Säbelschnäbler

Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta)

Familie: Säbelschnäbler und Stelzenläufer (Recurvirostridae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00070

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Der Säbelschnäbler gehört zu den auffälligsten Vögeln an unseren Küsten. Anmutig wie eine Tänzerin schreitet dieser zierliche, etwa taubengroße, schwarz-weiße Vogel auf seinen hohen Beinen schnellen Schrittes durch das Watt. Seine merkwürdige Schnabelform fällt dabei sehr auf; sieht man den Vogel zum ersten Mal, könnte man fast glauben, dass er sich eine Verletzung zugezogen habe. Die säbelförmige Schnabelform ist aber keine Laune der Natur, sondern eine vorzügliche Anpassung an die Art des Nahrungserwerbs. Säbelschnäbler waten nämlich durch das seichte Wasser und ziehen dabei ihren leicht geöffneten Schnabel nach beiden Seiten durch den Schlick. Dabei ertasten, packen und verschlucken sie kleine Krebse, Würmer und Insekten. Häufig durchschreiten Säbelschnäbler in dichten Gruppen das flache Wasser, scheuchen dabei Beutetiere auf und treiben sie sich gegenseitig zu. Der Säbelschnabel ist dabei das ideale Werkzeug zum Durchpflügen der oberen Schlammschichten.

Säbelschnäbler Paar

Säbelschnäbler kommen nur am Salzwasser vor. Sie sind Nahrungsspezialisten, die die salzigen dünnen Schlammschichten (Schlick) benötigen. In ihnen entwickeln sich nämlich in großen Mengen Kleinkrebse. 20000 der etwa einen Zentimeter großen Schlickkrebse können auf einem einzigen Quadratmeter Boden im Wattenmeer leben. Sie sind eine nie versiegende Nahrungsquelle für den Vogel.

Die geselligen Säbelschnäbler brüten oft in lockeren Kolonien im Verband mit Austernfischern, Seeschwalben und Lachmöwen. Das Nest ist eine flache Mulde in der Strandvegetation oder in der Salzsteppe des Wattenmeeres. Meistens werden vier Eier gelegt, selten auch drei oder fünf. Die Eier sind spitzoval bis kreiselförmig. Es kommt immer wieder vor, dass alle Gelege des Säbelschnäblers durch ein Hochwasser vernichtet werden.

Säbelschnäbler haben einen guten Trick, um Feinde von ihrem Gelege und den Jungen fern zu halten. Wenn diese sich nähern, fliegen die Vögel, die nicht brüten, auf und umkreisen den Eindringling. Der wird abgelenkt und sieht nicht, dass die brütenden Vögel unauffällig ihr Nest verlassen. Dann tun sie so, als ob sie verletzt seine und nicht mehr fliegen können.

Der Feind glaubt nun eine leichte Beute vor sich zu haben und folgt dem schauspielernden Vogel. Sobald er weit genug weggelockt ist vom Nest, werden die Schauspieler auf wundersame Weise wieder gesund. Das Nachsehen hat dann der verdutzte Feind. Ein solches Verhalten, das in der Vogelwelt häufiger vorkommt, nennt man Verleiten.

Säbelschnäbler sind je nach Brutgebiet Stand-, Strich- oder Zugvögel. Ihr Winterareal reicht an der Atlantikküste vom Süden der Bretagne bis nach Senegal und Gambia und vom Mittelmeer bis in die Sahelzone.



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Säbelschnäbler

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