Weinbergschnecke

Weinbergschnecke (Helix pomatia Linnaeus)

Familie: Hain- oder Schnirkelschnecken (Helicidae)
Klasse: Schnecken (Gastropoda)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00063

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Unter den einheimischen auf dem Land lebenden Gehäuseschnecken ist die Weinbergschnecke die größte Art. Ihr Gehäuse kann eine Breite von 5-7 cm erreichen und ist unterschiedlich hellbraun gefärbt. Der beigefarbene, manchmal auch graue Körper kann bis zu 10 cm Länge erreichen. Eigentlich ist die Weinbergschnecke bei uns nicht einheimisch, denn sie wurde schon in prähistorischer Zeit aus süd- und südosteuropäischen Gebieten durch den Menschen weiter nach Norden gebracht.

Heute wird man Weinbergschnecken kaum noch in Weinbergen finden, höchstens noch in ökologisch bewirtschafteten Betrieben. Vertrieben wurden die Tiere durch Düngung und Schädlingsbekämpfung. Dagegen finden sie in Parks, in Gärten oder auf Friedhöfen oft günstige Lebensbedingungen vor.

Weinbergschnecke Paar

Zum Aufbau ihres Gehäuses benötigen Weinbergschnecken große Mengen Kalk. Das Schneckengehäuse besteht nämlich aus Kalk und ist von daher recht hart. Erst im Alter von drei Jahren sind Weinbergschnecken ausgewachsen und solange bauen sie an ihrem Haus. Dieser enorme Bedarf an Kalk wird zum größten Teil durch die in der aufgenommenen Nahrung enthaltenen Kalksalze gedeckt. Weinbergschnecken bevorzugen aber auch einen kalkreichen Untergrund und durch Experimente konnte man nachweisen, dass Gehäuseschnecken den Kalk des Untergrundes lösen und den gelösten Kalk aufnehmen können. Somit können sie nach Belieben ihren Kalkbedarf regeln. Will man Weinbergschnecken züchten, muss man aber dennoch zusätzlich Kalk dem Futter beigeben, denn der Kalkbedarf wird nicht allein mit der Nahrung und dem Kalk des Bodens gedeckt.

Man findet Weinbergschnecken an schattigen und feuchten Orten besonders auf kalkhaltigen Böden. Saure Böden meiden sie. Direkte Sonne vertragen sie nicht und sind deshalb vor allem nachts zum Fressen unterwegs. Bei warmen Regenwetter kann man Weinbergschnecken jedoch auch tagsüber gut finden.

Weinbergschnecken sind Pflanzenfresser, die sich von allen möglichen pflanzlichen Stoffen, die in der Natur anzutreffen sind, ernähren. In der Regel werden frische Pflanzen gefressen; es werden kaum Pflanzenarten ganz verschmäht, allerdings werden frische, zarte und saftige Pflanzen oder Pflanzenteile bevorzugt gefressen. Durch Versuche fand man heraus, dass Weinbergschnecken keine Vorlieben für spezielle Pflanzenarten haben.

Im Frühsommer beginnt die Paarungszeit der Weinbergschnecken. Alle Schnecken sind Zwitter und haben Samen und Eier in ihren Geschlechtsorganen. Drei Jahre müssen sie alt werden, bevor sie sich paaren und Eier legen können. Vor der eigentlichen Paarung stoßen sich die Schnecken gegenseitig einen etwa 5 mm langen sogenannten „Liebespfeil“ in die Fußsohle. Damit zeigen sie einander, dass sie zur Paarung bereit sind. Dann tritt an der rechten Kopfseite das weißliche Begattungsteil hervor. Damit übergeben sie dem anderen Partner den Samen in die Geschlechtsöffnung, die sich ebenfalls an der rechten Kopfseite befindet. Sechs bis acht Wochen nach der Paarung werden die reifen Eier abgelegt. Mit dem Fuß gräbt die Weinbergschnecke dann ein Loch, in das sie die 30 – 60 Eier ablegt. Dafür braucht die Schnecke mitunter einen ganzen Tag. Die Eier sind knapp erbsengroß und weiß oder beige. Zwei Wochen bleiben die Eier in der gegrabenen Höhle, dann schlüpfen die Jungschnecken mit dem fertigen Häuschen aus dem Ei und ernähren sich von der kalkhaltigen erde rundherum. Weinbergschnecken können recht alt werden. Man weiß von Gehegeschnecken, die 19 Jahre alt wurden. In der Regel beenden aber ihre zahlreichen Feinde, zu denen zum Beispiel Igel, Spitzmäuse und Drosseln gehören, ihr Leben viel früher.

Literatur:
Kilias, Rudolf: Die Weinbergschnecke. Neue Brehm Bücherei, Magdeburg 1995.
Buholzer, Theres: Schneckenleben. Kinderbuchverlag Luzern, 1989.



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