Wegschnecke

Große Wegschnecke (Arion ater syn.: Arion rufus)

Familie: Wegschnecken (Arionidae)
Klasse: Schnecken (Gastropoda)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00077

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Mit 10 – 15 cm Länge (manchmal sogar 20 cm) ist die Große Wegschnecke eine sehr große Nacktschnecke. In der Färbung sind Große Wegschnecken sehr variabel. Es gibt völlig schwarze Exemplare, aber auch ziegelsteinrote, orangefarbene und graue. Die schwarzen Wegschnecken finden sich im nördlichen Verbreitungsgebiet am häufigsten. Der Fußsaum ist oft schwächer und rötlicher als der Körper gefärbt. Selten sind dunkle Seitenbinden bei ausgewachsenen Exemplaren vorhanden, gewöhnlich jedoch nur bei jungen Exemplaren. Die Runzeln sind groß und länglich.

Große Wegschnecken sind in unterschiedlichen Lebensräumen zu finden. Man findet sie in Wiesen, Mooren, Hecken, Wäldern und Gärten und selbst auf sauren Böden. In den Bergen kommen sie bis 1800 m Höhe vor. Große Wegschnecken sind west- und mitteleuropäisch, und mit Ausnahme von Skandinavien verbreitet.

Die zur Familie der Wegschnecken gehörenden Nacktschnecken haben eine gewöhnlich reduzierte innere Kalkplatte. Ein Kiel fehlt und alle Arten besitzen eine caudale Schleimdrüse, die sich über der Schwanzspitze befindet. Der Mantel ist genarbt, aber nicht gerunzelt. Die Atemöffnung liegt vor der Mantelmitte.

Große Wegschnecken sind Pflanzenfresser, sie verschmähen jedoch auch Aas und Abfall nicht. Wenn es gegen Abend kühler wird, sich Feuchtigkeit ausbreitet und der Boden und die Luft auskühlen, verlassen Wegschnecken ihre Verstecke und fressen die ganze Nacht über. In der Morgendämmerung suchen die Tiere sich dann ganz in der Nähe einen Unterschlupf. Bei Regenwetter kann man sie auch tagsüber entdecken.

Versiegt eine Futterstelle aus irgendwelchen Gründen, sucht die Nacktschnecke noch zwei oder drei Tage lang an derselben Stelle nach Nahrung. Erst wenn der Hunger zu überwältigend wird, beginnt sie nach neuen Futterplätzen zu suchen. Innerhalb von zwei Tagen nehmen Große Wegschnecken so viel Nahrung auf wie sie selber wiegen. Ihr Futter zerkleinern Wegschnecken mit der Radula, der in der Mundhöhle liegenden Reibezunge. Während Nacktschnecken Gärtnern und Bauern großen Schaden zufügen können, haben sie in der Natur ähnlich wie Regenwürmer und andere Kleintiere eine wichtige Aufgabe, helfen sie doch dabei, riesige Mengen abgestorbener und verrottender Pflanzenteile zu Humus zu verarbeiten. Auch die unappetitlichen Hinterlassenschaften unsere Hunde entsorgen sie. Es dauert nur zwei Tage, dann ist z.B. der Kot des Neufundländers verschwunden, von Nacktschnecken aufgefressen.

Wegschnecke auf Löwenzahn

Wegschnecken stehen auf dem Speiseplan vieler Tiere, für Ratte, Dachs und Wildschwein sind sie ebenso ein Leckerbissen wie für Igel, Maulwurf und Spitzmaus. Auch Frösche, Kröten, Salamander und selbst kleinere Tiere wie Ameisen, Laufkäfer oder Glühwürmchen stellen den Schnecken oder ihren Gelegen nach. Hühner und Enten spüren sie selbst in ihren Verstecken mitunter auf. Wenn Wegschnecken nicht vorzeitig gefressen werden, können sie ein Lebensalter von etwa 2 oder 3 Jahren erreichen.

Nach starken sommerlichen Regenfällen kommen Wegschnecken in Paarungsstimmung. Begegnen sich zwei der zwittrigen Schnecken, kriecht die eine hinter der anderen her und presst ihren Mund an deren Körperende. Schließlich bilden beide einen Kreis, der immer enger wird und schleimen sich dabei ein. Nach der Paarung trennen sich die beiden Schnecken wieder. Tage, manchmal Wochen nach der Paarung legen die Nacktschnecken ihre Eier in einem geeigneten Versteck, zum Beispiel unter vermoderndem Laub oder im Gehölz, ab. Aus bis zu 60 Eiern kann ein Gelege bestehen. Nach mehreren Tagen oder Wochen schlüpfen die Jungschnecken. Die im Herbst gelegten Eier überwintern bis zum Frühling. Die frisch geschlüpften Schnecken bleiben beim Gelege und fressen die kalkhaltige Eihülle auf.

Von der großen Wegschnecke können zwei Unterarten unterschieden werden: Arion ater ssp. ater und Arion ater ssp. rufus. Sie weisen Unterschiede in der inneren Anatomie auf. Äußerlich können diese Unterarten aber nicht unterschieden werden weder durch Färbung noch durch Fundort.

Literatur:
-Kerney, M.P./ Cameron R.A.D./Jungbluth, J.H., Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas, Hamburg 1983.
-Buse, Ludger und Godan, Dora: Nacktschnecken - Auf leisen Sohlen durch die Welt, Georgsmarienhütte 1999.



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