus. Er rollt sich zu einer festen Kugel zusammen, die Körpertemperatur sinkt auf 5 Grad ab, das Herz schlägt nicht mehr 300-mal, sondern nur noch zwischen 20- und 60-mal und er atmet zeitweilig nur noch einmal in der Minute. So verbraucht der schlafende Igel nur noch wenig Energie und kann monatelang von seinem im Herbst angefressenem Körperfett zehren.

Literatur:
Grzimek, Bernhard (Hrsg.): Grzimeks Tierleben, Band 10, Säugetiere, München 1979.
Schröpfer, Feldmann, Vierhaus: Die Säugetiere Westfalens, Münster 1984.
Wawra, Ursula: Natur erleben durch das Jahr-3, Aachen 2002.
Monika Neumeier: Igel in unserem Garten, Naturkosmetik, Naturprodukte, Gartenpflanzen, Gewürze, Kräuter, Heilpflanzen, Arzneipflanzen, Naturreisen, Weiterbildung, Bildung, Stuttgart, 1996.
Buse, Ludger und Meyer, Robert: Igel- Stachelritter in unserer Nachbarschaft, Georgmarienhütte 2001 (ein empfehlenswertes Kinderbuch).
Rabou, de Jongh und Saris: Die Jahreszeiten-Herbst und Winter, Lüneburg 3/1998.

Weitere Informationen über Igel im Internet:

www.pro-igel.de



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